Stadtklimaanalyse

Heiße Sommertage und warme Nächte, in der die Luft nachts über 20°C bleibt (auch Tropennächte genannt) werden auch in Neumünster häufiger und spürbarer. Die Stadtklimaanalyse zeigt, wo sich die Stadt besonders aufheizt, wo kühlende Luft entsteht und welche Grünflächen, Freiräume und Wege für ein angenehmeres Stadtklima wichtig sind. Viele Wohnbereiche in Neumünster profitieren von Grünflächen, Gärten und der Nähe zu offenen Landschaftsräumen. Gleichzeitig gibt es Bereiche, in denen Hitze stärker belastet, vor allem in der Innenstadt, in hochversiegelten Gewerbeflächen, auf Straßen, Plätzen und dort, wo wenig Schatten vorhanden ist. Schwerpunkt der Stadtklimaanalyse ist somit die Betroffenheit durch Hitze.
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Die Stadtverwaltung nutzt die Stadtklimaanalyse, um Klimaanpassung bei Stadtentwicklung, Bauleitplanung, Grünflächenplanung und Straßenplanung besser zu berücksichtigen.
Kurz gesagt: Die Stadtklimaanalyse zeigt, wo Neumünster hitzebelastet ist, wo die Stadt abkühlt und welche Bereiche bei künftigen Planungen besonders berücksichtigt werden sollten, um die Bevölkerung besser zu schützen.
Erwärmung in der nahen Zukunft
Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist die durchschnittliche Jahrestemperatur bereits deutlich gestiegen. Im Vergleich der Zeiträume 1881 bis 1910 und 1991 bis 2020 beträgt der Anstieg rund 1,6 Grad Celsius. Für die Zukunft wird eine weitere Erwärmung erwartet. Im Szenario, das in der Stadtklimaanalyse betrachtet wurde, steigt die Jahresmitteltemperatur in Neumünster bis zur nahen Zukunft, also im Zeitraum 2021 bis 2050 um rund 1,4 Grad Celsius im Vergleich zur Durchschnittstemperatur des Zeitraums von 1971 bis 2000. Dies hat negative Folgen wie lange Trockenheitsperioden, Unwetter und Starkregen. Heiße Tage könnten sich gegenüber dem Referenzzeitraum etwa verdoppeln, Sommertage deutlich zunehmen.
| 1971-2000 | 2021-2050 | |
|---|---|---|
| durchschnittliche Anzahl Sommertage pro Jahr (Tageshöchsttemperatur von ≥ 25°C) | 22 Tage | 32 Tage |
| durchschnittliche Anzahl heiße Tage (Tageshöchsttemperatur ≥ 30°C) | 3 Tage | 6 Tage |
Die Stadtklimaanalyse hilft dabei, die Entwicklung in Bezug auf Hitze räumlich einzuordnen: Welche Bereiche sind heute schon stärker von Hitze betroffen? Wo entstehen kühlende Luft und Entlastung? Und was muss bei neuen Baugebieten, Straßen, Plätzen und Grünflächen beachtet werden?
Was zeigt die Analyse für Neumünster?
Besonders von Hitze betroffen sind Bereiche, in denen mehrere Faktoren zusammenkommen: viel Versiegelung, dichte Bebauung, wenig Schatten, geringe Durchlüftung oder eine hohe Bedeutung für Wohnen, Arbeiten und Verkehrsrouten für Rad- und Fußgänger*innen.
Nachts betrifft dies vor allem zentrale Stadtbereiche und hochversiegelte Gewerbeflächen. Dort speichern Gebäude, Straßen und befestigte Flächen Wärme und geben sie nachts langsam wieder ab. Beispiele aus dem Bericht sind unter anderem Bereiche an der Kieler Straße südlich der Max-Johannsen-Brücke und das Gewerbegebiet nördlich des Stoverwegs.
Tagsüber ist Verschattung besonders wichtig. Auch Stadtteile mit viel ebenerdigem Grün können bei direkter Sonneneinstrahlung stark belastet sein, wenn großkronige Bäume fehlen. Der Bericht nennt hier beispielhaft größere Bereiche in Gartenstadt und Tungendorf sowie Siedlungsflächen westlich der Keplerstraße.
Insgesamt hat Neumünster in vielen Bereichen gute Voraussetzungen für ein vergleichsweise günstiges Stadtklima. Viele Wohngebiete haben einen hohen Grünanteil und profitieren von Gärten, Grünflächen und der Nähe zu offenen Landschaftsräumen. Deshalb weisen nachts rund 79 Prozent des Siedlungsraums eine sehr günstige oder günstige bioklimatische Situation auf.
Hohe Nachttemperaturen in der Innenstadt & stark versiegelten Gewerbeflächen
In der Innenstadt und in stark versiegelten Gewerbeflächen liegen die nächtlichen Temperaturen aktuell um bis zu 5°C höher als im weitgehend unbebauten Umland. Im Durchschnitt beträgt der Wärmeinseleffekt zwischen bebauten Bereichen und Ausgleichsräumen 1,9°C.
Günstige Ausgangslage in vielen Wohngebieten
Mehr als drei Viertel des Neumünsteraner Siedlungsraums weisen nachts eine sehr günstige oder günstige bioklimatische Situation auf. Das liegt vor allem am hohen Grünanteil vieler Wohnbereiche und an der Nähe zu offenen Grün- und Freiflächen.
Schatten als entscheidender Faktor
Tagsüber hängt die Wärmebelastung vor allem davon ab, ob Flächen verschattet sind. Großkronige Bäume und Parks verbessern die Aufenthaltsqualität deutlich. Bereiche mit wenig Schatten können allerdings auch dann stark belastet sein, wenn sie grundsätzlich grün wirken. Für Abkühlung sorgen außerdem Brunnen und Gewässer.
Wichtige Grünzüge entlang von Schwale und Stör
Die Grünzüge entlang der Schwale und der Stör tragen zur Entlastung bei. Sie sind für Kaltluft, Durchlüftung und kühle Aufenthaltsbereiche bedeutsam. Der Grünzug entlang der Stör wird im Bericht als wertvoller Ausgleichsraum zwischen Stadtmitte und südlich angrenzenden Gewerbegebieten beschrieben.
Höhere Hitzebelastung durch den Klimawandel
Bis 2050 steigt die Hitzebelastung in Neumünster. Der durchschnittliche Wärmeinseleffekt erhöht sich nur leicht von 1,9 auf 2,0°C weil sich Grün, Siedlungs- und Verkehrsflächen relativ gleichmäßig erwärmen. Allerdings wird Hitze durch die Klimaerwärmung insgesamt häufiger und stärker spürbar.
Wo werden Hitze und Abkühlung in Neumünster besonders spürbar?
Die Stadtklimaanalyse bewertet keine Stadtteile als gut oder schlecht. Sie analysiert, welche Stadtbereiche bei Hitze stärker belastet sind und welche Stadtbereiche zur Abkühlung beitragen.
| Ortstyp in Neumünster | Was die Analyse zeigt |
|---|---|
| Innenstadt und stark versiegelte Gewerbeflächen | Die Flächen sind besonders belastet. Nachts bleibt es hier besonders warm, weil Gebäude, Straßen und versiegelte Flächen Wärme speichern. |
| Wohngebiete mit viel Grün | Viele Wohnbereiche kühlen nachts vergleichsweise gut ab, besonders bei hohem Grünanteil und Nähe zu Freiflächen. |
| Straßen, Plätze und Haltestellen | Tagsüber ist hier Schatten besonders wichtig, weil direkte Sonneneinstrahlung die Wärmebelastung stark erhöht. |
| Schwale und Stör mit Grünzügen | Diese Räume können zur Abkühlung, Durchlüftung und Erholung beitragen. |
| Stadtwald, Stadtoark, Tierpark und Brachenfelder Gehölz | Diese Bereiche sind wichtige Rückzugsorte bei Hitze, besonders am Tag und tragen zur Abkühlung und Durchlüftung bei. |
| Offene Freiflächen und landwirtschaftliche Flächen | Sie können nachts Kaltluft bilden, sind tagsüber ohne Schatten aber nicht automatisch kühle Aufenthaltsorte. |
Die Karten der Stadtklimaanalyse verstehen
Die Stadtklimaanalyse besteht aus mehreren Karten. Sie zeigen nicht alle dasselbe. Die Klimaanalysekarten erklären, wie das Stadtklima in Neumünster funktioniert. Die Planungshinweiskarten zeigen, was daraus für die Planung folgt. Für die Arbeit der Stadtverwaltung sind deshalb vor allem die Planungshinweiskarten wichtig.
Die Karten helfen dabei, Hitze, Kaltluft, Grünflächen, Schatten und Durchlüftung bei künftigen Entscheidungen frühzeitig mitzudenken. Sie sind eine fachliche Grundlage für Stadtplanung, Grünflächenplanung, Straßen- und Platzgestaltung, Bauleitplanung, Sanierungen und Klimaanpassungsmaßnahmen. Gleichzeitig helfen sie Bürgerinnen und Bürgern zu verstehen, warum bestimmte Flächen für das Stadtklima wichtig sind und warum an manchen Orten Begrünung, Schatten oder Entsiegelung besonders sinnvoll sind.
Was zeigen die Klimaanalysekarten?
Die Klimaanalysekarten zeigen, wie sich Hitze und kühlere Luft im Stadtgebiet verteilen. Sie machen sichtbar, wo es nachts besonders warm bleibt, wo Kaltluft entsteht und über welche Bereiche kühlere Luft in Richtung Stadt fließen kann.
Für Neumünster gibt es eine Klimaanalysekarte für den heutigen Zustand und eine Klimaanalysekarte für das Zukunftsszenario 2050. So lässt sich erkennen, wie sich die stadtklimatische Situation unter dem Einfluss des Klimawandels und geplanter Flächenentwicklungen verändern kann.
Die Klimaanalysekarten betrachten eine typische Sommernacht, die durch einen wolkenlosen Himmel und einen schwachen Wind gekennzeichnet ist. Das ist wichtig, weil der städtische Wärmeinseleffekt nachts besonders deutlich wird. Gebäude, Straßen und versiegelte Flächen speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts langsam wieder ab. Grün- und Freiflächen kühlen dagegen schneller aus und können Kaltluft bilden.
Wichtige Begriffe
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| nächtliche Überwärmung | Wo bebaute und versiegelte Bereiche nachts besonders warm bleiben |
| Kaltluftentstehung | Wo auf Grün und Freiflächen kühlere Luft entsteht |
| Kaltluftleitbahnen | Wo kühle Luft in belastete Stadtbereiche strömen kann |
| Kaltluftaustauschbereiche | Wo Kaltluft flächig in bebaute Bereiche hineinwirkt |
| Ventilationsbahnen | Wo bei geeigneten Windverhältnissen Luft in Richtung Stadt transportiert werden kann |
Für Neumünster wurden acht Kaltluftleitbahnen identifiziert. Vier liegen im südöstlichen Stadtbereich und reichen in die Gewerbegebiete Gadeland und Süd sowie in den Stadtteil Gadeland. Für das Stadtzentrum sind vor allem Kaltluftleitbahnen im Bereich Messeachse, Stadtwald und Stadtpark, der Kleingartenkolonie östlich der Holstenhallen sowie entlang des östlichen Schwalegrünzugs wichtig. Eine weitere Kaltluftleitbahn verläuft im Norden entlang der Kieler Straße südlich der Straße Krückenkrug bis zum Industriegebiet Nord.
So lesen Sie die Karten
Rote oder orange Farben zeigen stärker überwärmte Siedlungs- und Verkehrsflächen. Blaue oder blaugraue Bereiche zeigen wichtige Kaltluft- und Ausgleichsräume. Pfeile zeigen, wohin Luft strömen kann.
Was zeigen die Planungshinweiskarten?
Die Planungshinweiskarten übersetzen die fachlichen Ergebnisse in Hinweise für die Planung. Sie zeigen, wo Flächen geschützt, erhalten, verbessert oder bei künftigen Entscheidungen besonders berücksichtigt werden sollten.
Die Planungshinweiskarten bewerten bebaute Bereiche, Verkehrsflächen und Gewerbeflächen als sogenannte Wirkräume. Das sind Bereiche, in denen Menschen wohnen, arbeiten, oder sich aufhalten oder auf Wegen unterwegs sind und in denen Hitze spürbar werden kann. Grün- und Freiflächen werden als Ausgleichsräume bewertet. Das sind Flächen, die zur Abkühlung, Durchlüftung oder Erholung beitragen können.
Dabei werden Tag und Nacht in zwei getrennten Karten betrachtet, denn eine Fläche kann tagsüber als Aufenthaltsort wenig geeignet sein, nachts aber eine wichtige Funktion für die Kaltluftbildung haben.
Im Gegensatz zu den Klimaanalysekarten beziehen sich die Planungshinweiskarten auf eine Kombination des Ist-Zustands und der Zukunft. Außerdem beruht die Bewertung in den Planungshinweiskarten auf relativen Unterschieden zwischen den Flächen, die unabhängig von der Wetterlage auftreten.
Was zeigt die Planungshinweiskarte für die Tagsituation?
Die Planungshinweiskarte Tag zeigt, wo die Wärmebelastung für Menschen tagsüber im Freien besonders hoch ist. Dabei geht es um Aufenthaltsqualität auf Straßen und Wegen, Plätzen, Schulhöfen, Haltestellen, in Wohngebieten und in Arbeitsumfeldern.
Entscheidend ist am Tag vor allem die Verschattung. Direkte Sonneneinstrahlung ist der wichtigste Faktor für die Wärmebelastung. Deshalb reicht ein hoher Grünanteil allein nicht immer aus. Eine offene Rasenfläche kann sich an einem heißen Sommertag stark aufheizen, wenn dort kaum Schatten vorhanden ist. Kühlend und entlastend wirken vor allem großkronige Bäume, schattige Wege, Parks mit Baumbestand, Waldflächen und gut erreichbare Grünräume mit hoher Aufenthaltsqualität.
Was zeigt die Planungshinweiskarte für die Nachtsituation?
Die Planungshinweiskarte Nacht zeigt, welche Bereiche sich nachts gut oder weniger gut abkühlen und wo wichtige Kaltluft einströmt. Das ist wichtig, weil warme Nächte Schlaf und Erholung belasten können. Besonders in dicht bebauten und stark versiegelten Bereichen speichern Gebäude, Straßen und Plätze tagsüber Wärme und geben sie nachts langsam wieder ab.
Nachts spielt Kaltluft eine zentrale Rolle. Kaltluft entsteht vor allem auf offenen Grün- und Freiflächen, zum Beispiel auf Wiesen, Ackerflächen, größeren Grünflächen und teilweise auch in locker bebauten, stark durchgrünten Bereichen. Diese kühle Luft kann belastete Siedlungsbereiche entlasten, wenn sie dorthin fließen kann.
Dafür braucht sie möglichst offene Wege. Gebäude, hohe Mauern, dichte Bebauung oder ungünstig angeordnete Baukörper können Luftströme abbremsen oder blockieren. Die Planungshinweiskarte Nacht macht deshalb sichtbar, welche Grün- und Freiflächen für Kaltluft, Durchlüftung und nächtliche Entlastung besonders wichtig sind.
Die Karte sollte vor allem betrachtet werden, wenn bauliche Veränderungen Freiflächen, Grünzüge oder Luftaustauschbereiche betreffen. Das gilt zum Beispiel für neue Baugebiete, Nachverdichtung, neu geplante Gewerbeflächen, größere Gebäudekomplexe und Stellplatzanlagen und Planungen am Rand wichtiger Grün- und Freiflächen.
Maßnahmen für eine Verbesserung des Stadtklimas
Die Stadtklimaanalyse enthält einen Maßnahmenkatalog mit 20 klimaökologisch wirksamen Maßnahmen. Sie lassen sich in drei Gruppen einteilen: bessere Aufenthaltsqualität im Freien, bessere Durchlüftung und geringere Wärmebelastung in Gebäuden.
Für Neumünster sind beispielsweise diese Maßnahmen sind besonders wichtig:
| Maßnahme | Wirkung |
|---|---|
| Bäume erhalten und neue großkronige Bäume pflanzen | mehr Schatten auf Wegen, Plätzen, Schulhöfen und Haltestellen |
| Straßen, Plätze und Parkplätze entsiegeln | weniger Aufheizung, mehr Versickerung, bessere verdunstung |
| Innenhöfe und Vorgärten begrünen | Kühlung im direkten Wohnumfeld |
| Öffentliche Grünräume schaffen und aufwerten | Kühle Aufnethalsorte werden in belasteten Bereichen geschaffen |
| Schwale, Stör und Grünzüge schützen | Räume werden gesichert, die für Kaltluft und Erholung sorgen |
| Baukörper und Abstandsflächen klimaangepasst planen | Kaltluftströme bleiben erhalten |
| Dächer und Fassaden begrünen | Gebäude heizen sich weniger stark auf |
| Außenliegenden Sonnenschutz nutzen | Innenräume bleiben bei Hitze besser nutzbar |
| Regenwasser speichern und Pflanzen bewässern | Bäume und Grünflächen bleiben auch in Trockenphasen wirksam |
Wie werden die Karten in der Arbeit der Stadtverwaltung genutzt?
Die Stadtklimaanalyse ist eine Grundlage für die künftige Stadtentwicklung. Sie hilft dabei, bei neuen Baugebieten, nachverdichtung oder Umgestaltung frühzeitig auf Hitze, Grünflächen und Durchlüftung zu achten. Wenn die Karten frühzeitig in Planungsprozesse einbezogen werden (möglichst bevor konkrete Entwürfe feststehen), können Hinweise zu Grün, Schatten, Durchlüftung, Entsiegelung und Gebäudestellung berücksichtigt werden.
Im Zukunftsszenario wurden 33 Entwicklungsflächen berücksichtigt. Der Bericht zeigt, dass neue Bebauung Kaltluftströme beeinflussen kann, weil Gebäude als Hindernisse wirken und Luftströmungen abbremsen oder umlenken können. Besonders deutlich wird dies bei einzelnen Entwicklungsflächen, zum Beispiel beim Stock-Gelände Rendsburger Straße Ostteil, bei Flächen südlich der Kampstraße, westlich des Christianswegs und nördlich von Am Blöckenkamp sowie entlang der Messeachse. Der Bericht zeigt aber auch, dass Entwicklung positive Effekte haben kann. Bei der Umnutzung der Hindenburg Kaserne in ein Wohngebiet wird die nächtliche Überwärmung der betroffenen Fläche im Zukunftsszenario sichtbar reduziert. Für Bauprojekte bedeutet das: Entscheidend sind nicht nur Gebäude und Nutzung, sondern auch Grünanteil, Verschattung, Entsiegelung, Durchlüftung, Gebäudeausrichtung und der Schutz wichtiger Kaltluftbereiche.
Wichtig ist: Die Planungshinweiskarten entscheiden nicht allein, ob eine Fläche bebaut, umgestaltet oder geschützt wird. Sie sind eine fachliche Grundlage für die Abwägung. Andere Belange wie Wohnraumbedarf, Verkehr, Naturschutz, Bodenschutz, Entwässerung, Eigentum, Kosten und städtebauliche Ziele müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Die Karten zeigen aber, wo Klimaaspekte besonders sorgfältig geprüft werden sollten. Je höher die Belastung oder je wichtiger die Ausgleichsfunktion einer Fläche ist, desto früher sollten Klimaanpassung, Begrünung, Verschattung, Entsiegelung und Durchlüftung in die Planung einbezogen werden.
| Verwaltungsaufgabe | Nutzung der Karten |
|---|---|
| Stadtplanung | prüfen, ob Hitze, Kaltluft oder Durchlüftung bei einer Fläche besonders relevant sind |
| Grünflächenpflege | erkennen, wo Schatten, Baumpflanzungen, Grünvernetzung oder Erhalt von Ausgleichsräumen wichtig sind |
| Verkehrsplanung | prüfen, wo Straßen, Plätze, Wege, Parkplätze oder Haltestellen stärker verschattet oder entsiegelt werden sollten |
| Schulen, Kitas und soziale Einrichtungen | erkennen, wo Außenflächen und Wege besonders hitzeangepasst gestaltet werden sollten |
Wie wurde die Stadtklimaanalyse erstellt?
Die Stadtklimaanalyse wurde mit einem Computermodell erstellt. Dafür wurde nicht an jeder Stelle im Stadtgebiet gemessen. Stattdessen wurden viele räumliche Daten zusammengeführt und mit einem Stadtklimamodell berechnet.
Für Neumünster wurde das Modell FITNAH 3D eingesetzt. Die Berechnung erfolgte mit einer Auflösung von 10 mal 10 Metern. Das Modellgebiet umfasst nicht nur das Stadtgebiet, sondern auch das Umland, damit Luftaustausch und Kaltluft aus angrenzenden Bereichen berücksichtigt werden können. Insgesamt wurden rund 1,7 Millionen Rasterzellen berechnet.
In das Modell eingeflossen sind unter anderem Geländehöhen, Landnutzung, Versiegelung, Gebäude aus dem 3D-Stadtmodell, Luftbilder, Baumstrukturen, Gewässer, Straßen, Gleise, Grünflächen und geplante Entwicklungsflächen.
Für die Klimaanalysekarte wurde eine typische sommerliche Hitzesituation mit wolkenlosem Himmel und schwachem Wind betrachtet. Dabei wurden für das Zukunftsszenario 2050 zusätzlich die erwartete Temperaturzunahme, eine geringere Bodenfeuchte und absehbare Entwicklungsflächen berücksichtigt.
Für die Planungshinweiskarte wurden zwei Zeitpunkte berücksichtigt: 4 Uhr morgens für die Nachtsituation und 14 Uhr für die Tagsituation.
Fragen & Antworten zur Erstellung der Stadtklimaanalyse
Bei einer Modellierung werden viele räumliche Daten in einem Computermodell zusammengeführt und daraus Klimaergebnisse für das Stadtgebiet berechnet. Für die Stadtklimaanalyse fanden also keine Messungen im Stadtgebiet statt, sondern das Stadtklima wurde berechnet, in dem verschiedenen nhand vorhandener Daten berechnet.
Modellierung des Stadtklimas des Ist-Zustands
Im ersten Schritt wurden Daten, die charakteristisch für die Landschaft des Untersuchungsgebietes sind (z.B. Geländehöhe und Gebäude des 3D-Stadtmodells) in das ausgewählte Stadtklimamodell FITNAH 3D eingespeist. So wurde das Modell mit den Eigenschaften des Stadtgebiets von Neumünster eingestellt. Dann wurden im nächsten Schritt Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes in das Stadtklimamodell eingespeist, um das Stadtklima in Neumünster zu modellieren. Mithilfe dieser Datengrundlage hat das Modell dann Klimaparameter (z.B. Lufttemperatur und Kaltluftströmungen) errechnet, die zusammengefasst die Grundlage für die „Klimaanalysekarte Ist-Zustand“ bilden.
Modellierung des Stadtklimas der Zukunft
Um das zukünftige Stadtklima zu modellieren, wurde zuerst das Stadtklimamodell FITNAH 3D um Daten über zukünftige, jetzt schon absehbare Bau- und Flächenentwicklungsvorhaben ergänzt. So wurde das Modell mit den zukünftigen Eigenschaften des Stadtgebiets von Neumünster eingestellt. Dann wurden die zukünftigen Klimaveränderungen mithilfe von Klimadaten der
EURO-CORDEX-Initiative prognostiziert, wobei Daten des sogenannten Szenarios RCP 8.5 verwendet wurden. Dieses Szenario wurde vom Weltklimarat entwickelt und geht davon aus, dass die menschlich-verursachten Treibhausgasemissionen nicht reduziert werden, sondern bis zum Ende des Jahrhunderts konstant bleiben. Folglich geht der Klimawandel ungebremst weiter und führt voraussichtlich zu einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von 0,9 bis 1,9 °C bis 2050 in Neumünster. Mithilfe dieser Klimadaten konnte das Stadtklimamodell dann die Entwicklung der Klimaparameter (z.B. Lufttemperatur und Kaltluftströmungen) in der Zukunft errechnen. Die Ergebnisse bilden zusammengefasst die Grundlage für die „Klimaanalysekarte Zukunft“.
Für die Stadtklimaanalyse wurden Geländehöhen, Landnutzung, Versiegelung, Gebäude, Baumstrukturen, Luftbilder, Entwicklungsflächen und weitere Geodaten verwendet.
Bei wolkenlosem Himmel und schwachem Wind (den Eigenschaften einer typischen Hitzesituation) werden lokale Stadtklimaunterschiede besonders sichtbar.
4 Uhr zeigt die nächtliche Abkühlung, 14 Uhr zeigt die Wärmebelastung am Tag.
Es zeigt eine mögliche Entwicklung unter Berücksichtigung von Klimawandel, geringerer Bodenfeuchte und Entwicklungsflächen.
Häufige Fragen zur Stadtklimaanalyse
Nein. Ein Wetterbericht sagt, wie das Wetter in den nächsten Tagen wird. Die Stadtklimaanalyse zeigt, welche Bereiche der Stadt bei einer typischen sommerlichen Hitzesituation stärker belastet sind und welche Bereiche zur Abkühlung beitragen.
Nein. Die Karten zeigen keine Bewertung der Wohnqualität insgesamt. Sie zeigen, wo Hitze und fehlende Abkühlung bei Planung, Sanierung und Klimaanpassung besonders berücksichtigt werden sollten.
Warme Nächte belasten, weil sich der Körper schlechter erholen kann. Gebäude, Straßen und versiegelte Flächen speichern Wärme und geben sie nachts wieder ab. Deshalb betrachtet die Analyse die Nachtsituation besonders genau.
Grünflächen wirken nicht zu jeder Tageszeit gleich. Am Tag ist vor allem Schatten entscheidend. Eine offene Wiese oder ein Rasen kann sich bei direkter Sonneneinstrahlung stark aufheizen, wenn Bäume fehlen. Nachts kann diese offene Fläche jedoch deutlich schneller abkühlen als bebaute und versiegelte Flächen. Dadurch kann Kaltluft entstehen, die in angrenzende Wohngebiete einsträmt und für Abkühlung sorgen. Das erklärt, warum auch grün wirkende Bereiche tagsüber belastet sein können. Zum Beispiel können größere Bereiche in Gartenstadt und Tungendorf tagsüber eine erhöhte thermische Belastung aufweisen. Diese Bereiche haben teilweise viel ebenerdiges Grün, aber vergleichsweise wenig großkronige Bäume.
Mithilfe der Stadtklimaanalyse kann bei Bauprojekten geprüft werden, ob wichtige Grünflächen, Kaltluftleitbahnen oder Kaltluftaustauschbereiche betroffen sind. Außerdem kann abgeleitet werden, in welchen Gebieten Verschattung, Begrünung, Entsiegelung und Gebäudeschutz besonders wichtig sind.
Auf privaten Flächen helfen Bäume, Sträucher, Entsiegelung, begrünte Dächer oder Fassaden, Regenwassernutzung und außenliegender Sonnenschutz. Auch Nachbarschaftshilfe bei Hitze ist wichtig, besonders für ältere oder alleinlebende Menschen.
Fachbericht und Karten
Hier finden Sie die vollständigen Unterlagen zur Stadtklimaanalyse Neumünster. Die Dokumente richten sich an Fachplanung, Politik, Verwaltung und interessierte Bürger/-innen. Beachten Sie die Infos weiter oben für das Verständnis der Karten.
- Bericht Stadtklimaanalyse Neumünster 2022 (PDF-Datei zum Download) - Infos zu fachlichen Grundlagen, Methodik, Ergebnissen, Planaungshinweisen und Maßnahmen
- Klimaanalysekarte Ist-Zustand(PDF-Datei zum Download) - heutige Nachtsituation mit Überwärmung, Kaltluft und Luftaustausch
- Klimaanalysekarte Zukunft 2050(PDF-Datei zum Download) - zukünftige Nachtsituation unter Berücksichtigung von Klimawandel und Entwicklungsflächen
- Planungshinweiskarte Tag(PDF-Datei zum Download) - Bewertung der Wärmebelastung am Tag und Hinweise für Maßnahmen
- Planungshinweiskarte Nacht(PDF-Datei zum Download) - Bewertung der nächstlichen Belastung und Bedeutung von Kaltluft und Grünflächen
