Betroffenheitsanalyse
Viele mit dem Klimawandel in Verbindung stehende Veränderungen betreffen die Kommunen in vergleichbarer Weise, so dass sich auch die Anpassungsstrategien in vielen Punkten ähneln und man von anderen Städten und Regionen lernen kann. Welche sind nun aber die besonderen Empfindlichkeiten Neumünsters?
Die Bewertung der umfangreichen und sektorübergreifenden Klimarisiken, die eine Stadt oder einen Stadtteil in ihrer Gesamtheit betreffen, ist ein grundlegender Bestandteil der zielgerichteten Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen. Erst durch eine breit angelegte Analyse der spezifischen Klimaänderungen und deren Auswirkungen auf alle Bereiche einer Stadt wird eine passgenaue und effektive Entwicklung von Strategien zur Klimafolgenanpassung ermöglicht.
- Wie wirkt sich der Klimawandel heute und in Zukunft auf Neumünster aus?
- Welche Themenfelder sind besonders von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen?
- Welche Querverbindungen bestehen zwischen den Klimarisiken?
Der Fokus der funktionalen Risikoanalyse liegt dabei zunächst auf der Auswertung der regionalen Klimatendenzen für Temperaturänderungen und Niederschlagsverschiebungen sowie das Auftreten von Extremwetterereignissen wie Hitzewellen, Trockenheit, Starkregen und Stürmen in unterschiedlichen Bezugszeiträumen für die Vergangenheit und die Zukunft. Für den Zukunftszeitraum wird dabei auf Grund des Vorsorgeprinzips und der bisher beobachteten Klimatendenzen das pessimistische RCP-8.5-Szenario herangezogen.
Neben den Erkenntnissen der Datenanalysen bildet die lokale Expertise eine ganz wesentliche Grundlage: Die Fachleute vor Ort wissen aus ihrer täglichen Arbeit am besten, welche Auswirkungen der Klimaveränderungen in welcher Weise in Neumünster besonders zum Tragen kommen und wo der dringendste Handlungsbedarf besteht. Daher fand unter Federführung der Stabsstelle Klima und Umweltqualität eine umfangreiche Beteiligung der Vertreter/-innen der Fachdienste der Stadt sowie der örtlichen Stadtwerke statt, um Risiken angemessen einzuschätzen. Die bewerteten Klimarisiken entsprechen der qualitativen Bewertung der themenspezifischen Klimawirkungen auf Grundlage der quantitativen Auswertung der räumlich vorliegenden klimatischen Daten. Durch diese sektorübergreifende Herangehensweise werden die wichtigsten Klimarisiken für das Stadtgebiet von Neumünster sichtbar gemacht und dienen als Schnittstelle für eine priorisierte Maßnahmenentwicklung im Sinne einer integrierten Klimafolgenanpassung. Die abschließende Bewertung der spezifischen Klimawirkungen für die Zukunftsszenarien ist in einer Übersicht der Klimarisiken zusammengefasst (siehe Abbildung).
Ergänzend wurden bezüglich der Betroffenheitswahrnehmung der Bevölkerung von Klimawandelfolgen die Ergebnisse aus der umfangreichen kartenbasierten Online-Bürgerbeteiligung von 2021, welche im Rahmen der Konzepterstellung zum klimagerechten Flächenmanagement und zum Grünflächenentwicklungskonzept gemeinsam durchgeführt wurde, einbezogen.
Räumliche Schwerpunkte:
Die klimatischen Veränderungen werden Neumünster nicht überall gleich betreffen, vielmehr lassen sich räumliche Schwerpunkte identifizieren, in denen besonderer Handlungsbedarf besteht. Auf Basis der Datenanalyse und Modellierungen wurden Analysekarten zu Starkregen, Hitze und Kaltluftleitbahnen erstellt, die die folgenden Stressfaktoren und Betroffenheiten visualisieren:
- Hitzebelastung in den überwiegend versiegelten, dicht bebauten Siedlungsbereichen und großen Gewerbegebieten
- Überflutungsgefahr bei Starkregen an Unterführungen und in anderen versiegelten Senkenbereichen
- Trockenstress insbesondere für Straßenbäume, Grünflächen, Feuchtgebiete, Wälder und Landwirtschaftsflächen
- Bestehende oder geplante bauliche Einschränkungen von Kaltluftleitbahnen (insbesondere Abkühlung der Siedlungsbereiche der Innenstadt)



