Problembehaftete Straßennamen

Eine Fachkommission hat sich über einen langen Zeitraum mit der Umbenennung bzw. Neubenennung von Straßen in Neumünster befasst. Hierbei berücksichtigt wurden unter anderem folgende Fragen:

  • Hat die Person überzeitliche und transkulturelle Menschenrechte abgelehnt oder gebrochen?
  • Hat die Person aktiv teilgenommen an nationalistischen, rassistischen, völkischen oder antisemitischen Aktivitäten oder diese befördert?

Bei den folgenden fünf Straßen sollen statt einer Umbenennung ergänzende Tafeln mit Erläuterungen zu den betreffenden Personen angebracht werden:

  1. Carl-Bosch-Straße
  2. Julius-Brecht-Straße
  3. Pastor-Keding-Weg
  4. Agnes-Miegel-Straße
  5. Noldestraße

Unterlagen der Ratsversammlung geben Aufschluss über die Entscheidungsfindung.

Prof. Dr. Uwe Danker, Direktor der Europa-Universität Flensburg (Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History), hat Überlegungen zum Umgang mit problematischen Straßennamen zusammenfasst. Alle weiteren Informationen zu den Namensgebern Neumünsteraner Straßen, die Sie auf dieser Seite finden, sind von Prof. Dr. Danker recherchiert worden und sind seine fachlichen Ausarbeitungen.

Carl-Bosch-Straße

Die Begründung der Benennung einer Straße in Neumünster liegt nicht vor. Fraglos jedoch bezieht sie sich auf seine wissenschaftlichen Verdienste und die industriell umsetzbare Ammoniaksynthese. 

Julius-Brecht-Straße

Die Begründung der Benennung einer Straße in Neumünster nach Julius Brecht ist nicht überliefert. Aber sie bezieht sich fraglos auf seine Verdienste in der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft. In anderen Städten fanden bereits Debatten um Ehrungen Brechts statt.

Pastor-Keding-Weg

Die Benennung einer Straße nach Karl Keding in Neumünster bezieht sich auf sein seelsorgerisches Wirken in der sogenannten „Wichernsiedlung“.

Agnes-Miegel-Straße

Wie in vielen weiteren Städten auch wurde die Autorin in Neumünster wahrscheinlich auf Initiative der örtlichen Vertriebenenorganisation „Landsmannschaft Ostpreußen“ durch eine Straßenbenennung geehrt. Die Autorin zahlreicher Bücher galt vielen als „Mutter Ostpreußens“. 

  • Gesammelte Informationen über Agnes Miegel
  • Steffen Stadthaus: Agnes Miegel – Fragwürdige Ehrung einer nationalsozialistischen Dichterin. Eine Rekonstruktion ihres Wirkens im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit; in: Matthias Frese: Fragwürdige Erinnerungen!? Straßennamen als Instrument von Geschichtspolitik und Erinnerungskultur, Münster 2012, S. 151–178.
  • Thorsten Harbeke: Agnes Miegel, Gustav Frenssen und Ina Seidel. NamensgeberInnen für Straßen in Heiligenhafen vor dem Hintergrund der erinnerungskulturellen Debatte um Straßenumbenennungen" (aus: Jahrbuch Demokratische Geschichte, Band 27, 2017, S. 247–280)

Noldestraße

Mit der Straßenbenennung sollte der hoch angesehene Maler geehrt werden. In den Nachkriegsjahrzehnten galt die Nachkriegslegende des „verfolgten Künstlers“ als unstrittig. Inzwischen liegt eine völlige Neubewertung vor und werden Ehrungen Noldes kritisch hinterfragt. Es liegt belastbare Forschungsliteratur vor.