Fahrradtouren "Klimaanpassung erfahren"

Die Folgen der Klimakrise sind längst in Neumünster angekommen: Vertrocknetes Grün und körperliche Belastungen durch tagelange Hitze - dann plötzlich vollgelaufene Keller und überflutete Straßen durch Starkregen. Diese extremen Wetterlagen stellen Städte und ihre Bewohner/-innen vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu ergreifen. 

In Neumünster gibt es bereits gute Beispiele, wie die Anpassung an Extremwetterereignisse gelingen kann. Einige davon wurden in den vergangene Jahren bei Fahrradtouren besichtigt, die von der Stadt Neumünster angeboten wurden. Unter dem Motto “Klimaanpassung erfahren” wurde den Teilnehmenden näher gebracht, wie sich die Stadt Neumünster auf Hitze und Starkregen vorbereitet und was die Bürger/-innen selbst tun können, um sich und ihr Haus zu schützen. Verschiedene Fachreferent/-innen der Stadtverwaltung, der Stadtwerke und der Verbraucherzentrale gaben spannende Einblicke in unterschiedliche Themenbereiche.

 

Juni 2026

Die Tour führte über etwa sieben Kilometer zu drei Stationen, an denen Neumünster bereits heute Klimaanpassung umsetzt. Als erstes gab Sven Ruhland von der Stadt Neumünster den ca. 15 Teilnehmenden einen Einblick in die Planungen des Parks am ehemaligen Rangierbahnhof. An der zweiten Station am Kleinflecken erläuterte Philipp Lichte von der Stadt Neumünster die Relevanz von städtischem Grün. Anhand der Linden am Kleinflecken wurde die Sanierung von Baumstandorten als eine Maßnahme der Klimaanpassungstrategie aufgegriffen. Abschließend wurde mit Jörg Rowehl von der Unteren Wasserbehörde ein Abschnitt der Stör besichtigt. 

Die Fahrradtour wurde vom Freien Rado begleitet. Ein erster Beitrag dazu ist bereits in der Audiothek des Freien Radios verfügbar, weitere Beiträge folgen demnächst.

August 2025

Entlang der rund sechs Kilometer langen Strecke wurden vier Stationen angefahren, an denen den ca. 15 Teilnehmenden Themen wie die Entstehung des geplanten „Parks am ehemaligen Rangierbahnhof“, der Umgang mit Starkregen und Hitze sowie die Kombination von Gründächern und Photovoltaikanlagen vorgestellt wurden.

Wie hilft Stadtgrün bei der Verbesserung des Stadtklimas?

An der ersten Station zeigte Herr Ruhland aus der Abteilung Grünflächen, dass der geplante „Park am ehemaligen Rangierbahnhof“ künftig nicht nur zur Naherholung dienen, sondern auch wichtige klimatische Funktionen erfüllen wird: Schon heute fungiert die aktuell noch größtenteils freie Fläche als Kaltluftleitbahn. Auf dieser kann in den Nachtstunden kühlere Luft aus dem Norden in Richtung Innenstadt fließen. So wird die Belüftung des stark versiegelten Innenstadtbereichs unterstützt und somit dem Wärmeinseleffekt entgegengewirkt. Durch die zukünftige Gestaltung der Fläche als Park wird diese Funktion erhalten bleiben und durch zusätzliche Begrünung noch verstärkt.

Wie schützt die Stadt sich und die Bürgerinnen und Bürger vor Starkregen?

Zum Thema Starkregen erklärte Herr Rowehl von der Unteren Wasserbehörde an der zweiten Station, wie das Kanalnetz aufgebaut ist und wie Regen- und Mischwasser kontrolliert abgeleitet werden können, um die Kanalisation vor einer Überlastung zu schützen. Ein besonderes Highlight war der Blick in den Schacht – eine seltene Gelegenheit, einen sonst verborgenen Teil des Untergrunds zu sehen (siehe Foto rechts).  Darüber hinaus informierte die Stabsstelle Klima und Umweltqualität über Möglichkeiten der Eigenvorsorge für Hauseigentümer/-innen, etwa durch die Anlage von versickerungsfähigen Materialien oder Retentionsräumen auf dem Grundstück sowie bauliche Maßnahmen am Haus wie der Installation von Rückstauklappen.

Welche Folgen hat Hitze für die Gesundheit?

Auch das Thema Hitze und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit spielt eine immer größere Rolle. Frau Dr. Jentzen vom Fachdienst Gesundheit informierte darüber, welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Hitze entstehen können und welche Bevölkerungsgruppen besonders betroffen sind. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfuhren zudem, wie man sich im Alltag vor Hitzebelastungen durch beispielsweise ausreichend Flüssigkeitszufuhr, richtiges Lüften und das Aufenthalten im Schatten schützen kann.

Warum setzt die Stadt auf Gründächer mit Photovoltaikanlagen?

Zum Abschluss der Radtour stand an der Rudolf-Tonner-Schule das Thema Dachbegrünung in Kombination mit Photovoltaikanlagen im Mittelpunkt. Herr Buck von den Stadtwerken Neumünster zeigte, dass Schulen wie die Rudolf-Tonner-Schule, Elly-Heuss-Knapp-Schule (siehe Foto rechts) und die Wilhelm-Tanck-Schule bereits mit einer Kombination aus Gründach und Photovoltaik ausgestattet sind. Begrünte Dächer verbessern das Mikroklima, speichern Regenwasser und schützen die Bausubstanz, während die Photovoltaikanlagen gleichzeitig erneuerbaren Strom liefern. Durch die kühlende Wirkung der Vegetation arbeiten Solarmodule effizienter und liefern unter optimalen Bedingungen eine höhere Leistung als auf unbegrünten Dächern.

Das Freie Radio Neumünster hat die Fahrradtour mit dem Aufnahmegerät begleitet und stellt die Inhalte zum Nachhören auf seiner Website bereit.

September 2024

Insgesamt bestand die rund 6 Kilometer lange Radtour aus fünf Stationen, an denen Alexander Buck (SWN), Jörg Rowehl (Untere Wasserbehörde der Stadt Neumünster), Juliane Michel (SWN) und Frau Oedekoven (VZSH) Einblicke in unterschiedliche Themen rund um Klimaanpassung gaben. Fragen wie "Wie viel Wasser hält ein Gründach zurück?" oder "Was sind eigentlich Rückstauklappen?" wurden unter anderem mithilfe von kleinen Experimenten an den Stationen anschaulich beantwortet. Außerdem wurden Anregungen für Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor Überschwemmungen und Hitze am eigenen Haus oder Grundstück gegeben.

Zu den Stationen zählte unter anderem die Besichtigung des Solargründachs auf der Elly-Heuss-Knapp-Schule in der Bachstraße. Die PV-Anlage wurde von den SWN für die Stadt Neumünster installiert und das Dach von der Stadtverwaltung begrünt. An dieser Station informierte Frau Oedekoven von der VZSH zu den Klimafunktionen von Gründächern wie z.B.  der Wasserrückhaltefunktion und der Kühlungswirkung. 

„Mit dieser Fahrradtour wollten wir nicht nur ein Bewusstsein für die Klimaanpassung in Neumünster schaffen, sondern auch zeigen, dass jede/r von uns einen Beitrag zur Gestaltung einer klimaangepassten Stadt leisten kann. Auch kleinere Maßnahmen wie die Gestaltung einer Autoauffahrt mit wasserdurchlässigen Bodenbelägen oder die regelmäßige Reinigung von Dachrinnen können dabei ein Schritt in die richtige Richtung sein“, betont Luise Hannink, zuständig für Klimaanpassung bei der Stadt Neumünster.

An der Fahrradtour nahm ein interessiertes Publikum aus ingesamt 25 Personen teil. Die Teilnahme war kostenlos.