Was zeigt die Analyse für Neumünster?

Besonders von Hitze betroffen sind Bereiche, in denen mehrere Faktoren zusammenkommen: viel Versiegelung, dichte Bebauung, wenig Schatten, geringe Durchlüftung oder eine hohe Bedeutung für Wohnen, Arbeiten und Verkehrsrouten für Rad- und Fußgänger*innen.

Nachts betrifft dies vor allem zentrale Stadtbereiche und hochversiegelte Gewerbeflächen. Dort speichern Gebäude, Straßen und befestigte Flächen Wärme und geben sie nachts langsam wieder ab. Beispiele aus dem Bericht sind unter anderem Bereiche an der Kieler Straße südlich der Max-Johannsen-Brücke und das Gewerbegebiet nördlich des Stoverwegs.

Tagsüber ist Verschattung besonders wichtig. Auch Stadtteile mit viel ebenerdigem Grün können bei direkter Sonneneinstrahlung stark belastet sein, wenn großkronige Bäume fehlen. Der Bericht nennt hier beispielhaft größere Bereiche in Gartenstadt und Tungendorf sowie Siedlungsflächen westlich der Keplerstraße.

Insgesamt hat Neumünster in vielen Bereichen gute Voraussetzungen für ein vergleichsweise günstiges Stadtklima. Viele Wohngebiete haben einen hohen Grünanteil und profitieren von Gärten, Grünflächen und der Nähe zu offenen Landschaftsräumen. Deshalb weisen nachts rund 79 Prozent des Siedlungsraums eine sehr günstige oder günstige bioklimatische Situation auf.

Erwärmung in der nahen Zukunft

Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist die durchschnittliche Jahrestemperatur bereits deutlich gestiegen. Im Vergleich der Zeiträume 1881 bis 1910 und 1991 bis 2020 beträgt der Anstieg rund 1,6 Grad Celsius. Für die Zukunft wird eine weitere Erwärmung erwartet. Im Szenario, das in der Stadtklimaanalyse betrachtet wurde, steigt die Jahresmitteltemperatur in Neumünster bis zur nahen Zukunft, also im Zeitraum 2021 bis 2050 um rund 1,4 Grad Celsius im Vergleich zur Durchschnittstemperatur des Zeitraums von 1971 bis 2000. Dies hat negative Folgen wie lange Trockenheitsperioden, Unwetter und Starkregen. Heiße Tage könnten sich gegenüber dem Referenzzeitraum etwa verdoppeln, Sommertage deutlich zunehmen.   

 1971-20002021-2050
durchschnittliche Anzahl Sommertage pro Jahr (Tageshöchsttemperatur von ≥ 25°C)22 Tage32 Tage
durchschnittliche Anzahl heiße Tage (Tageshöchsttemperatur ≥ 30°C)3 Tage6 Tage

Die Stadtklimaanalyse hilft dabei, die Entwicklung in Bezug auf Hitze räumlich einzuordnen: Welche Bereiche sind heute schon stärker von Hitze betroffen? Wo entstehen kühlende Luft und Entlastung? Und was muss bei neuen Baugebieten, Straßen, Plätzen und Grünflächen beachtet werden?

Hohe Nachttemperaturen in der Innenstadt & stark versiegelten Gewerbeflächen

In der Innenstadt und in stark versiegelten Gewerbeflächen liegen die nächtlichen Temperaturen aktuell um bis zu 5°C höher als im weitgehend unbebauten Umland. Im Durchschnitt beträgt der Wärmeinseleffekt zwischen bebauten Bereichen und Ausgleichsräumen 1,9°C.

Günstige Ausgangslage in vielen Wohngebieten

Mehr als drei Viertel des Neumünsteraner Siedlungsraums weisen nachts eine sehr günstige oder günstige bioklimatische Situation auf. Das liegt vor allem am hohen Grünanteil vieler Wohnbereiche und an der Nähe zu offenen Grün- und Freiflächen.

Schatten als entscheidender Faktor

Tagsüber hängt die Wärmebelastung vor allem davon ab, ob Flächen verschattet sind. Großkronige Bäume und Parks verbessern die Aufenthaltsqualität deutlich. Bereiche mit wenig Schatten können allerdings auch dann stark belastet sein, wenn sie grundsätzlich grün wirken. Für Abkühlung sorgen außerdem Brunnen und Gewässer. 

Wichtige Grünzüge entlang von Schwale und Stör

Die Grünzüge entlang der Schwale und der Stör tragen zur Entlastung bei. Sie sind für Kaltluft, Durchlüftung und kühle Aufenthaltsbereiche bedeutsam. Der Grünzug entlang der Stör wird im Bericht als wertvoller Ausgleichsraum zwischen Stadtmitte und südlich angrenzenden Gewerbegebieten beschrieben.

Höhere Hitzebelastung durch den Klimawandel

Bis 2050 steigt die Hitzebelastung in Neumünster. Der durchschnittliche Wärmeinseleffekt erhöht sich nur leicht von 1,9 auf 2,0°C weil sich Grün, Siedlungs- und Verkehrsflächen relativ gleichmäßig erwärmen. Allerdings wird Hitze durch die Klimaerwärmung insgesamt häufiger und stärker spürbar.

Wo werden Hitze und Abkühlung in Neumünster besonders spürbar?

Die Stadtklimaanalyse bewertet keine Stadtteile als gut oder schlecht. Sie analysiert, welche Stadtbereiche bei Hitze stärker belastet sind und welche Stadtbereiche zur Abkühlung beitragen.

Ortstyp in NeumünsterWas die Analyse zeigt
Innenstadt und stark versiegelte GewerbeflächenDie Flächen sind besonders belastet. Nachts bleibt es hier besonders warm, weil Gebäude, Straßen und versiegelte Flächen Wärme speichern.
Wohngebiete mit viel GrünViele Wohnbereiche kühlen nachts vergleichsweise gut ab, besonders bei hohem Grünanteil und Nähe zu Freiflächen.
Straßen, Plätze und HaltestellenTagsüber ist hier Schatten besonders wichtig, weil direkte Sonneneinstrahlung die Wärmebelastung stark erhöht.
Schwale und Stör mit GrünzügenDiese Räume können zur Abkühlung, Durchlüftung und Erholung beitragen.
Stadtwald, Stadtoark, Tierpark und Brachenfelder GehölzDiese Bereiche sind wichtige Rückzugsorte bei Hitze, besonders am Tag und tragen zur Abkühlung und Durchlüftung bei.
Offene Freiflächen und landwirtschaftliche FlächenSie können nachts Kaltluft bilden, sind tagsüber ohne Schatten aber nicht automatisch kühle Aufenthaltsorte.