Umgestaltung von Schottergärten

Gemäß §8 (1) Landesbauordnung Schleswig-Holstein (LBO) gilt, dass unbebaute Flächen

  • wasseraufnahmefähig und
  • begrünt oder bepflanzt

sein müssen. Schottergärten sind somit auch in Neumünster rechtswidrig. 

Was ist ein Schottergarten?

In der Vollzugsbekanntmachung zur Landesbauordnung Schleswig-Holstein werden Schottergärten als „Flächen mit mehr als nur einem geringen Stein- oder Schotteranteil“ definiert. In der Regel sind damit Flächen gemeint, die hauptsächlich aus Schotter, Kies oder anderen mineralischen Materialien bestehen und auf denen keine oder nur vereinzelte Pflanzen wachsen. Häufig befindet sich unter dieser mineralischen Schicht außerdem eine wasserundurchlässige Folie, die verhindert, dass Wasser bei Regen versickern kann.

Schottergarten

  • Steine reflektieren Sonnenstrahlen und heizen ihre Umgebung auf
  • Regenwasser kann nicht versickern, sondern wird in die Kanalisation geleitet, was bei Starkregen zu Überflutung führen kann
  • eintöniger Blick in den Garten
  • fehlender Lebensraum für Pflanzen und Tiere
  • mit der Zeit steigender Pflegeaufwand, um die Fläche frei zu halten von Pflanzen

 

 

Bepflanzter Garten

  • Pflanzen kühlen ihre Umgebung, indem Wasser über ihre Blätter verdunstet
  • Regenwasser wird von Pflanzen aufgenommen und versickert im Boden, füllt die Grundwasserspeicher und entlastet die Kanalisation
  • Pflanzen produzieren Sauerstoff und filtern Schadstoffe aus der Luft.
  • Pflanzen können Schall dämmen und zur Lärmminderung beitragen
  • der Blick ins Grüne hat wohltuende Wirkungen
  • Schmetterlinge, Bienen, Vögel und andere Tiere finden Aufenthaltsplätze und Futter
  • Tiere überwintern in Pflanzen(-resten), wenn diese im Garten verbleiben
  • je nach Pflanzenwahl entsteht unterschiedlicher Pflegeaufwand

Welche Pflanzen soll ich pflanzen?

Unter "Häufige Fragen und Antworten" finden Sie eine Liste an Pflanzen, die für die Umgestaltung eines Schottergartens geeignet sind. Die Stadt stellt zudem regional angepasste Empfehlungslisten mit geeigneten Bäumen, Sträuchern und Stauden sowie Pflanzen für die Dach- und Fassadenbegrünung bereit. Diese Empfehlungslisten sind  im Umwelt-ABC der Stadt Neumünster zu finden.

Umgestaltung: Vom Schottergarten zur grünen Oase

Ein Schottergarten kann entweder zu einem Steingarten aufgewertet oder grundlegend umgestaltet werden. Weiter unten auf dieser Seite finden Sie eine Liste an Pflanzen, die für die Umgestaltung eines Schottergartens geeignet sind. Außerdem gibt es Empfehlungen im Umwelt-ABC der Stadt Neumünster.

Option 1: Aufwertung zu einem Steingarten

Solche Flächen mit einem mageren, trockenen (aber wasserdurchlässigen) Untergrund stellt einen wertvollen Lebensraum für verschiedene Pflanzen und Tiere dar.

  • Schritt 1: Prüfen, ob sich unter dem Schotter eine wasserundurchlässige Schicht (z.B. Kunststofffolie oder Vlies) befindet. Falls ja, sollte der Schotter beiseite geräumt und die Schicht entfernt und fachgerecht entsorgt werden. 
  • Schritt 2: Schotter wieder auf der Fläche verteilen
  • Schritt 3: etwa 5 cm Grubensand, Kiessand oder Mineralbeton auf den Schotter auffüllen
  • Schritt 4: etwa 2 cm Kompost von einer zertifizierten Kompostieranlage auffüllen
  • Schritt 5: Schotter, Sand und Kompost mit Krail, Grabegabel oder Rechen bis mindestens 10 cm Tiefe gut vermischen.
  • Schritt 6: Fläche feinkrümelig harken, sodass die Oberfläche möglichst gleichmäßig ist. 
  • Schritt 7: Saatmischung für heimische, blütenreiche, magere Wildblumenwiese  einsäen und mehrjährigen Wildstauden pflanzen. Bei den Wildstauden für leichteres Einwurzeln eine Handvoll Kompost unter den Topfballen geben. Falls Gehölze gepflanzt werden sollen, sind tiefere Löcher mit nährstoffreicherer Erde notwendig.
  • Schritt 8: während dem Anwachsen in den ersten drei Monaten die Fläche zweimal in der Woche abends gießen 

 

 

Option 2: Grundlegende Umgestaltung

  • Schritt 1: Entfernung und fachgerechte Entsorgung des Schotters
  • Schritt 2: Falls vorhanden: Entfernung und fachgerechte Entsorgung der wasserundurchlässigen Schicht (Folie oder Vlies)
  • Schritt 3: je nach Beschaffenheit des Bodens ggf. Kompost/Erdschichten auffüllen und Bodenschichten vermischen
  • Schritt 4: Bepflanzung der Fläche - vorzugsweise mit heimischen, mehrjährigen Pflanzen

Unterstützung bei den einzelnen Schritten bieten Garten- und Landschaftsbaubetriebe.

Gute Beispiele: Schicken Sie uns Vorher-Nachher Bilder von Ihrem Garten!

Als Stabsstelle Klima und Umweltqualität möchten wir die Umgestaltung von Schottergärten in Neumünster öffentlich sichtbar machen und gute Beispiele zeigen. Wenn Sie dazu beitragen möchten und Ihren Schottergarten umgestalten bzw. aufwerten wollen oder bereits umgestaltet und aufgewertet haben, schicken Sie uns gerne Vorher-Nachher-Bilder davon! 
Dafür bitte die Nutzungsvereinbarung (pdf-Datei zum Download) ausfüllen und zusammen mit den Fotos an klimaschutz@neumuenster.de senden.
Vielen Dank!

Fotowettbewerb & Ausstellung von attac Neumünster

Im Fotowettbewerb von attac Neumünster werden Fotos rund um Schottergärten und ihren Einfluss auf Artenvielfalt, Wasserhaushalt, Hitzewirkung, Luftqualität, Licht und Lautstärke gesucht. Alle, die gern fotografieren und einen Blick für Schönes und Abstruses haben, sind aufgerufen, sich mit aufschlussreichen Bildern über graue Gärten zu bewerben. Die Fotos sollen dann im September im Rahmen der Ausstellung “Steinreich aber artenarm - grauer Schotter oder grünes Leben? >>> Gärten im Wandel” im Rathausfoyer gezeigt werden. 

Einsendeschluss ist der 21. Juni 2026

Häufige Fragen und Antworten rund um Schottergärten

Schottergärten wirken sich negativ auf Pflanzen, Tiere, den Wasserhaushalt und das Stadtklima aus. In der Regel verstoßen sie gegen §8 (1) LBO sowie §3 (1) der Abwassersatzung der Stadt Neumünster.

Gemäß § 8 Abs. 1 LBO sind die nicht mit Gebäuden oder vergleichbaren baulichen Anlagen überbauten Flächen der bebauten Grundstücke

  1. wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen und
  2. zu begrünen oder zu bepflanzen,

soweit dem nicht die Erfordernisse einer anderen zulässigen Verwendung der Flächen entgegenstehen.

Zur Erfüllung der gesetzlichen Verpflichtung muss die Vegetation auf den Flächen deutlich überwiegen, sodass Steinflächen aus Gründen der Gestaltung oder der leichteren Pflege nur in geringem Maße zulässig sind (z. B. schmale Wege oder Beeteinfassungen). Es ist dabei unerheblich, ob z. B. Pflaster- oder Schotterflächen mit oder ohne Unterfolie bzw. Vlies ausgeführt sind. Sie sind keine Grünflächen i. S. des Bauordnungsrechts, soweit auch hier die Vegetation nicht deutlich überwiegt. Die Anlage von Flächen mit mehr als nur einem geringen Stein- oder Schotteranteil (sog. Schottergärten) ist unzulässig.

Gemäß §3 Abs. 1 der Abwassersatzung der Stadt Neumünster ist Niederschlagswasser auf den Grundstücken, auf denen es anfällt, aus Gründen des Gewässerschutzes zu nutzen, zu verdunsten, zu versickern oder lokal zurückzuhalten.

Das Grundstück sollte zeitnah umgestaltet werden, um den Anforderungen des §8 (1) LBO zu entsprechen, d. h. die Fläche ist wasseraufnahmefähig herzustellen und zu begrünen oder zu bepflanzen. 

Herbst und Frühjahr eignen sich am besten zur Umgestaltung, da die Pflanzen bei moderaten Temperaturen am besten anwachsen und in der Regel nicht durch Hitze oder Kälte gefährdet sind.

Einen pflegeleichten Vorgarten erhält man auch durch die Pflanzung von Stauden. Stauden sind häufig winterhart und kommen jedes Jahr wieder. Das heißt sie müssen nur einmal gepflanzt werden und zieren den Garten jahrelang. Für optimales Wachstum und möglichst geringen Pflegeaufwand sollte bei der Pflanzenauswahl auf Wasser- und Lichtverfügbarkeit geachtet werden.

Folgende Stauden sind u.a. für Bienen eine willkommenen Futterquelle:

  • Wiesen-Schafgarbe (Achilla millefolium)
  • Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis)
  • Echter Eibisch (Althaea officinalis)
  • Kugel-Lauch (Allium sphaerocephalon)

Stauden können auch Bodendecker sein. Diese wachsen großflächig nahe des Bodens und eignen sicher daher zur Unterdrückung von unerwünschten Pflanzen und als Alternative zu Rasen:

  • Kriechender Günsel (Ajuga reptans)
  • Echter Dost (Origanum vulgare)
  • Efeu (Hedera helix)
  • Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus)
  • Großes Immergrün (Vinva major)
  • Große Braunelle (Prunella grandiflora)

Steine im Garten sind nicht per se schlecht. In ökologisch angelegte Steingärten tummeln sich zahlreiche Insekten. Vorbild für Steingärten ist oft eine Gebirgslandschaft, daher werden auch größere Steine (Findlinge) und kleinwüchsige Bäume verwendet. Empfohlene Arten für einen ökologisch umgestalteten Steingarten sind:

  • Zwerg-Glockenblume (Campanula saxifraga)
  • Zungen-Steinbrech (Saxifraga callosa)
  • Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)
  • Gemeiner Wundklee (Anthyllis vulneraria)
  • Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
  • Berg-Kiefer (Pinus mugo)

Garten- und Landschaftsbau Betriebe können Sie bei der Umgestaltung unterstützen oder die Umgestaltung für Sie umsetzen.

Veranstaltungen

Die Stadt Neumünster sowie weitere Akteure wie die Verbraucherzentrale bieten viefältige weitere Veranstaltungen rund um Themen wie Gebäudebegrünung, Gartengestaltung, Hitzeschutz oder Starkregen an.