Reden des Oberbürgermeisters

Oberbürgermeister Tobias Bergmann hält in seinem Amt zu vielen Anlässen Grußworte bzw. Reden.
Hier stellen wir Ihnen ausgewählte Reden zum Nachlesen zur Verfügung.

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27.01.2026

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Gäste, liebe Deutsche! Herzlich willkommen! Herzlich willkommen hier in der Stadthalle. Herzlich willkommen hier in der guten Stube der Stadt Neumünster. Ich freue mich außerordentlich, dass so viele von Ihnen unserer Einladung gefolgt sind, heute diesen Einbürgerungsempfang gemeinsam zu begehen. Ich habe gerade beim Hereingehen wieder jemandem gesagt: Ich habe als Oberbürgermeister im Jahresablauf viele Veranstaltungen, aber es gibt kaum eine, über die ich mich so sehr freue wie über diesen Einbürgerungsempfang.

Weil das, was ich hier erlebe, die Unterschiedlichkeit und die Vielfalt unserer Stadt ist und immer herrscht eine wahnsinnig gute, positive Stimmung. Diese wahnsinnig gute, positive Stimmung tut uns allen sehr, sehr gut. Ich kann mir vorstellen: Sie haben, als Sie im letzten Jahr den deutschen Pass bekommen haben und eingebürgert worden sind, schon eine Feier, vielleicht im kleinen Familienkreis, gemacht. Ich selber habe das auch einmal erlebt. Meine Frau Nasanin ist im Iran geboren und hat auch einen deutschen Pass bekommen. Was wir damals gemacht haben – ich weiß nicht, ob Sie das auch gemacht haben – wir haben damals eine „Kartoffelparty“ gemacht. So hieß das. Hat jemand von Ihnen auch eine Kartoffelparty gemacht? Das scheint eher im iranischen Kulturkreis der Fall zu sein. 

Normalerweise hat Nasanin immer Reisgerichte für uns gekocht und dann haben wir gesagt: „Naja, jetzt hast du ja auch einen deutschen Pass“, und dann haben wir mit Kartoffeln gefeiert. Dazu feiern wir heute mit Ihnen auch. Wir haben hier hinten ein Buffet aufgebaut, und ich kann Ihnen versprechen: Es wird nicht nur Kartoffeln geben, sondern wir werden die Vielfalt der Kulinarik unserer Stadt heute mit einbeziehen.

Wir feiern heute gemeinsam und wir feiern, dass Sie Teil des deutschen Volkes geworden sind. Bei Ihnen ist das etwas anderes als bei mir. Ich bin 1971 in München geboren und da wurde mir der deutsche Pass in die Wiege gelegt. Ich musste nichts machen. Ich habe vielleicht in der Wiege etwas geschrien, aber ich war deutsch. Bei allen von Ihnen war das anders. Deutscher zu werden kann manchmal ein langer, steiniger und besonderer Weg sein. Dieser Weg ist ganz unterschiedlich. Jeder geht ihn anders und jeder hat unterschiedliche Motivationen, diesen Weg mitzugehen.

Ich bin sehr gespannt zu erfahren, welchen Weg Sie gegangen sind und was die Hürden waren. Ich habe schon mit einem gesprochen, der gesagt hat: „Letztes Jahr wurde meine Frau eingebürgert, und ich war bei dem Einbürgerungsempfang. Ich wollte noch einmal auf so eine Feier gehen, also habe ich mich jetzt auch einbürgern lassen.“ Auch das ist ein guter Grund, sich einbürgern zu lassen. Aber es ist manchmal ein steiniger Weg.

Viele von Ihnen haben die deutsche Sprache lernen müssen. Deutsch zu lernen – das ist wirklich nicht einfach. Uns Muttersprachlern, die mit der deutschen Sprache aufgewachsen sind, ist das oft gar nicht bewusst. Aber wenn ich dann gefragt wurde von meiner Frau: „Warum heißt es ‚der Tisch‘, ‚die Tür‘ und ‚das Auto‘?“, dann konnte ich nur sagen: „Weiß ich nicht, das hört sich richtig an.“ Aber eine Regel dafür habe ich bisher in der deutschen Sprache nicht erkannt. Dann haben wir ja noch diese sogenannten „LKW-Wörter“, ewig lange Wörter wie „Stadtverwaltungsmitarbeiter“, bei denen man sich fragt: Wo gibt es diese Wörter und wie kann man die auseinandernehmen?

Also: Viele von Ihnen haben sich die deutsche Sprache angeeignet und das nötigt mir höchsten Respekt ab. Ich weiß, es gibt den amerikanischen Schriftsteller Mark Twain. Der hat ein sehr lesenswertes Buch geschrieben. Das heißt The Awful German Language – „Die schreckliche deutsche Sprache“. Er ist zu dem Ergebnis gekommen, dass ein hochbegabter Mensch etwa in 30 Stunden Englisch lernen kann, in 30 Tagen Französisch und vielleicht in 30 Jahren Deutsch. Sie alle haben damit bewiesen, dass Sie sozusagen nicht nur hochbegabt, sondern höchstbegabt, weil Sie es schneller geschafft haben, als Mark Twain es beschrieben hat.

Dann kommen natürlich noch andere Dinge dazu. Sie mussten den Einbürgerungstest machen. Sie kennen alle deutschen Bundesländer mit ihren Hauptstädten. Das kommt auch dazu: Sie sind finanziell unabhängig. Auch das gehört mit dazu: Es kostet Geld. Die Verwaltungsgebühr beträgt – wie Herr Alabbadi sagte – 255 Euro. Ja, genau richtig. 255 € haben sie an unsere Stadtkasse zahlen müssen. Dazu kommen noch die ganzen Kopien: Beglaubigungen und alles, was man braucht. Insgesamt kostet das schnell 500 bis 1.000 Euro. Das zeigt, dass es keine leichtfertige Entscheidung von Ihnen gewesen ist. Das war eine sehr bewusste Entscheidung und dafür sind wir dankbar.

Was Sie auch erlebt haben in der Einbürgerung, ist deutsche Bürokratie. Man muss alles einreichen, alles muss korrekt sein und so weiter. Diese Bürokratie ist manchmal anstrengend. Sie hat aber auch ihren Sinn und sie ist nicht nur anstrengend für Sie, sondern auch für die Kolleginnen und Kollegen, die die Einbürgerungen bearbeiten. Bei denen möchten wir uns heute ganz besonders bedanken: Herr Alabbadi, Nils Schnoor, Manja Ziehn und Martin Elser. Vielen, vielen Dank!

Ich habe das erlebt, wenn ich mit Ihnen gesprochen habe: Sie sind deutsche Verwaltungsmitarbeiter in bester Art und Weise. Sie nehmen die Menschen mit auf den Weg. Sie wehren nicht ab, sondern Sie ermöglichen Rechte und das machen Sie ganz großartig. Sonst wäre dieser Raum auch nicht so voll. Vielen, vielen Dank dafür.

Wenn man sich aber die Arbeit der Kollegen anschaut, dann gibt es noch einen wichtigen Punkt, dem wir uns bewusst sein müssen: Um Deutscher zu werden, muss man Voraussetzungen erfüllen. Man muss Deutsch sprechen, man muss Steuern zahlen. Was nicht hilft, ist, irgendjemanden gut zu kennen. Was nicht hilft, ist, beim Oberbürgermeister in einem Gespräch zu sagen: „Organisieren Sie mal einen deutschen Pass.“ Das ist vielleicht für uns hier selbstverständlich, aber es gibt viele Länder, wo das anders funktioniert. Wo man etwas zahlt oder die richtige Person kennen muss. Und ich glaube, auch das ist etwas, worauf wir gemeinsam stolz sein können: in welchem Land wir leben.

Da gibt es manchmal sehr hartnäckige, sehr wichtige Menschen, die mehrmals mit uns telefonieren. Und dann sagt man: „Ich schaue ins Gesetz. Geht nicht, geht nicht. Punkt, aus.“ Da ist es ziemlich egal, wer am anderen Ende der Leitung ist. Und ich glaube, das ist wichtig: Dass wir alle das Gefühl haben, dass vor Recht und Gesetz alle Menschen gleich sind.

Sie haben sich entschieden, Deutsche zu werden in einer Zeit, die aufgewühlt ist, die angespannt ist. Wenn wir heute nach Berlin schauen, ist alles sehr aufgeregt. Und Sie sind Deutsche geworden in einer Zeit, in der es Diskussionen darüber gibt, wer Deutscher ist. Oft muss man erleben, dass Menschen abgekanzelt werden. Es ist das Wort „Passdeutscher“ von politischen Parteien in Umlauf gebracht worden, wodurch wir gespalten werden sollen. Da wird gesagt: „Wir hier, die schon immer hier leben, sind die eigentlich richtigen Deutschen.“ Und dann gibt es die Deutschen zweiter Klasse, die „Passdeutschen“.

Ich kann Ihnen sagen: Wir stehen dagegen. Das ist falsch. Es gibt ein deutsches Volk. Und dieses deutsche Volk sind wir alle gemeinsam – mit allen gleichen Rechten und mit allen gleichen Pflichten. Wenn Sie sich den Reichstag anschauen, dann steht dort: „Dem deutschen Volke“. Dieser Reichstag ist auch Ihr Reichstag. Das Rathaus in Neumünster ist auch Ihr Rathaus, und die Stadthalle ist auch Ihre Stadthalle. Ich kann Ihnen versprechen: Wir, die Demokratinnen und Demokraten in dieser Stadt, gemeinsam mit dem Forum der Vielfalt, stehen dafür ein, dass es diesen Unterschied nicht gibt. Wir sind gemeinsam das deutsche Volk.

Wenn man Deutscher werden will, dann haben Sie auch das Gelöbnis abgegeben, dass Sie die freiheitlich-demokratische Grundordnung anerkennen. Wenige Meter von hier entfernt sind auch die Grundrechte des Grundgesetzes aufgeführt: die Gleichheit von Mann und Frau, die Unantastbarkeit der Menschenwürde – wichtige Grundwerte, die unsere Gesellschaft prägen.
Wir müssen wissen: Das ist nicht naturgegeben. In der deutschen Geschichte gab es dunkelste Kapitel, in denen diese Grundrechte und Grundwerte keine Rolle gespielt haben, in denen sie mit Füßen getreten wurden.

Das heißt: Wir müssen uns immer bewusst machen, dass diese Grundrechte und Grundwerte nicht einfach vom Himmel gefallen sind, sondern dass sie verteidigt werden müssen. Dass wir dafür einstehen müssen und – das ist meine Bitte an Sie – dass Sie das auch weiterhin mittragen. Dass wir gemeinsam für die Grundwerte und Grundrechte in diesem Land einstehen. Denn es gibt Menschen, die diese Grundwerte und Grundrechte angreifen. Und da reicht es nicht mehr zu sagen: „Ich konsumiere sie einfach.“ Sondern man muss aufstehen und gemeinsam für diese Werte eintreten.

Das heißt: Wenn es Menschen gibt, die sagen „Dieses System muss weg“, dann schildern Sie ihnen auch, warum es wertvoll ist, in diesem Land zu leben. Nutzen Sie Ihre Rechte bei Wahlen, bringen Sie sich ein in Gesellschaft, Vereinen und Verbänden. Nehmen Sie diese Rechte bewusst wahr und engagieren Sie sich gemeinsam mit uns. Das ist auch ein Grund, warum ich mich so freue auf Tage wie diese. Denn das, was Sie in den vergangenen Jahren bereits bewiesen haben, ist: Sie sind ein wertvoller Teil unserer Gesellschaft hier in Neumünster. Vielen, vielen Dank.

Abschließend muss ich Ihnen aber noch eine Warnung aussprechen. Sie sind jetzt maximal seit einem Jahr Deutsche oder Deutscher. Und Sie haben das vielleicht nervenaufreibendste Erlebnis, das man als Deutscher haben kann, noch nicht erlebt. Jetzt fragen Sie sich: Was ist dieses Erlebnis?

Ich habe heute meinen Kämmerer gefragt, was er glaubt, was das ist. Und er hat gesagt: „Die Steuererklärung abgeben.“ 
Es kann sein, dass manche von Ihnen das schon erlebt haben. Aber hat irgendjemand eine Ahnung, was dieses Erlebnis sein könnte?

Ich verrate es Ihnen: In etwa einem Monat beginnt die Fußballweltmeisterschaft. Jetzt haben Sie die Ehre und Freude, dass die deutsche Nationalmannschaft für Sie in den USA, in Kanada und in Mexiko spielen wird – und das kann ganz schön schwierig sein.

Jetzt habe ich noch eine Frage: Wer von Ihnen wird denn bei der Fußballweltmeisterschaft Deutschland-Fan sein?Dann kommen Sie mal! Sie haben sich als Erstes gemeldet. Aber sind Sie eingebürgert worden? Nein? Dann brauche ich jemanden, der eingebürgert wurde. Ah, Sie sind eingebürgert worden und sind Deutschland-Fan? Sehr schön, dann kommen Sie bitte nach vorne.

Also herzlich willkommen hier. Wir haben jetzt hier Mohammed. Mohammed wird jetzt das erste Mal Deutschland-Fan während einer Fußballweltmeisterschaft sein. Sie haben den Einbürgerungstest bestanden. Jetzt machen wir den Premium-Einbürgerungstest. Sie müssen drei Fragen beantworten.

Ich kann Ihnen sagen, wie Deutsche, die schon lange Deutsche sind, diese Fragen beantworten: Die ersten beiden beantwortet man mit „Weiß ich nicht“. Die dritte Frage beantwortet man richtig. Denn die ersten beiden haben wir verdrängt.

Erste Frage: Wie hat Deutschland bei der letzten Fußballweltmeisterschaft gespielt? – „Weiß ich nicht.“ Genau. Wir sind in Katar in der Vorrunde ausgeschieden.
Zweite Frage: Wie hat Deutschland bei der vorletzten Fußballweltmeisterschaft gespielt? – „Weiß ich nicht.“ Genau. Auch da sind wir in Russland in der Vorrunde ausgeschieden.
Und jetzt die dritte Frage: 2014 in Brasilien – wie hat Deutschland gegen Brasilien gespielt? – „7:1.“ Genau! Und damit haben Sie sogar den Premium-Premium-Einbürgerungstest bestanden.
Dann habe ich jetzt ein Geschenk für Sie. Sie müssen mir aber versprechen, dass Sie bei der Weltmeisterschaft ein Foto oder Selfie machen und uns zuschicken, damit wir nachweisen können, dass Sie Deutschland-Fan gewesen sind.
„Das verspreche ich.“
Sehr gut. Vielen Dank.
„Ich werde in zwei bis drei Monaten in die USA reisen und dort Familienbesuch machen. Dann werde ich die Gelegenheit nutzen.“
Sehr gut. Also: Auswärtsfans brauchen wir. Vielen, vielen Dank.

Ich wünsche Ihnen jetzt noch einen schönen Abend.

Vielen Dank, dass Sie unserer Einladung, der Einladung der Stadtpräsidentin und mir gefolgt sind. Heute, am 27. Januar, dem 81. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, gedenken wir der Opfer der nationalsozialistischen Diktatur. Wir gedenken der mindestens sechs Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden – getötet in Vernichtungslagern, ausgehungert in Ghettos und Arbeitslagern, erschossen und erschlagen, bei Massakern zu Hunderttausenden umgekommen auf Todesmärschen.

Wir gedenken all jener, die die nationalsozialistische Ideologie zu Feinden erklärt und verfolgt hat. Wir gedenken der ermordeten Sinti und Roma, der ermordeten politischen Gegner des NS-Regimes, der ermordeten Homosexuellen, der ermordeten Kranken, der Menschen mit Behinderungen und der als sogenannte Asoziale Diffamierten. Wir gedenken der Opfer aus allen Ländern, die besetzt waren oder unter deutschen Einfluss gerieten. Wir gedenken eines von Deutschen begangenen Zivilisationsbruchs, wie es ihn nie zuvor in der Geschichte gegeben hat – eines Zivilisationsbruchs, für den wir, die Nachgeborenen, weiterhin Verantwortung tragen.

Aus diesem Gedenken erwächst für uns eine Verpflichtung: die Verpflichtung zur Verteidigung von Demokratie und Freiheit, die Verpflichtung, gegen Rassismus und Ausgrenzung einzustehen, die Verpflichtung, gegen Antisemitismus Flagge zu zeigen.

Der von den Nationalsozialisten verfolgte evangelische Pfarrer Martin Niemöller hat uns eindringlich ans Herz gelegt, dieser Verpflichtung frühzeitig nachzukommen. Er warnte uns aus eigener Erfahrung mit den Worten: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen. Ich war ja kein Kommunist. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen. Ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen. Ich war ja kein Jude. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Meine Damen und Herren, ich bin stolz, Oberbürgermeister einer Stadt zu sein, in der die Zivilgesellschaft hörbar für Demokratie und Freiheit eintritt. Zugleich erfüllt es mich mit Sorge, dass Neumünsteranerinnen und Neumünsteraner auch heute noch immer wieder Ziel von Rassismus und Ausgrenzung werden. Ich bin dankbar, dass diese Opfer bei solchen Taten Solidarität und Mitgefühl erfahren.

In den letzten Tagen habe ich mich gefragt: Spielt Antisemitismus in Neumünster noch eine Rolle? Wir haben die unerträgliche Tat in Kiel gesehen, wo das Mahnmal der Synagoge geschändet wurde. Ich habe mich gefragt: Werden Jüdinnen und Juden in Neumünster noch diskriminiert? Werden sie bepöbelt? Ich kenne viele Neumünsteranerinnen und Neumünsteraner, aber bis vor Kurzem kannte ich nur einen Juden in Neumünster.

Wer wissen will, wie es Neumünsteraner Jüdinnen und Juden geht, findet diese Antwort nicht hier im Rathaus, nicht auf dem Großflecken oder am Einfelder See – nicht in Neumünster, sondern in Bad Segeberg. Dort befindet sich die Synagoge der jüdischen Gemeinde, die auch das Zuhause unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger ist. Mein Kollege Carsten Hillgruber und ich waren dort im Dezember eingeladen, um Chanukka zu feiern. Chanukka wird oft mit dem christlichen Weihnachtsfest verglichen, vor allem deshalb, weil es im Dezember ist. Wir wurden herzlich empfangen. Es gab Leckeres und – wie es bei Chanukka üblich ist – fettiges Essen: Kartoffelpuffer, Pfannkuchen, Krapfen.

Wir haben der Geschichte der Makkabäer gelauscht, und Carsten und der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Walter Blender, haben sich versucht, mit Zitaten aus „Das Leben des Brian“ zu übertreffen. Wir hatten einen wunderbaren und kurzweiligen Abend, und trotzdem bin ich tief beschämt auf der B20 nach Hause gefahren. Ich war beschämt – als Deutscher, als Schleswig-Holsteiner und als Neumünsteraner.

Zu Chanukka werden die Tore für Freunde aufgemacht. Eine Bedingung unseres Besuches war es jedoch, dass wir unseren Personalausweis mitbringen. Aus Sicherheitsgründen darf niemand ohne Personalausweis und ohne Anmeldung die Synagoge besuchen. Viele von Ihnen waren vielleicht zu Weihnachten in der Christmette. Stellen Sie sich vor, Sie könnten eine Christmette nicht einfach besuchen, sondern müssten sich vorab anmelden und unter dem Weihnachtsbaum nach dem Personalausweis kramen. Stellen Sie sich vor, Sie müssten an Weihnachten in bester Festtagskleidung vor der Kirche Ihre Personalien überprüfen lassen.

Wenn Sie an der Synagoge in Bad Segeberg ankommen, stehen Sie zunächst vor einem zwei Meter hohen Metallzaun, geschützt mit Stacheldraht und Durchgangsschleuse. Stellen Sie sich vor, wir müssten unsere Kirchen mit Zäunen, Stacheldraht und Schleusen schützen.

Die Synagoge in Bad Segeberg wurde an einer anderen Stelle erbaut als an ihrem historischen Standort. Für diesen historischen Standort gab es Sicherheitsbedenken – er lag zu zentral. Stellen Sie sich vor, wir hätten aus Sicherheitsbedenken die Anscharkirche 1945 nicht mehr in der Christianstraße aufbauen dürfen.

Die jüdische Gemeinde betrieb bis 2019 eine Kita – eine Kita, die für alle Konfessionen offen war: für Kinder aus jüdischen, christlichen, muslimischen und säkularen Familien. Diese Kita musste die Gemeinde aufgeben, weil die Sicherheit der Kinder mit nur einem nicht mehr zu rechtfertigenden Aufwand zu gewährleisten war. Stellen Sie sich vor, wir müssten einen Träger wie die AWO oder das Rote Kreuz bitten, eine Kita aufzugeben, weil wir die Sicherheit der Kinder nicht mehr gewährleisten können.

Der Gottesdienst in der Synagoge findet unter konsequenter Videoüberwachung statt. Der Rabbi hat immer ein Auge auf der Thora und ein anderes auf den Monitoren. Für den Fall eines Angriffs gibt es im Gebäude einen Schutzraum, einen Panic Room, in den sich die Anwesenden zurückziehen können. Stellen Sie sich vor, die Freitagsgebete in unseren Moscheen müssten durch Videoüberwachung geschützt werden.

Viele der Neumünsteranerinnen und Neumünsteraner, die ich im jüdischen Gemeindezentrum zum Chanukkafest traf, kannte ich – aber ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht, dass sie Jüdinnen oder Juden waren. Die meisten von ihnen fühlen sich gezwungen, das hier in Neumünster zu verheimlichen. Sie erzählten mir: „Wir stellen nicht unseren Chanukka-Leuchter in unsere Fenster in Neumünster.“ Eine Bürgerin berichtete mir, dass ihr Briefkasten regelmäßig aufgebrochen wurde, weil dort ein Davidstern aufgeklebt war. Irgendwann hat ihr die Polizei geraten, den Davidstern abzunehmen.

Am meisten beschämt hat mich die Bitte eines Vaters. Er bat mich, nicht öffentlich seinen Namen zu nennen, dass ich ihn hier getroffen habe. Er sagte mir, er möchte nicht riskieren, dass sein Sohn in der Schule diskriminiert wird.

Meine Damen und Herren, in welchem Land leben wir? In welchen Zeiten leben wir, dass sich jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, die hier unter uns leben, wieder verbergen müssen? Der heutige Gedenktag verpflichtet uns nicht nur zur Erinnerung, sondern auch zur Wachsamkeit gegenüber Antisemitismus – und zwar Antisemitismus in all seinen Facetten. Bitte lassen Sie uns dabei nicht auf einem Auge blind sein. Antisemitismus ist kein Privileg der Rechten oder Rechtsradikalen, und Antisemitismus ist kein Privileg des Christentums.

Wir gedenken heute aller Opfer der verbrecherischen Ideologie des Nationalsozialismus – aller Menschen, die um ihre materielle, seelische und physische Existenz gebracht und ihrer Würde beraubt wurden. Wir gedenken unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger, unserer Nachbarn, unserer Freunde.

Bertha Benjamin

Heinz (Heinrich) Baronowitz

Friedrich Rudolf Geussenhainer

Friedrich Wilhelm Gnoss

Rita Gumprich

Rudolf Henning

Walter Hohnsbehn

Gerda Krutz

Max (Moses) Krutz

Konrad Matzke

Egon Salomon Minden

Rosa Minden

Eduard Burkhard Paul Müller

Franz Müller

Christian Muschkogel

Hans Podeyn

Rosa Preminger

Max Richter

Alice Bertha Spitz

Bernd A. Spitz

Egon Spitz

Hans Georg Spitz

Ines Spitz

Ernst August Robert Stichert

Ludwig Carl Tamm

Rudolf Heinrich Eggert Timm

Edith Weißbaum

Gustav Weißbaum

Walter Zahlmann

Ihnen und allen Opfern des nationalsozialistischen Terrors zum Gedenken möchte ich das jüdische Gebet El Male Rachamim sprechen: "G'tt, du bist voller Erbarmen. Wir beten für die Seelen der sechs Millionen Frauen, Männer und Kinder und allen Opfern der Shoah, des nationalsozialistischen Terrors die verbrannt und umgebracht worden sind.In Auschwitz, Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau, Majdanek, Mauthausen,  Neuengamme, Ravensbrück, Sachsenhausen, Sobibór, Theresienstadt, Treblinka.Gewähre ihren Seelen Ruhe in deiner Nähe, im Kreise der Gerechten und Reinen. Möge G'tt, der Barmherzige, sie für alle Zeiten unter seinen Schutz stellen und sie in den Bund des ewigen Lebens einschließen. Mögen sie im Garten Eden in Frieden ruhen. So sprechen wir: Amen!"

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gäste

wir gedenken heute der Opfer von Gewalt und Krieg – der Kinder, Frauen und Männer aller Völker.
Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Kommen – auch im Namen der Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger.

Mein besonderer Dank gilt den Schülerinnen und Schülern der Holstenschule sowie ihren Lehrkräften, die heute ihre Gedanken zu Krieg und Frieden mit uns teilen. Seid Euch sicher: Eure Worte werden gehört.

Vor zwei Jahren berichteten an dieser Stelle Schülerinnen und Schüler von einem Gespräch mit einem Afghanistan-Veteranen aus Neumünster. Sie schilderten, wie dieser Mann, der bei seinem Auslandseinsatz sein Leben riskiert hatte, nach seiner Rückkehr nach Deutschland, nach Neumünster, mit seinen Erfahrungen oft auf Gleichgültigkeit stieß. Diese Schilderung war für viele von uns, auch für mich persönlich, sehr bewegend.

Unter dem Eindruck dieser Begegnung haben wir als Stadt Neumünster im Jahr 2025 die Veteraninnen und Veteranen unserer Stadt zu einem gemeinsamen Festakt und Konzert am Veteranentag in die Stadthalle eingeladen. Und ich freue mich sehr, dass die Landtagspräsidentin Kristina Herbst und Ministerpräsident Daniel Günther unser Angebot angenommen haben – und wir im Jahr 2027 den landesweiten Veteranentag in Schleswig-Holstein hier in Neumünster ausrichten werden.

Ich begrüße außerdem sehr herzlich unsere neue Pröpstin, Frau Simone Pottmann.
Liebe Frau Pottmann, es ist ein symbolträchtiges Zeichen unserer Zeit, dass unser erster offizieller gemeinsamer Termin hier im Friedenshain stattfindet – bei einem Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt.

Liebe Gäste,
der Krieg in Europa, der Überfall auf die Ukraine, geht nun in sein viertes Jahr. Die Nachrichten, die uns täglich aus Städten wie Pokrowsk erreichen, machen deutlich: Die Erlebnisse der Soldaten auf beiden Seiten der Front gleichen denen, deren Namen wir hier an den Stelen lesen – für die wir hier Bäume gepflanzt haben.
Trotz aller technologischen Entwicklung in den letzten hundert Jahren: Krieg hat nichts von seiner Bestialität verloren.

Die Zeitenwende ist auch in Neumünster spürbar. Die Wiederbelebung unserer Region als Garnisonsstandort steht auf der politischen Tagesordnung – auch in Berlin. Wir können mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass eine der Kasernen, die Neumünster über viele Jahrzehnte geprägt haben, wieder aktiviert wird. Soldatinnen und Soldaten werden wieder Teil unseres Stadtbildes sein – auch wenn sie in Boostedt stationiert sind. Uniformen werden auf dem Großflecken und am Bahnhof wieder sichtbarer werden.
Nach meinem Eindruck gibt es in unserer Stadt für diese gesellschaftliche Notwendigkeit einen breiten Konsens.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung eint uns heute, am Volkstrauertag im Friedenshain, ein gemeinsamer Wunsch:
Dass unsere Soldatinnen und Soldaten ihre Fähigkeiten – die Fähigkeit, Krieg zu führen – dass sie diese Fähigkeit niemals in der Praxis anwenden müssen.

Lassen Sie uns wachsam bleiben: Eine Zeitenwende und Aufrüstung dürfen nicht in Militarismus umschlagen.
Kriegsfähigkeit darf niemals in Kriegsbegeisterung münden. Das Mahnen uns die vielen Namen hier im Friedenshain.

Liebe Gäste,
die Namen auf den Stelen hier im Friedenshain sind verwittert; an vielen Stellen wächst Moos, manche Buchstaben sind über die Jahrzehnte verblasst. Für mich ist das ein hoffnungsvolles Symbol:
Ein Symbol dafür, dass über viele Jahre keine neuen Namen hinzugekommen sind – dass keine weiteren Neumünsteranerinnen und Neumünsteraner in Kriegen ihr Leben lassen mussten.
Ein Symbol dafür, dass wir seit Jahrzehnten in Frieden leben dürfen.

Das Gedenken, wie wir es am Volkstrauertag pflegen, wird nicht leichter. Die persönliche Betroffenheit ist heute für viele nicht mehr so greifbar wie einst; viele kennen keine direkten Opfer oder Hinterbliebenen von Kriegshandlungen.

Bei meinem Besuch in der Ukraine im August habe ich jedoch erlebt, wie anders die Situation dort ist: Dort ist jeder Tag ein Volkstrauertag.
Jeden Tag um 09:00 Uhr steht das Land still, die Menschen versammeln sich vor den Rathäusern und gedenken ihrer Gefallenen – und gedenken nicht ferner Verwandter, sie trauern um Söhne, Väter, Brüder.
Der Friedenshain dort heißt „Heldenhain“ – er ist mit frischen Blumen geschmückt und von Fahnen umgeben.

Meine sehr geehrten Damen und Herren

Lassen Sie uns weiter die Inschrift auf der Gedenkplatte im Friedenshain ernst nehmen:

„Wehret den Anfängen – Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus – Den Lebenden zur Mahnung – Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft.“

Sehr geehrte Veteraninnen und Veteranen, sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind, die Rückkehr des Gedenksteins der Panzerbrigade 18 HOLSTEIN hier auf das Gelände der ehemaligen Sick-Kaserne zu würdigen. Der Tag, der 15. Juni 2025, ist nicht zufällig gewählt. Er ist heute der erste nationale Veteranentag.

Der Stein lag die letzten Jahre nicht weit von hier. Er war praktisch vor den Toren der Stadt, auf dem Gelände der Rantzau-Kaserne in Boostedt. Er war zwar nicht weit weg, aber er war nicht sichtbar. Er war nicht präsent im Stadtbild der Stadt Neumünster. Was nicht sichtbar ist und was nicht präsent ist, droht vergessen zu werden. Und deshalb bin ich sehr, sehr dankbar, Herr Postel, dass Sie da sind, dass Sie und viele andere in den letzten Jahren das Gedenken an die Panzerbrigade 18 und an die Tradition dieser Stadt weiter aufrecht gehalten haben. Und Herr Theis, ich bin dankbar, weil das ist heute keine Kaserne mehr, sondern das ist heute der Grund der WOBAU. Hier wohnen Menschen der Stadt Neumünster. Dass Sie uns, dass Sie der Stadt die Möglichkeit bieten, dass dieser Stein hier auf Ihrem Grund sein kann, danke.

Die Panzerbrigade 18 wurde 1959 hier in der Sick-Kaserne aufgestellt. Und wir können dankbar sein, dass sie nie in einen heißen Krieg verwickelt gewesen ist. Aber wir können uns und müssen uns bewusst sein, dass sie allein durch ihre Existenz dazu beigetragen hat, dass hier in Europa, in Deutschland und in Neumünster in den letzten Jahrzehnten Frieden und Freiheit geherrscht haben. Und wir wissen auch, dass die Panzerbrigade 18 tief vernetzt war in unserer Stadt und sie uns immer noch prägt. Und viele junge Männer haben das erste Mal von Neumünster gehört, als sie den Einberufungsbefehl bekommen haben, hierher zu kommen. Und nicht alle waren dann immer sofort glücklich, dass sie hier nach Neumünster durften oder mussten. Aber viele davon sind hier geblieben. Für viele von ihnen ist Neumünster zur Heimat geworden.

Die Panzerbrigade 18 hat nicht nur Menschen hierher gebracht, sondern sie hat zu unserem vielfältigen Stadtleben beigetragen. Und mir wird immer wieder geschildert, dass die Neujahrsempfänge legendär gewesen sind und die Bälle große Partys gewesen sind, an denen sich die Stadtgesellschaft mit erfreut hat.

Es geht aber um mehr als um die Panzerbrigade 18. Wir werden uns unserer Tradition der Stadt Neumünster bewusst. Und zu dieser Tradition gehört es, dass wir Garnisonsstadt waren. Ich spreche hier von vier Kasernen, die wir hatten. Da zähle ich Boostedt mit der Rantzau-Kaserne dazu. Da sind hier die Sick-Kaserne, die Hindenburg-Kaserne und die Scholtz-Kaserne. Neumünster hat eine Tradition als Garnisonsstadt und wir sehen das anders als den Schwan, das Nesselblatt oder die Fabrikschornsteine nicht in unserem Wappen. Aber wir sehen es jetzt durch diesen Stein auch in unserem Stadtbild.

Jetzt ist es ehrlicherweise so, als ich ins Amt gekommen bin, wurde mir sehr, sehr schnell die Historie dieses Steines präsent, weil er in der Rantzau-Kaserne lag. Wie es sich für eine ordentliche Verwaltung gehört, haben wir einen Aktenvorgang dazu, eine nicht abgeschlossene Akte. Und wie es immer ist, wenn man seine Arbeit aufnimmt, dann zieht man sich diese Akte und sagt, das lösen wir jetzt schnell mit diesem Stein. Und Sie können sich vorstellen, als man es sich einmal angeschaut hat, das ist ja der Stein, wurde er uns von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) geschenkt, kam schnell der Begriff raus, das war ein bisschen ein Danaergeschenk, weil es nicht ganz unkompliziert ist, damit umzugehen. Und dann schaut man sich diese Akte an und dann blättert man durch und dann wird es wieder überlagert durch die täglichen Aufgaben, die man dann zu erledigen hat. Das Bürgerbüro muss funktionieren, wir müssen Kitas bauen, wir müssen Wohnungen bauen. Und dann wird er wieder zur Seite geschoben und so ist es, wandert in den Stapel der Akten mit nach unten.

Das ist mir auch so gegangen. Ganz ehrlich. Bis vor eineinhalb Jahren, als wir am Volkstrauertag gemeinsam im Friedenshain waren und zum Volkstrauertag gehören Reden, gehören Kränze. Aber ich finde, wir haben ein sehr würdiges Format gefunden, in dem Schulklassen sich an diesem Tag mit dem Thema Krieg und Frieden auseinandersetzen. Das war damals eine Schulklasse, ich glaube, von der Hans-Böckler-Schule, die als Klassen-Projekt, das Interview mit einem Mann geführt hat, der Krieg erlebt hat. Es war ein Neumünsteraner, ein junger Neumünsteraner, der gedient hat bei der Bundeswehr und der im Einsatz in Afghanistan war. Und er hat berichtet über die Bilder, die ihn von diesem Einsatz weiter verfolgen. Und er hat berichtet von seiner Enttäuschung, dass sein Dienst an uns zu wenig in der Öffentlichkeit gewürdigt und wahrgenommen wird, dass er sich oft alleingelassen vorkommt.

Und auch deshalb bringen wir diesen Stein zurück. Diesen Stein, indem wir sagen, wir würdigen diese Arbeit dieses jungen Mann, wir würdigen die Arbeit aller Veteranen. Diese Geschichte, ihre Geschichte ist Teil unserer Geschichte, auf die wir stolz sein können. Und wir sind dankbar, dass sie Frieden und Freiheit für uns in der Vergangenheit verteidigt und sichergestellt haben.

Ich als Oberbürgermeister der Stadt Neumünster, die Ratsversammlung, der anwesende stellvertretende Stadtpräsident Bernd Delfs, die gesamte Verwaltung, die gesamte Stadtverwaltung sagen zu den Veteraninnen und Veteranen: Danke.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Gäste,

ich darf Sie – auch im Namen unserer Stadtpräsidentin Frau Schättiger – ganz herzlich zum Einbürgerungsempfang der Stadt Neumünster für das Jahr 2025 begrüßen.

Dieser Empfang ist für mich persönlich ein ganz besonderer Termin im Jahreskalender. Es ist bereits das dritte Mal, dass wir ihn in diesem Rahmen veranstalten – und ich freue mich sehr, dass wir ihn heute wieder gemeinsam begehen können.

Ein Abend wie dieser zeigt uns, was Neumünster ausmacht – was unsere Stadt stark macht: Menschen aus der ganzen Welt, von allen Kontinenten, mit den unterschiedlichsten Hintergründen, kommen hierher, machen Neumünster zu ihrer Heimat, lernen das norddeutsche Leben kennen, manchmal auch schätzen, und bringen ihren Beitrag ein.
Sie alle tragen dazu bei, dass sich unsere Stadt und unsere Kultur weiterentwickelt. Das sieht man nie besser als einem Abend wie heute.

Wir sind gekommen und wir haben Sie eingeladen, um Ihnen Danke zu sagen. Danke zu sagen, dass Sie sich entschieden haben, Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland zu werden. 
Ich weiß – und viele von Ihnen haben es mir auch erzählt – dass dieser Schritt kein leichter ist. Die Entscheidung für die deutsche Staatsbürgerschaft ist eine zutiefst persönliche, oft auch emotionale Entscheidung. Sie haben sich gefragt, was bedeutet das für mich, Deutsche oder Deutscher zu werden.


Mit Ihrer Einbürgerung sind Sie nicht nur rechtlich Deutsche geworden – Sie sind auch Teil unserer Geschichte geworden. Die deutsche Geschichte gehört jetzt auch zu Ihnen. Wie sie wissen, können wir stolz auf unserer Geschichte sein, aber es gibt auch ein sehr dunkles Kapitel. Heute, am 8. Mai 2025, jährt sich zum 80. Mal das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa. In anderen Ländern wie Russland spricht man an diesem Tag vom Tag des Sieges. Für uns in Deutschland ist es ein Tag der Befreiung – der Befreiung vom Nationalsozialismus.

Und genau deshalb ist es ein besonderer Moment, heute diesen Empfang zu feiern. Denn das, was wir heute hier gemeinsam erleben – Menschen unterschiedlicher Herkunft auf Augenhöhe in einer demokratischen Gesellschaft die eine Gemeinschaft bilden – ist nur möglich, weil wir vor 80 Jahren befreit wurden. Dafür können wir sehr, sehr dankbar sein.

Wir wollen heute feiern, und sie alle, die schon lange in Deutschland leben, wissen, dass uns das Feiern nicht immer so leicht fällt. Aber heute feiern wir gelungene Integration. Denn: Die Einbürgerung steht nicht am Anfang, sondern am Ende eines oft langen und herausfordernden Weges. Diesen Weg sind Sie gegangen – nicht allein, sondern oft mit Unterstützung. Sie haben möglicherweise einen Mentor oder eine Mentorin gehabt, die mit der Sprache geholfen haben. Sie sind in ihrem Betrieb abgekommen und dort integriert worden.

Das ist etwas, worauf wir stolz sein und dankbar sein können: Das trotz all der Widrigkeiten Integration funktioniert. Sie sind das beste Beispiel dafür. Ich möchte auch danke sagen an die Mitarbeitenden unserer Stadtverwaltung, die mit Ihnen diesen Weg gegangen sind. Besonders Herrn Alabbadi und Herrn Elsler, die mit viel Engagement dafür sorgen, dass jährlich hunderte Menschen in Neumünster eingebürgert werden – zuletzt waren es im Jahr 2024 ganze 477 Personen. So viele, das wir das erste mal den Einbürgerungsempfang in diesem großen Rahmen machen. Vor zwei Jahren lag die Zahl der Einbürgerungn noch bei 150. Es liegt auch ganz klar an Ihrem Engagement und Ihrer Arbeit. Wie Sie die Menschen mit auf den Weg und an die Hand genommen haben durch den Dschunel der deutschen Bürokratie. Vielen Dank dafür.

Der Hauptdank gilt aber Ihnen, die sich auf den Weg gemacht haben, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen. Und es ist ein steiniger Weg, nicht nur die Sprache – mit all ihren grammatischen Tücken – ist eine Herausforderung. Meine Frau, die aus dem Iran stammt, fragt mich regelmäßig, warum wir bestimmte Dinge so sagen – und oft kann ich es ihr selbst nicht erklären. Sie haben sich eine Nation ausgesucht, die mit eine der schwierigsten Sprachen hat.

Und Sie mussten sich auch mit dem Gemeinwesen auseinandersetzen: mit unseren politischen Strukturen, mit Fragen wie: „Was ist Volkssouveränität?“ Was ich spannend fand und wo deutsche Bürokratie auch mal schnell funktioniert: Im Fragebogen ist auch enthalten, wie der deutsche Bundesnazler heißt. Da taucht Olaf Scholz schon nicht mehr auf, es wird Friedrich Merz genannt. Noch übrig geblieben ist die Frage, was eine Ampelkoalition ist.

Sie mussten sich aber nicht nur mit der Sprache und den politischen Strukturen auseinandersetzen, sondern auch mit unserer Bürokratie. Ich weiß, Sie bekommen oft Briefe, bei denen oben "Stadt Neumünster - Der Oberbrürgermeister" draufsteht. Damit bin ich gemeint und ich muss Ihnen erlich sagen, auch ich muss das manchmal drei mal lesen um zu verstehen, was ich Ihnen da für Briefe schicke.

Wir sind Ihnen dankbar, weil wir davon profitieren, dass sie Teil unserer Gesellschaft geworden sind. Wir wissen selber, dass unsere Gesellschaft hier in Deutschland und hier in Neumünster davon lebt und davon abhängig ist, dass Menschen in unser Land kommen, dass Menschen zuwandern. Wir brauchen statistisch gesehen in ganz Deutschland 300.000 bis 400.000 Menschen, die jedes Jahr zu uns kommen. Ohne Zuwanderung könnten viele Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens nicht mehr funktionieren.

Ich war vergangenes Jahr zu Ostern in einem Seniorenheim und habe es mit eigenen Augen gesehen: Ohne Menschen mit Einwanderungsgeschichte geht es nicht mehr. Auch während der Pandemie haben uns Wissenschaftler und Ärztinnen mit Migrationshintergrund mit ihren Entdeckungen und der Impfung vorangebracht.

Gerade die Diskussionen der letzten Monate, die in den Medien geführt wurden, ärgern mich maßlos. Es entsteht der Eindruck, dass es einen Wettbewerb gibt, wie schnell man Mauern und Zäune hochziehen kann. Das ist nicht die Antwort: Natürlich müssen wir als Staat auch konsequent handeln, wo es notwendig ist und es Schwierigkeiten gib. Aber gleichzeitig müssen wir offen bleiben für Menschen, die hier mitanpacken und mitgestalten wollen – so wie Sie.

Sie sind Vorbilder

Sie tragen eine besondere Verantwortung – denn Sie sind Vorbilder. Sie zeigen, dass Integration gelingen kann. Dass es möglich ist, in Deutschland anzukommen, Teil dieser Gesellschaft zu werden und sie aktiv mitzugestalten.

Wir hören heute noch zwei persönliche Geschichten:

Zunächst Herr Idris – ich habe Sie mit Ihrer wunderbaren Familie schon gesehen. Sie kommen aus dem Irak, leben nun mit zwei Kindern hier und arbeiten als Augenarzt. Wir sind gespannt, von Ihrem Weg zu hören.

Und danach Frau Knop – geboren im Ruhrgebiet, aber lange Zeit serbische Staatsbürgerin. Auch Sie haben sich entschieden, Deutsche zu werden. Sie arbeiten nun bei der Arbeitsagentur – und zeigen: Es ist nie zu spät für diesen Schritt.

Diese beiden Geschichten stehen für viele andere. Ich freue mich, wenn wir später noch ins Gespräch kommen – über Ihren Weg, Ihre Erfahrungen, Ihre Ideen.

Vielen herzlichen Dank, dass Sie hier sind. Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Abend und freue mich auf den weiteren Austausch.

Rede von Oberbürgermeister Tobias Bergmann anlässlich der Übergabe des Ordens „Amici Laetitiae“ an Herrn Daniel Günther am 07.02.2025

Daniel - König von Holstein

Verehrte Ehrenpräsidentinnen und Ehrenpräsidenten,
sehr geehrte Präsidentinnen und Präsidenten,
Elferrätinnen und Elferräte,
Herr Ordenskanzler Fehmel,
Ihr tapferen Rittersleut` und Freunde der Leichtigkeit,
werte Tollitäten,

mein erstes Jahr als Amicus Laetitiae ist rum!
Eine neue Leichtigkeit habe ich erlebt, schwindend der schleswig-holsteinischen Schwermut, überwunden die kommunale Schwerkraft in Nyge Münster an der Schwale!

Und ich freue ich mich riesig, wieder hier zu sein! Hier in Kronshagen!
Im Bürgerhaus, in der heimlichen Krönungsresidenz unseres reizvollen Bundeslandes, mit seiner landestypisch schwelgerischen Architektur, die uns an die Renaissance erinnert ... vor allem an die Renaissance knapper öffentlicher Kassen!

Es ist mir eine besondere Ehre, zur heutigen Zeremonie beizutragen.
Habt alle Dank!

Daniel – dieser Name steht für eine große biblische Figur, einer der drei Gerechten, ein Apokalyptiker und ein Seher, im babylonischen Exil fern der Heimat. Und Günther – im Mittelhochdeutschen auch „Gunther“ – er war der gute König der Siegfried-Sage.

So heißt es jetzt für mich, Gutes und Großes gerecht zusammenzuführen und Daniel Günther zu empfehlen – für den Ritterschlag.

Schon als Ratsherr hast Du am Strande der Ostsee gehaust.
Eckernförde, wo Du heimlich in die Zukunft schaust.
Wie's wohl wäre, wenn Du nicht der wärest, der Du bist,
sondern Ritter oder König (oder Karnevalist)?

Liebe Neumünsteranerinnen, liebe Neumünsteraner,

ich wünsche Ihnen ein frohes und glückliches Jahr 2025. Diesen Wunsch überbringe Ihnen auch im Namen der Stadtpräsidentin, der Ratsversammlung, des Verwaltungsvorstandes und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Neumünster. Möge dieses Jahr 2025 voller positiver Überraschungen für Sie werden.

Ich freue mich sehr, Sie heute Abend hier im Museum Tuch und Technik begrüßen zu dürfen. Es ist schön zu sehen, dass so viele unserer Einladung gefolgt sind. Ich freue mich auf die Gespräche mit Ihnen.

Ein besonderer Dank gilt der musikalischen Begleitung durch die Formation „First Choice“ und allen, die diesen Abend ermöglicht haben – dem Vorbereitungsteam, der Gebärdendolmetscherin sowie dem Team des Restaurants Johann & Amalia.

Liebe Neumünsteranerinnen, liebe Neumünsteraner,

wir leben in schwierigen, in unsicheren Zeiten.

Als ich mich vor gut drei Wochen in den Weihnachtsurlaub verabschiedet habe, habe ich oft in erschöpfte Augen geblickt. Bei Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen, bei Nachbarinnen und Nachbarn oder bei unseren Wochenmarkthändlern oder der Kassiererin im Supermarkt.

Und auch ich habe mir gedacht: Endlich ist Weihnachten. So ist es vielleicht auch Ihnen gegangen.

Die schwierigen, die unsicheren Zeiten zehren an uns.

Die individuelle Unsicherheit zehrt an jedem Einzelnen, die kollektive Unsicherheit zehrt an den Nerven unserer Gesellschaft.

Und, meine Damen und Herren, in dieser Stimmung erreichte uns die schreckliche Nachricht aus Magdeburg. Magdeburg hat Neumünster aufgewühlt.

Und nach dem ersten Entsetzen, dem ersten Schock über diese unfassbare Tat stellte ich mir die bange Frage: Hätte das nicht auch in Neumünster passieren können, hätte das nicht auch auf dem Großflecken passieren können?

Nein, wir können so ein solches Ereignis nicht mit letzter Sicherheit ausschließen, niemand kann ein solches Ereignis mit letzter Sicherheit ausschließen.

Aber was wir können, ist eines versprechen: Wir geben das Menschenmögliche, um eine solche Tat auszuschließen, zu verhindern. Und mit dem „Wir“ meine ich alle Verantwortlichen, die Politik und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die Sicherheitskräfte, die Polizei, die Feuerwehr und alle Mitglieder der Blaulichtfamilie.

Deshalb entwickeln wir jedes Jahr unser Sicherheitskonzept für solche Veranstaltungen weiter, um erkannte Lücken zu schließen, um auf neue Gefährdungslagen einzugehen.

Ein solches Versprechen verbinde ich aber auch mit einer klaren Erwartung: Die Menschen, die für unsere Sicherheit sorgen, verdienen Respekt und Anerkennung. Es ist in keiner Weise tolerabel, dass Sicherheitskräfte, Feuerwehrleute, Polizeikräfte oder Rettungssanitäterinnen in der Silvesternacht mit Böllern und Raketen attackiert wurden. Das ist ein asoziales Verhalten.

Diesen Respekt und diese Anerkennung verdienen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Technischen Betriebszentrums, die nach der Silvesternacht die Spuren der Party beseitigt haben.

Diesen Respekt und Anerkennung verdienen all die, die sich nicht oder nur verkürzt in einen Weihnachtsurlaub verabschieden können, weil ihr Dienst selbst für ein paar Tage unverzichtbar für unser Leben ist.

Diese Menschen arbeiten in den Seniorenheimen der Stadt, dem Friedrich-Ebert-Krankenhaus, bei den Stadtwerken, im Einzelhandel, in der Gastronomie oder den Hotels in Neumünster.

Liebe Neumünsteranerinnen, liebe Neumünsteraner,

das Thema Sicherheit bewegt die Menschen in unserer Stadt nicht erst seit Magdeburg.

Wir haben gezeigt, dass wir dieses Thema ernst nehmen und wir handeln: Der Kommunale Ordnungsdienst Neumünster ist ein überregionales Vorbild geworden. Die Videoüberwachung auf der Klosterinsel ist ein Erfolgsmodell – wir haben diesen Ort zurückerobert. Und ich halte auch den Sicherheitspavillon auf dem Konrad-Adenauer-Platz vor dem Bahnhof für eine gute Idee. Es kann ein Musterbeispiel der Zusammenarbeit zwischen Kommune, Landespolizei und Bundespolizei werden. Wir werden weiter für die objektive Sicherheit und das subjektive Sicherheitsempfinden vorgehen.

Liebe Neumünsteranerinnen, liebe Neumünsteraner,

die Unsicherheit, die jeder Einzelne von uns empfindet, hat seine Ursachen jedoch nicht nur in persönlichen Lebensumständen oder Rahmenbedingungen unserer Stadt.

Gerade überregionale, nationale und globale Entwicklungen lösen bei uns diese Unsicherheit aus.

Dies ist mittlerweile der dritte Neujahrsempfang, der im Schatten des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine steht. Nach drei Jahren sind viele auch hierzulande kriegsmüde, sie wünschen sich einen Frieden lieber heute als morgen. Auch ich wünsche mir lieber heute als morgen Frieden und wir dürfen das Thema Frieden nicht den Populisten und Demagogen überlassen.

Aber eines muss uns klar sein: Egal wann und wie es zu einem Frieden in der der Ukraine kommt – die Zeitenwende bleibt. Die Zeitenwende hat die Ampel überlebt, sie wird die künftige Regierung, egal welcher Couleur, prägen, sie wird unsere Gesellschaft prägen und verändern.

Es geht bei diesem Krieg nicht alleine um die Ukraine. Putin führt in einer Allianz mit anderen Autokratien auch einen Krieg gegen unsere Demokratie, einen Krieg auch gegen unsere Freiheit, auch einen Krieg gegen unsere Art zu leben.

Wir in Neumünster wissen, was Zeitenwende bedeutet. Mit unserer Geschichte haben wir in Neumünster ein natürliches Verständnis über Zeitenwende. Neumünster war Garnisonsstadt, Neumünster war das Zuhause von drei, wenn wir Boostedt dazuzählen, von vier Kasernen.

Mein Vorgänger Hartmut Unterlehberg kam als Wehrdienstleistender nach Neumünster. Meinen heutigen Stellvertreter Michael Knapp lernte ich persönlich kennen als Soldaten des BW-Landeskommandos Kiel – in Uniform in meinem Amtszimmer.

Deshalb gelten mein Dank und meine Anerkennung den Neumünsteranerinnen und Neumünsteranern, die in Uniform ihren Dienst für unsere Freiheit und Sicherheit leisten oder geleistet haben.

Diesen Dienst wollen wir künftig stärker ins öffentliche Bewusstsein bringen, stärker würdigen. Dazu werden wir den Veteranentag am 15. Juni, der erstmal als nationaler Gedenktag begangen wird, besonders nutzen.

Liebe Neumünsteranerinnen, lieb Neumünsteraner,

wer sind die Menschen, die heute ihren Dienst für Sicherheit und Freiheit leisten?

Das Bild der Menschen wandelt sich.

In den 80er Jahren waren es junge Männer, vornehmlich aus Nordrhein-Westfalen, die in unserer Stadt Dienst geleistet haben. Deshalb ist an Rhein und Ruhr in meiner Generation der Postkeller am Großflecken sicher genauso bekannt wie der Silbersack auf St. Pauli.

Heute ist das Bild viel diverser. Es sind Männer und Frauen, sie sind in Neumünster oder in Kasachstan geboren, sie haben deutsche oder türkische Wurzeln.

Eine besonders eindrucksvolle Person durfte ich im vergangenen Jahr kennenlernen. Es war auf dem Einbürgerungsempfang im alten Rathaus. Ich sprach dort mit einer jungen Frau, die erst vor kurzem eingebürgert wurde. Sie hat dabei ihre chinesische Staatsbürgerschaft abgelegt. Als ich sie fragte, weshalb sie sich für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden hat, gab sie mir eine überraschende Antwort. Sie sagte: Ich will Dienst in der Bundeswehr leisten und mit meinem Dienst einen Beitrag zur Sicherheit und Freiheit leisten. Was für ein beeindruckendes Bild: Eine junge Deutsche mit chinesischen Wurzeln will in Uniform ihren Beitrag für unsere Gesellschaft leisten. Von solchen Menschen brauchen wir noch mehr.

Liebe Neumünsteranerinnen liebe Neumünsteraner,

das Beispiel der jungen Neumünsteranerin mit chinesischen Wurzeln zeigt noch mehr. Sie zeigt, dass sich Integration lohnt. Es zeigt, dass es sich lohnt, sich für alle Seiten anzustrengen. Anstrengend für die einen, die deutsche Sprache zu lernen, in einer fremden Kultur sich zurecht zu finden. Und für die anderen Zeit und Geld für die Integration zu investieren und Unterschiedlichkeit auszuhalten.

Wir sehnen uns gerade in unsicheren Zeiten nach Sicherheit – aber diese Sicherheit gewinnen wir nicht durch Ausgrenzung, durch Spaltung oder durch aufgeregte Debatten in den Sozialen Medien. Ja, Straftaten müssen geahndet werden und Straftäter müssen Konsequenzen nicht nur fürchten müssen. Aber Sicherheit gewinnen wir durch Zusammenhalt. Gerade in unsicheren Zeiten brauchen wir Zusammenhalt. Sicher wird unser Leben durch Zusammenhalt der Gesellschaft, ein funktionierendes Gemeinwesen, durch Zusammenhalt in der Familie, in der Nachbarschaft, durch Ehrenamt, durch Zusammenhalt der Stadtbevölkerung. Diesen Zusammenhalt sehe ich in unserer Stadt und auf diesen Zusammenhalt sollten wir uns in unsicheren Zeiten besinnen.

Liebe Neumünsteranerinnen, liebe Neumünsteraner,

ob wir als Gesellschaft die großen Fragen beantwortet bekommen entscheidet sich vor Ort, in den Städten und Gemeinden. Boris Pistorius müsste noch lange auf eine Bewerbung warten, wenn das Einbürgerungsteam der Stadtverwaltung nicht eingebürgert hätte.

Es wird keine Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 2040, hoffentlich in Deutschland, hoffentlich in Kiel, geben, wenn wir morgen unsere Unterstützung von Sportvereinen in Neumünster und in anderen Städten einstellen müssten.

Liebe Neumünsteranerinnen, liebe Neumünsteraner,

die Haushaltslage der Stadt Neumünster ist mehr als ernst. Wir haben für unseren Haushalt 2025 nur eine Teilgenehmigung und wir werden in den nächsten Wochen schmerzhafte Anstrengungen unternehmen müssen, um einen genehmigungsfähigen Haushalt vorlegen zu können. Aber ich bin zuversichtlich, dass dies gelingt – ich bin zuversichtlich, weil alle relevanten Akteure sich der Lage bewusst sind und weil ich die notwendige Kompromissbereitschaft sehe, die notwendig ist, in einer solch schwierigen Situation eine gemeinsame Lösung zu finden. Neumünster liegt nicht in Österreich.

Aber eins muss auch deutlich gesagt werden.

Schuld für diese ernste Haushaltssituation in unserer Stadt ist nicht die Neumünsteraner Politik, die in Saus und Braus Ausgaben auf den Weg gebracht hat, es ist auch nicht die Neumünsteraner Verwaltung, die nicht mit Geld umgehen kann.

Die Neumünsteraner Haushaltssituation ist nicht in Neumünster geschaffen. Alle deutschen Kommunen ächzen unter der Haushaltssituation. Vor ein paar Wochen haben alle Schleswig-Holsteinischen Kommunen hier in unserem Rathaus eine „Neumünsteraner Erklärung“ verabschiedet. Die Kommunen in Schleswig-Holstein insgesamt und die Städte im Besonderen sind unterfinanziert. Wir brauchen eine gerechte Verteilung von Lasten.

Und dies ist kein Schleswig-Holsteinisches Phänomen: Tübingen ist laut seinem Oberbürgermeister Boris Palmer zum Sanierungsfall geworden, eine Universitätsstadt, eine Stadt im wirtschaftlich starken Südwesten.

Keine Frage: Eine solche finanzielle Krise ist ein richtiger und wichtiger Anlass, viele alte Gewohnheiten zu hinterfragen und so manchen alten Zopf abzuschneiden. Und ja, diese finanzielle Krise wird für uns in der Verwaltung Anlass sein, künftig noch effizienter zu werden.

Aber was nicht passieren darf ist, dass wir nicht mehr in unser kommunales Gemeinwesen investieren können, dass wir nicht mehr für unser kommunales Gemeinwesen sorgen können.

Die Konsequenzen von unterbliebenen Investitionen haben wir in den letzten Tagen wieder gesehen und ich komme jetzt nicht auf die Deutsche Bahn zu sprechen.

Was für eine Konsequenz es hat, wenn Kommunen nicht in das Kanalsystem investieren können, haben wir in der Silvesternacht in Berlin gesehen.

Was für eine Konsequenz es hat, wenn nicht in die IT-Infrastruktur investiert wird, haben wir an den deutschen Flughäfen gesehen.

Trotz aller Sparanstrengung – wir müssen weiter in der Lage sein, in die Zukunft zu investieren.

Liebe Neumünsteranerinnen, liebe Neumünsteraner,

ich bitte Sie, neben dem Veteranentag am 15. Juni zwei besondere Tage im Kalender 2025 vorzunotieren.

Der 23. Februar – an diesem Tag wählen wir einen neuen Bundestag. Unsere Demokratie erfordert tägliche Aufmerksamkeit und aktive Pflege. Einen Wahlaufruf werde ich noch zu gegebener Zeit machen. Mein Dank geht an alle Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer. Auch euer Wahlkampf, euer Gespräch an Infoständen und Haustüren macht Wahlen zum Hochamt der Demokratie.

Ich bitte Sie auch, sich den 08. Mai zu notieren – den Tag der Befreiung. Am 08. Mai jährt sich zum 80. Mal die Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus. Denn genau am 08. Mai vor genau 40 Jahren hielt der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker eine vielbeachtete und viel diskutierte Rede.

Er schloss die Rede mit einer Bitte an die jungen Menschen. Diese jungen Menschen damals sind heute schon etwas grau geworden, diese Bitte ist jedoch weiterhin aktuell für alle damals Jungen und heute Jungen und deshalb möchte ich sie als Neujahrsvorsatz uns mit auf dem Weg geben:

Seine Bitte lautet:

Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass

gegen andere Menschen,

gegen Russen oder Amerikaner,

gegen Juden oder gegen Türken,

gegen Alternative oder gegen Konservative,

gegen Schwarz oder gegen Weiß.

Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.

Lassen Sie auch uns als demokratisch gewählte Politiker dies immer wieder

beherzigen und ein Beispiel geben.

Ehren wir die Freiheit.

Arbeiten wir für den Frieden.

Halten wir uns an das Recht.

Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit.

Mit diesem Vorsatz wünsche ich Ihnen allen ein frohes und glückliches Jahr 2025.

Moin

Danke, dass ihr gekommen seid.

Danke, dass ihr so viele seid.

Danke, dass ihr so bunt seid.

Danke, dass ihr so laut für Demokratie seid.

Danke, dass ihr so laut für Menschenrechte seid.

Neumünster, Schleswig-Holstein, Deutschland braucht euch.

Es gibt Kräfte in unserer Stadt, in unserem Land, die wollen unsere Gesellschaft zerstören.
Diese Kräfte nennen sich AfD oder Heimat Neumünster.

Diese Kräfte wollen, dass meine Nachbarin, euer Arbeitskollege, euer Mitspieler im Sportverein, eure Freundin mit Kopftuch, dass diese Neumünsteranerinnen und Neumünsteraner aus unserer Stadt vertrieben werden. Nicht mit uns. Wir sind mehr.

Diese Kräfte wollen den Wohlstand unserer Stadt zerstören: Was glauben sie denn, was eine Austritt der EU bedeuten würde, für Firmen, für Arbeitgeber, für Gewerbesteuerzahler wie Danfoss? Es reicht denen nicht, Mähdrescher nach Mecklenburg-Vorpommern zu verkaufen. Deshalb sagen wir: Nicht mit uns und wir sind viel mehr.

Diese Kräfte wollen unsere Zukunft zerstören. Sie leugnen den Klimawandel, romantisieren von Blut und Boden. Sie würden unseren Kindern und Enkeln eine unbewohnbare Erde hinterlassen. Nicht mit uns und wir sind viel mehr.

An alle, die AfD und Heimat aus Protest wählen. Aus Protest gegen Menschen wie mich: Einen Politiker einer Altpartei.  Ja – wir Politiker machen nicht alles richtig. Aber ihr Protestwähler müsst wissen. Wenn ihr AfD oder Heimat wählt, dann wählt ihr Faschisten. Und wenn ihr wissen wollt, wohin Faschismus führt, dann lest die vielen Namen der jungen Menschen in unserem Friedenshain.

Wenn wir die Demokratinnen und Demokraten, diejenigen, die Neumünster lieben, zusammenstehen, dann ist mir nicht bang – denn wir sind mehr!

Neumünster bleibt bunt!

Rede von Oberbürgermeister Tobias Bergmann anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar 2024

Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin,

sehr geehrte Mitglieder der Ratsversammlung,

verehrte Gäste!

Meine Damen und Herren!

Wir begehen den Holocaust-Gedenktag 2024 in aufgewühlten Zeiten.

In Potsdam fand vor wenigen Wochen ein Geheimtreffen statt, dessen Agenda beängstigend an die Wannseekonferenz 1942 erinnert.

In unserem Land gehen glücklicherweise tausende Menschen auf die Straße und zeigen, dass sie Demokratie und Freiheit gegen Rassismus und Totalitarismus verteidigen wollen.

Ich hoffe sehr, dass auch Neumünster morgen ein eindeutiges Zeichen setzt.

Gerade wir Deutschen haben eine besondere historische Verantwortung, Demokratie und Freiheit zu verteidigen – und diese Verantwortung wird uns an Tagen wie heute, dem Holocaust-Gedenktag, bewusst.   

Wir gedenken heute aller Opfer der verbrecherischen Ideologie des Nationalsozialismus.

Wir gedenken an diesem Tag aber nicht einer anonymen Zahl von Opfern – wir gedenken an diesem Tag Menschen, Mitbürgerinnen und Mitbürgern, Neumünsteranerinnen und Neumünsteranern, die Opfer der verbrecherischen Ideologie der Nationalsozialisten wurden.

Opfer der Ideologie wurde die Neumünsteraner Familie Weißbaum.

Mit Stolpersteinen auf dem Kuhberg 27 erinnern wir an diese Familie. Die Eltern Edith und Gustav Weißbaum wurden im Februar 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet.

Edith und Gustav Weißbaum waren keine geborenen Neumünsteraner. Sie kamen 1922 in unsere Stadt, weil sie hier, in der Demokratie der Weimarer Republik, die Freiheit fanden, ihr Leben selbst zu bestimmen. Geboren waren beide nämlich in einer polnischen Kleinstadt. Ihre Eltern erlaubten ihnen jedoch nicht zu heiraten, ein jüdisches Schtetl konnte sehr bevormundend sein. Neumünster gab ihnen die Freiheit, zu heiraten und zusammenzuleben.

Die Weißbaums bauten in der Kieler Straße ein Geschäft für Strickwaren auf. Auch heute sind dort viele Geschäfte von Migrantinnen und Migranten.

1924 wurden die beiden Töchter Helmine und Irmgard in Neumünster geboren.

Edith und Gustav Weißbaum waren politisch weitsichtig – sie erkannten früh, welches grauenvolle Unheil sich für sie zusammenbraute.

1925, ein Jahr nach der Geburt ihrer Töchter, wurde die NSDAP Schleswig-Holstein in Neumünster gegründet. 1933 war die Machtergreifung der Nationalsozialisten – am 01. April 1933 gab es den sogenannten „Judenboykott“ auch in Neumünster. An diesem Tag wurden die Geschäfte unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger gewaltsam blockiert.

Die Familie Weißbaum flüchtete aus Neumünster. Wo Freiheit und Demokratie verloren gehen, verliert jeder einzelne seine Sicherheit.

Sie flüchteten 1933 nach Holland, fingen dort ein zweites Mal von vorne an und bauten eine Textilfabrik auf. 1936 hatte diese bereits 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Was für tüchtige Menschen müssen diese beiden gewesen sein. 1936 wurde ihr drittes Kind, ihr Sohn Benno, geboren.

Doch Holland war nicht weit genug weg, um den Häschern der Nazis zu entkommen.

Im Mai 1940 überfiel Nazideutschland die Niederlande, im August 1942 ging die Familie in den Untergrund. Sie tauchte jedoch nicht gemeinsam unter. Sie trennten sich.

Edith und Gustav wurden in Den Haag versteckt – ein Versteck, das sie in den 1,5 Jahren nie verließen – bis zum 20 Januar 1944.  An dem Tag wurden sie verraten und von den Nazischergen gefasst. Keine drei Wochen später wurden sie in Auschwitz-Birkenau ermordet, ermordet aus dem einzigen Grund, weil sie Juden waren.

Aber – die Geschichte der Familie Weißbaum endet nicht wie so unendlich viele andere Geschichten von unseren Bürgern in der Shoa, im Holocaust, in den Schornsteinen von Auschwitz-Birkenau. Die drei Kinder Helmine, Irmgard und Benno überlebten die Nazidiktatur.

Aber wo sollten sie – mit der Biographie ihrer Familie - denn künftig leben?

Wo sollten sie nach dem Sieg über Nazideutschland und der Befreiung Europas leben? Zurück in ihre Geburtsstadt Neumünster? Die Stadt, wovon deren möglicherweise letzten Kindheitserinnerungen rassistische Anfeindungen waren? In das Land der Mörder ihrer Eltern? – Nein.

Sollten sie in ihrem ersten Exil in Holland bleiben – ein Exil, was die Eltern weise 1933 bereits gewählt hatten – was sicher ihre neue Heimat wurde, aber was sich auch nicht als sicher erwies, ein Exil in dem ihre Eltern verraten wurden, aus dem sie deportiert und ermordet wurden. Auch das war für die drei keine Option.

Mit ihrer persönlichen Lebenserfahrung wurden diese drei Zionisten, Anhänger der Idee, dass Jüdinnen und Juden einen selbstständigen Nationalstaat in Palästina brauchen. Das historische Wissen, dass Juden nie und nirgends langfristig sicher sein können. Die drei migrierten deshalb nach Palästina noch vor der Staatsgründung und wurden 1948 mit der Staatsgründung Israels israelische Staatsbürger.

Ohne die Shoa würden die Weißbaums vielleicht noch immer hier in Neumünster leben, würden die Kultur, die Wirtschaft und das Leben unserer Stadt bereichern. Dieser Verlust für unsere Gesellschaft ist unwiederbringlich.

Für die Weißbaums – die Kinder, Enkel und Urenkel – wurde Israel ihre Heimat. 

Im Dezember 2015 kamen neun Enkel und Urenkel nach Neumünster. Sie wurden im alten Ratssaal empfangen und nahmen an der Verlegung der Stolpersteine am Kuhberg teil.

Mir fiel ein Foto über diese Besuchergruppe in die Hände – und als ich die Gesichter sah, fragte ich mich sofort: Wie geht es den Weißbaums heute, wie geht es der Familie nach dem 07. Oktober und dem barbarischen Überfall der Hamas?

Diese Frage wurde beklemmend, als ich die drei damaligen Kinder musterte.

Die Mädchen Netta damals 9 Jahre und Einav damals 12 und der Junge Nir damals auch 12 Jahre alt. 

Diese drei sind heute in einem Alter, in dem typischerweise israelische junge Menschen ihren Wehrdienst absolvieren, Männer und Frauen. Und junge Menschen besuchen gerne in diesem Alter Musikfestivals. Wie geht es diesen dreien – habe ich mich gefragt.

Ich konnte mit Unterstützung von Frau Winkler und Herrn Dr. Obst Kontakt zur Tante aufnehmen – Edith Margalit-Hecht. Edith war auch damals in dieser Besuchergruppe, eine Tochter von Helmine.

Edith konnte mich beruhigen: Alle Weißbaums sind wohlauf.

Edith Margalit-Hecht berichtete mir, dass der Besuch in Neumünster vor acht Jahren ein bedeutendes Familienereignis war. Edith hat noch einmal nach diesen vielen Jahren ihre Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht, wie Neumünster ihre Familie würdigt. Diesen Dank gebührt den damaligen Verantwortlichen, insbesondere meinem Amtsvorgänger Herrn Dr. Tauras und Ihnen, Frau Schättiger.

Edith Margalit-Hecht war sehr interessiert, wie Neumünster auf die Ereignisse im Nahen Osten blickt. Ich habe Edith Margalit-Hecht über die aktuellen Diskussionen zum 07. Oktober und darüber hinaus hier in Neumünster berichtet. Über unsere Kundgebung am 09. November, auf der wir Kerzen auf dem Großflecken im Gedenken an die Opfer des Hamas-Terrors angezündet haben, über die Resolution, die in der Ratsversammlung mit den Stimmen der demokratischen Parteien verabschiedet wurde und die Familie Weißbaum sah auch das Bild mit der Israel-Fahne in unserem Ratssaal.

Edith Margalit-Hecht schrieb mir: „Wir Israelis und Juden in und außerhalb Israels sind traumatisiert (ich benutze bewusst dieses Wort) von dem unfassbaren Abschlachten durch die Hamas und von den anti-israelischen/antisemitischen Demonstrationen in der Welt. Das Gefühl der Sicherheit ist verloren. Nicht einmal in Israel sind wir sicher. Deshalb ist ein Mitgefühl so wohltuend.“

Alle Weißbaums sind wohlauf.

Fünf Weißbaums dienen in diesen Tagen, in diesen Stunden in der israelischen Armee.  

Die Familie hat dennoch einen schrecklichen Verlust erlitten. Stav Barazani war die Cousine des Schwiegersohnes von Edith. Stav Barazani war mit ihrem Freund auf dem Nova Festival an der Grenze zu dem Gaza-Streifen. Das Festival wurde von der Hamas überfallen, Stav wurde auf unvorstellbar barbarische Weise ermordet.

Die Geschichte der Familie Weißbaum zeigt uns Neumünsteranerinnen und Neumünsteranern auf eindringliche Weise wie die Ereignisse heute in Israel und im Gaza mit der Geschichte unserer Stadt verwoben sind. Was es bedeutet, eine historische Verantwortung zu haben.

Ein glückliches Leben von Edith und Gustav Weißbaum wurde in der Shoa ausgelöscht. Wir gedenken ihrer heute.

Wir gedenken heute aller Opfer der verbrecherischen Ideologie des Nationalsozialismus, aller Menschen, die um ihre materielle, seelische und physische Existenz gebracht und ihrer Würde beraubt wurden, der Verfolgten, Gemarterten, Gedemütigten, Ermordeten: Wir gedenken der europäischen Juden, Sinti und Roma, der zu „Untermenschen“ degradierten slawischen Völker, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, dem Hungertod preisgegebenen Kriegsgefangenen, der Opfer staatlicher Euthanasie, der Homosexuellen, aller, die sich aus religiösen, politischen oder schlicht menschlichen Beweggründen dem Terror widersetzten und deswegen der totalitären Staatsgewalt zum Opfer fielen. Wir gedenken der Millionen und Abermillionen Toten.

Wir gedenken auch der Überlebenden, derjenigen, die an dem Grauen der Unmenschlichkeit seelisch zerbrochen sind.

Ihnen allen zum Gedenken möchte ich das jüdische Gebet El Male Rachamim sprechen:

"G'tt, du bist voller Erbarmen. Wir beten für die Seelen der sechs Millionen Frauen, Männer und Kinder und allen Opfern der Shoah, die verbrannt und umgebracht worden sind.

In Auschwitz, Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau, Majdanek, Mauthausen,  Neuengamme, Ravensbrück, Sachsenhausen, Sobibór, Theresienstadt, Treblinka.

Gewähre ihren Seelen Ruhe in deiner Nähe, im Kreise der Gerechten und Reinen. Möge G'tt, der Barmherzige, sie für alle Zeiten unter seinen Schutz stellen und sie in den Bund des ewigen Lebens einschließen. Mögen sie im Garten Eden in Frieden ruhen.

So sprechen wir: Amen!"

Rede des Oberbürgermeisters Tobias Bergmann anlässlich der Ordensverleihung „Amici Laetitiae“ – Freunde des Frohsinns – vom Rhenania-Carneval-Club von 1902 e.V. am 26. Januar 2024

Liebe Ritterschaft, Damen, Herren, Jung und Alt,
heut' stehe ich hier, zum Ritter geschlagen, stolz und bald.
Der "Amici Laetitiae"-Orden schmückt nun mein Gewand,
ein Moment, das ich teile mit euch, im ganzen Land.

Von gelben, grünen, schwarzen und roten Geschichten,
möchte ich euch nun erzählen, in fröhlichen Gedichten.

Konrad Adenauer, der erste schwarze Ritter, gebürtig vom Rhein,
Ein Held aus alter Zeit, sein Ruhm soll ewig sein.
Doch heute steht vor uns ein Ritter, so schwarz und stark,
Ingo Sander, der durch Mut und Humor fand seinen Park.

Vom kleinen Kronshagen bis ins große Reich,
Vom Bürgermeister zum Landrat, das ist sein ewiger Vergleich.
Doch schau ich auch auf Ingo Sander mit Respekt,
ein Vorbild, mutig, mit Humor und Intellekt.

Rendsburg-Eckernförde, so groß wie das Saarland,
im Westen Dithmarschen, im Norden Flensburg entspannt.
Die Küste entlang, die Ostsee so nah,
ein Reich mit Aufgaben, für Sander ganz klar.

In Ritterrunden, Hr. Günther, noch nicht adlig verklärt,
Auf der Bühne, Layla, das Lied, das er erklärt.
Layla auf der Kieler Woche, für mich ein humorloses Spiel,
Wahre Ritter brauchen mehr Stil.

Von roten Rittern will ich nun erzählen,
Heide Simonis, möge sie immer unser Gedächtnis beseelen.
Die erste Ministerpräsidentin, stark und klar,
Mit auffälligen Hüten, in der politischen Schar.

Mit Worten deutlich, mit Charme versehen,
Eine rote Ritterin, in der Politik zu sehen.
Geschichte hat sie geschrieben, sie kam viel umher,
Heide Simonis, die Ritterin, wir vermissen und ehren sie sehr.

Ulf Kämpfer, ein Ritter in rotem Gewand,
Als Kiels Oberbürgermeister, stark und bekannt.
In 2024 steht eine Entscheidung bevor,
Eine weitere Amtszeit? Das fragt er sich, im Ohr.

Die roten Banner wehen, die SPD ist sein Heer,
Ein Ritter in der Stadt, von Amts wegen, so sehr.
Die Landespolitik lockt, wie ein fernes Licht,
Eine Option, die Ulf Kämpfer im Herzen spricht.

In Berlin, da steht Habeck, der grüne Ritter wach,
Seine Festung, von Landwirten belagert, ach!
Mit Wärmepumpen verteidigt er sich geschwind,
Doch sein Herz, es ist eher traurig gesinnt.

Einst Prinz Bio-Eisenherz, so stolz und klar,
Jetzt Don Quijote, kämpft er für Windmühlen, fürwahr.
Die Landwirte protestieren, rufen laut,
Doch Habeck verteidigt, bleibt unbeirrt, uns vertraut.

Kein stolzer Ritter, sondern traurig im Sinn,
Er kämpft für Ideale, doch wo ist für uns Gewinn?
Die Windmühlen drehen sich, in der politischen Schlacht,
Habeck, der Ritter, in der grünen Pracht.

Zum Abschluss sei gesagt, wir sind stolz und bunt erzogen,
Gelb, grün, schwarz und rot, bunt wie der Regenbogen.
Doch keine braunen Ritter sind in diesem Kreis,
verraten Werte, den Respekt und reden sehr viel…

Gemeinsam stehen wir stark, Hand in Hand,
Gegen die, die spalten, das ist unser Band.
In dieser bunten Truppe, vereint und bunt,
Halten wir fest, im Widerstand gesund.

So schwingen wir das Schwert des "Amici Laetitiae"-Ordens,
für Humor, Tatkraft und Werte, seid stolze Akteure, nicht nur des Wortes.
Dank sei euch allen, für eure Zeit und euer Lauschen,
lasst uns feiern, tanzen, lachen, in bunten Farben rauschen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

wir gedenken heute der Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Ich danke Ihnen sehr für Ihr Kommen; ich danke Ihnen auch im Namen der Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger und der Ratsversammlung.

Mein besonderer Dank geht heute an die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10a der Hans-Böckler-Schule und ihrer Lehrerin Beatrice Gade-Loßek, die ihre Gedanken zum Thema Krieg und Frieden einbringen werden.

Wir begehen den Volkstrauertag 2023 unter dem Eindruck des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine – ein Krieg, der jetzt schon in seinen zweiten Winter geht und dessen Auswirkungen auch in unserer Stadt zu spüren sind.

Wir begehen den Volkstrauertag unter dem Eindruck der schrecklichen Bilder aus Israel und dem Gaza-Streifen, die uns tagtäglich erreichen. Ein Krieg, der die Menschen in unserer Stadt wie kaum ein anderes Thema bewegt, aufwühlt und zu spalten droht.

Der Volkstrauertag war in seinem dunklen Kapitel der Geschichte ein Heldengedenktag – ein Tag der nationalistisch war, der aufgerechnet hat, der gespalten hat. Dieser Heldengedenktag ist Gott sei Dank Geschichte. Der Heldenhain ist hier heute ein Friedenshain.

Der Volkstrauertag betont das Verbindende. Das gemeinsame Gedenken an das Leid, was Krieg und Gewalt hervorruft – lassen Sie uns gerade in dieser Zeit das Verbindende suchen.

Ich persönlich begehe diesen Volkstrauertag 2023 unter dem Eindruck meines Besuches in Novovolynsk in der Ukraine im August.

Krieg war für mich bis dahin etwas Abstraktes, etwas Theoretisches. Frieden war für mich, wie für alle Europäer meiner Generation eine Selbstverständlichkeit. 

Ich musste diesen Sommer das erste Mal das Heulen der Sirenen hören, mit dem Wissen, dass es jetzt keine Übung ist, sondern mit der Gewissheit und der Angst, dass in diesen Minuten Flugzeuge oder Raketen aufgestiegen sind, die Tod und Verderben bringen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

in Novovolynsk ist, wie in der ganzen Ukraine, jeden Tag Volkstrauertag.

Jeden Vormittag um 09:00 Uhr treffen sich mehr als hundert Menschen vor dem Rathaus. Es bedarf dazu keines Aufrufs. Es treffen sich Menschen, die um ihre gefallenen Angehörigen, Freunde, Verwandte trauern und die um ihre Angehörigen an der Front bangen.

An die Gefallenen erinnern keine verwitterten Steine wie hier im Friedenshain. An die Gefallenen erinnern Stelen mit den Bildern der jungen Frauen und Männer. Die Geburtsjahre liegen nicht in den fernen Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts, sondern sind fast alle nach meinem Geburtsjahr.

Der Stelenpark ist nicht abgeschlossen – jede Woche kommen neue Stelen dazu, werden Söhne und Töchter, Väter und Mütter, Freunde und Bekannte, Kolleginnen und Kollegen zu Grabe getragen.

Wenn ich mit diesen Bildern hier am Friedenshain stehe, bin ich unendlich dankbar, dass hier in den letzten Jahrzehnten keine neuen Namen hinzugekommen sind, dass die Namen verwittert sind, dass wir keine neuen Steine gebraucht haben.

Aber wir müssen diesen Volkstrauertag mit der erneuten Gewissheit begehen, dass dieser Frieden keine Selbstverständlichkeit ist, dass er außerhalb von Europa nie war.

Mit diesem Wissen gedenken wir heute am Volkstrauertag der vielen Opfern aller Völker von Kriegen:

Wir gedenken der Soldatinnen und Soldaten, die im Krieg kämpften und ihr Leben ließen.

Wir gedenken der zivilen Opfern von Krieg und Gewalt, der Menschen, welche gejagt und getötet wurden, nur weil sie eine andere Religion lebten, einem anderen Volk oder Gruppe angehörten.

Wir gedenken derer, die sich gegen Gewaltherrschaft aufgelehnt haben, an ihren Überzeugungen oder ihrem Glauben festhielten und dabei den Tod fanden.

Wir gedenken der Opfer von Terrorismus oder Fremdenhass.

Wir gedenken der Neumünsteranerinnen und Neumünsteranern, die Opfer in den beiden Weltkriegen wurden.

Wir gedenken der Neumünsteranerinnen und Neumünsteranern, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden.

Wir gedenken der Ukrainerinnen und Ukrainer, die Opfer des russischen Angriffskrieges wurden.

Wir gedenken der Russinnen und Russen, die von ihrem Präsidenten Putin verheizt werden.

Wir gedenken der israelischen Opfer des bestialischen Überfalls der Hamas.

Wir gedenken der palästinensischen Zivilisten, die als menschliche Schutzschilde missbraucht, Opfer der israelischen Armee im Gazastreifen wurden.

Wir gedenken heute an der Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste,

ich darf Sie heute, auch im Namen der Stadtpräsidentin, herzlich zum Einbürgerungsempfang willkommen heißen.

Wenn ich mich heute in diesem Saal umsehe, blicke ich in viele verschiedene Neumünsteraner Gesichter: Hier sind aber nicht nur Bürgerinnen und Bürger aus ganz Neumünster versammelt – sondern irgendwie fühlt es sich auch so an, als wäre der halbe Erdball vertreten.

Denn einige von Ihnen haben ihre Wurzeln in allen möglichen Teilen Europas, aus anderen Kontinenten; ich treffe hier Neumünsteranerinnen und Neumünsteraner, die aus Afghanistan oder aus der Türkei stammen, aus der direkten Nachbarschaft oder vom anderen Ende der Welt.

Wir alle haben jedoch eines gemeinsam: Wir besitzen einen deutschen Pass.

Sie besitzen ihn seit einem Jahr, seit einigen Monaten oder seit wenigen Wochen – und Sie besitzen ihn, weil Sie ihn unbedingt haben wollten.

Eine neue Staatsangehörigkeit bekommt man nämlich nicht geschenkt, man muss sie sich hart erarbeiten: Um den Pass schließlich ausgehändigt zu bekommen, mussten Sie Formulare ausfüllen und Dokumente einreichen; Sie mussten nachweisen, dass Sie die deutsche Sprache sprechen und sich seit mindestens acht Jahren rechtmäßig hier aufhalten; Sie mussten belegen, dass Sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können und nicht wegen einer Straftat verurteilt wurden.

Darüber hinaus mussten Sie sich dem Einbürgerungstest unterziehen, das ist eine Art Staatsbürger-Quiz mit 33 Fragen. 60 Minuten hatten Sie Zeit, mindestens 17 Fragen richtig zu beantworten; Fragen zu den Themenbereichen „Leben in der Demokratie“, „Geschichte und Verantwortung“, „Mensch und Gesellschaft“ sowie landesbezogene Fragen.

Ich habe mal einen Blick in den Fragenkatalog geworfen und mit der Frage, was die Menschen in Deutschland sehr lange als „die Stunde Null“ bezeichneten, hätte auch so mancher geborene Deutsche sicherlich seine Probleme gehabt. Schließlich musste jeder Erwachsene insgesamt 255 Euro bzw. jedesminderjährige Kind 51 Euro an Gebühren bezahlen, um den Pass am Ende in den Händen zu halten. Man kann also mit Fug und Recht behaupten: Es war Ihnen eine Menge Mühe, Zeit und Geld wert, deutscher Staatsbürger zu werden.

Die Motive mögen dabei ganz unterschiedlich sein: Manche wollten einfach gewisse Erleichterungen im Alltag, sei es bei der Arbeitssuche oder im Umgang mit Behörden, andere möchten künftig unkomplizierter und ohne Visum verreisen, wieder andere hatten das tiefe innere Bedürfnis, endlich voll und ganz dazuzugehören.

Wenn eine frisch gebackene deutsche Staatsbürgerin oder ein neuer deutscher Staatsbürger die Urkunde abholt, erleben wir regelmäßig hier im Hause, dass die ganze Familie mitkommt und dass sogar Tränen fließen. Manche feiern den Tag ihrer Einbürgerung wie eine Hochzeit oder eine Taufe.

Wenn ich diese Geschichten höre, bin ich stolz, mit wie viel Emotionen und Begeisterung Menschen sich zu unserem Land und zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen – und ein Stück weit ja auch zu Neumünster.

Im gleichen Moment ärgere ich mich ein bisschen: Denn aktuell neigen wir in Deutschland leider dazu, den Heimatbegriff furchtbar engstirnig zu definieren.

Wenn ich höre, was in Politikerreden, in so genannten Heimatministerien und vor allem in den sozialen Netzwerken teilweise abgesondert wird, dann frage ich mich: Welcher Heimatbegriff liegt dieser Haltung eigentlich zugrunde?

Für mich ist Heimat kein Wort, das sich dazu eignet, andere zu distanzieren oder auszugrenzen. „Heimat ist Tiefe, nicht Enge“, sagte auch ein österreichischer Politiker bereits vor Jahrzehnten. Sie alle werden das auf die eine oder andere Weise empfunden haben, als Sie den Antrag stellten, deutscher Staatsbürger zu werden. Doch Sie haben mit diesem Schritt nicht Ihre Identität und Ihre Wurzeln komplett aufgegeben.

Was Sie als Heimat empfinden, mag Neumünster und Deutschland umfassen, aber es lässt sich auch nie ganz trennen von Ihrem Herkunftsland oder von den Ursprüngen Ihrer Familie.

Die kulturelle Vielfalt, die Sie in unsere Gemeinschaft bringen, bereichert uns alle. Wir sind stolz darauf, dass unser Land eine Vielzahl von Kulturen und Traditionen in sich vereint. Wir sehen in dieser Vielfalt eine Chance und eine Stärke für unsere Gesellschaft.

Zum Abschluss meiner Rede habe ich noch eine letzte, wirklich beeindruckende Zahl:  Im letzten Jahr haben sich in Neumünster 146 Menschen einbürgern lassen. 146 Mal ist da die schwierige persönliche Entscheidung gefallen, die Einbürgerung mit allen Mühen und mit allen Konsequenzen selbstbewusst durchzuziehen – dafür habe ich großen Respekt und gratuliere Ihnen zu diesem Entschluss.

Woran wir als Stadt aber noch definitiv stärker arbeiten müssen, ist die Anzahl der vollzogenen Einbürgerungen. Denn wir müssen uns auch der Tatsache stellen, dass heute noch 423 Haushalte bzw. 729 Personen auf eine Einbürgerung warten.

Um die Wartezeit deutlich zu verkürzen, wurde mit Beschluss der Ratsversammlung für dieses Jahr eine weitere Stelle genehmigt, die künftig die bisherige einzige Mitarbeitende unterstützen wird. Ich hoffe damit sehr, dass sich die Anzahl der vollzogenen Einbürgerungen bestenfalls verdoppeln wird, um damit auch die Situation für die wartende Bevölkerung deutlich zu entspannen.

Sie haben diesen Weg bereits erfolgreich beschritten.

Willkommen heißen muss ich Sie nicht mehr, denn Sie sind schon lange ein Teil dieses Landes und ein Teil unserer Stadt Neumünster: Manche von Ihnen sind sogar hier geboren – in anderen Ländern hätte alleine das genügt, um die Staatsbürgerschaft zu bekommen.

Vor diesem Hintergrund wirkt der Pass, der Ihnen allen zu Recht viel bedeutet, dann doch nur wie ein Stück Papier – denn natürlich verändert er Sie nicht als Menschen.

Sie gehören zu Neumünster, aber das war auch schon vorher so. Sie dürfen sich als Teil dieser Stadtgesellschaft fühlen, aber das hängt nicht allein an Ihrem Pass. Denn es gibt viele Mitbürgerinnen und Mitbürger, die längst in unserem Land und in unserer Stadt angekommen sind, aber nicht – oder noch nicht – Deutsche werden möchten.

Sie alle hier im Saal haben diesen Schritt gewagt – und ich möchte gerne mehr über Ihre Beweggründe erfahren. Sie können stolz darauf sein, dass Sie die Einbürgerung erfolgreich abgeschlossen haben. Es ist eine Leistung, die nicht jeder erreicht.

Ich freue mich darauf, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Denn hinter jedem Neumünsteraner Gesicht, in das ich blicke, steckt eine Geschichte: Es wäre schön, einige dieser Geschichten zu hören.

Liebe Neumünsteranerinnen, liebe Neumünsteraner,

ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen ein gutes Jahr 2023. Diesen Wunsch überbringe Ihnen auch im Namen der Stadtpräsidentin, der Ratsversammlung, des Verwaltungsvorstandes und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Neumünster. Ich freue mich, sie alle zum diesjährigen Neujahrsempfang der Stadt Neumünster hier im Museum Tuch und Technik persönlich begrüßen zu dürfen.

Ich freue mich, dass so viele unserer Einladung gefolgt sind.

Ich freue mich auf die Gespräche mit Ihnen.

Ich freue mich auf die musikalische Begleitung durch die Flamenco-Rock-Formation „Soltoros “ – und vielen Dank an alle, die diesen Abend möglich machen.

Dem Vorbereitungsteam, den Musiker:innen, dem Gebärdendolmetscher, dem Team des Restaurants Johann & Amalia.

Dies ist der 19. Neujahrsempfang und es sollte jedoch bereits der 21. sein. COVID hat uns da in den letzten beiden Jahren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber bei aller Bedeutung des Neujahrsempfangs der Stadt Neumünster, das war sicher nicht der schmerzhafteste Einschnitt, den diese Pandemie in unserem Leben verursacht hat.

133 Neumünsteranerinnen und Neumünsteraner haben durch oder mit COVID ihr Leben verloren. Unsere Gedanken sind auch in diesem Augenblick bei den Angehörigen.

Aber auch wenn die meisten COVID gesundheitlich gut überstanden haben, spüren heute noch viele die Folgen der Pandemie und des Lockdowns. Wir Menschen brauchen soziale Kontakte, Treffen wie dieses hier heute Abend, die Abende mit Freundinnen und Freunden, den Sport im Verein, den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen an der Kaffeemaschine. Diese haben wir schmerzlich vermisst, viele Kontakte sind verschüttet gegangen, und darum ist es wichtig, dass das soziale Leben wieder beginnt.

Besonders belastet waren durch die Pandemie und die Lockdowns diejenigen, die gesundheitlich davon am wenigsten gefährdet waren: Unsere Kinder und Jugendlichen. Homeschooling ist kein Ersatz für Schule und wie kann man die Welt entdecken und erkunden, wenn man eingesperrt ist. Da gibt es jetzt viel nachzuholen und dieses Nachholen wollen wir ermöglichen.

Aber COVID hat uns auch eines gelehrt. Wir können solche Krisen meistern.

Wer hätte gedacht, dass wir unser Wirtschaftssystem über Monate drosseln oder stilllegen können, ohne dass wir in eine tiefe Rezession schlittern. Wer hätte darauf gewettet, dass der wirkungsvollste Impfstoff gegen COVID aus Deutschland stammen wird. Und ja – unsere Entscheidungswege in einer Demokratie waren verworren, die Regeln oft undurchsichtig und manchmal auch zu langsam. Aber, wenn ich dieser Tage nach China schaue und das Scheitern der brachialen Null-Covid-Strategie sehe, dann bestärkt mich die Überzeugung.

Plurale und demokratische Gesellschaften können solche Krisen besser meistern als Diktaturen. Und auch in Neumünster haben wir viel richtig gemacht. Wir haben ein Impfangebot aufgebaut und aufrechterhalten. Die Neumünsteranerinnen und Neumünsteraner haben dies angenommen. Durch die Krise haben uns zwei Prinzipien geleitet: Zusammenhalt und Zuversicht.

Zusammenhalt: Keiner und keine konnte diese Krise alleine überwinden, sondern wir sind zusammengestanden, haben aufeinander Rücksicht genommen und den anderen geholfen. Meine Freunde haben für mich während meiner Erkrankung gekocht, meine Kollegen haben mir Wittorfer Bier vor die Tür gestellt. Und ich bin mir sicher, auch Sie haben solche Erlebnisse des Zusammenhaltes erfahren dürfen.

Und Zuversicht – auch als der Impfstoff noch fern war, haben wir nie den Glauben aufgegeben, dass wir diese Pandemie überwinden werden.

Wenn ich einen Wunsch für unsere Stadt habe, wenn ich einen Wunsch an Neumünster habe, nicht nur für dieses Jahr dann ist es dieses eine: Lassen Sie uns diesen Zusammenhalt und diese Zuversicht bewahren.

Denn, liebe Neumünsteranerinnen, liebe Neumünsteraner,

diesen Zusammenhalt und die Zuversicht brauchen wir auch in Zukunft – brauchen wir auch in 2023. Denn das Jahr 2022 war geprägt durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und dieser Krieg wird auch 2023 prägen.

Dieser Krieg war nicht 1.000 Kilometer entfernt, sondern er beeinflusste vom ersten Augenblick unseren Alltag in Neumünster. In unserer Stadt leben 1.053 Menschen, die ihre Wurzeln in Russland oder der Ukraine haben. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt einen Schülerpraktikanten, dessen Mutter gebürtige Ukrainerin ist, sein Vater gebürtiger Russe. Es ist für mich auch heute noch kaum vorstellbar, was es für einen jungen Neumünsteraner bedeutet zu wissen, dass das Leben seiner Cousins auf verschiedenen Seiten in diesem Krieg aufs Spiel gesetzt wird.

Aber auch in dieser Situation zeigte sich wieder unser Zusammenhalt. Es gab nie den Hauch eines Zweifels, dass auch wir Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen werden.

Über Nacht wurde die Sporthalle der Grund- und Gemeinschaftsschule Brachenfeld zu einer Notunterkunft hergerichtet. Diese schnelle Handhabung konnte nur mit Unterstützung des Deutschen Roten Kreuzes, der Freiwilligen Feuerwehr, den Regieeinheiten der Stadt, des Malteser Hilfsdienstes und der Diakonie erfolgen, denen wir hiermit erneut einen großen Dank aussprechen möchten.

Und alle, für die es zum guten Ton gehört, abfällig über die Arbeitsmoral im öffentlichen Dienst zu lästern, hätten in diesen Tagen den Einsatz unserer Kolleginnen und Kollegen der Berufsfeuerwehr und unserer Verwaltung sehen sollen, wie sie bis an den Rand der Erschöpfung für diese Menschen, die dem Krieg entkommen sind, gearbeitet haben.

Eine Turnhalle ist eine Erstunterkunft, aber kein Zuhause. Wir wollten die Turnhalle so schnell als möglich wieder an die Schülerinnen und Schüler der Grund- und Gemeinschaftsschule Brachenfeld zurückgeben.

Daher waren wir dringend auf Wohnungsangebote von Privatleuten und Wohnungsbaugesellschaften angewiesen. Und auch diese Unterstützung haben wir nach unserem Ukraine-Gipfel mit den Wohnungsunternehmen, dem Eigentümerverband „Haus und Grund“ bekommen. Auch hierfür möchte ich einen großen Dank allen Beteiligten aussprechen. 

Unsere Solidarität machte jedoch an unseren Stadtgrenzen nicht halt. Fünf Lkw-Transporte mit Hilfsgütern sind aus Neumünster in die Ukraine gefahren.

Aber es sind nicht nur Hilfsgüter, die uns mit der Ukraine verbinden. Nicht zuletzt dank meiner Kollegin Marta Melnik entwickelte sich eine enge Beziehung zur Stadt Nowowolynsk in der Westukraine. Im Juli/August haben wir vier Jugendcamps für 120 Kinder und Jugendliche aus Nowowolynsk in Zusammenarbeit mit dem SV Tungendorf und der Verwaltung unter Federführung des Jugendverbands Neumünster organisiert.

Dieser Austausch war nicht nur ein Gewinn für die Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine, die nach langer Zeit zwei Wochen ohne Sirenenalarm unbeschwert am Stocksee schwimmen konnten. Dieser Austausch war auch ein großer Gewinn für unsere Neumünsteraner Kinder und Jugendliche, die neue Freundschaften schließen konnten. Auch deshalb planen wir auch 2023 diesen Jungendaustausch weiterzuführen.

Deshalb gehen bereits heute meine Neujahrsgrüße auch nach Nowowolynsk – genauso wie an unsere Partnerstädte Koszalin, Gravesham und Parchim.

Als kommunale Selbstverwaltung und Verwaltung von Neumünster sind wir nicht für die große internationale Politik verantwortlich. Aber wir wissen, dass die großen globalen Krisen unmittelbare Auswirkungen auf unser Leben in Neumünster haben.

Selbst wenn wir es wollten, könnten wir uns nicht von den Flüchtlingsströmen dieser Welt abschotten.

Deshalb betreffen uns Kriege und Krisen in fernen Ländern, sei es Syrien, Eritrea oder die Taliban-Diktatur in Afghanistan. Die Menschen, die verzweifelt vor diesen Kriegen und Krisen flüchten, treffen wir früher oder später auf dem Großflecken.

Auch deshalb erkläre ich meine Solidarität den Menschen im Iran in ihrem Kampf gegen das Mullah-Regime. Diese Menschen, diese Frauen kämpfen für eine Zukunft in ihrem Land.

Liebe Neumünsteranerinnen, liebe Neumünsteraner,

der Angriffskrieg gegen die Ukraine hat unmittelbare Auswirkungen auf das Leben von jeden einzelnen von uns.

Wir alle haben mit den enorm gestiegenen Energiekosten zu kämpfen. Die Folgen sind unter anderem kalte Wohnungen, runtergedrehte Heizungen und Existenzängste. Das trifft aber vor allem jene, die ohnehin schon wenig haben. 

Ich bin deshalb erleichtert, dass mit Jahresbeginn die Bundesregierung die Wohngeldreform in Kraft gesetzt hat.

Das hat zwei Auswirkungen:

Zum einen wird mit einer durchschnittlichen Erhöhung des Wohngeldes um rund 190 Euro gerechnet.

Zum zweiten wird der Kreis der Anspruchsberechtigen sich deutlich ausweiten. Wir haben heute gut 1000 Wohngeldempfänger – wir rechnen damit, dass wir in zwei Wochen jedoch zwischen 4.000 und 5.000 Anspruchsberechtigte haben werden. Als Verwaltung haben wir darauf reagiert, wir informieren gemeinsam mit dem Jobcenter seit Herbst letzten Jahres und wir konnten unser Personal auch dank des Beschlusses der Ratsversammlung bereits aufstocken. Aber natürlich können wir nicht garantieren, dass alles reibungslos laufen wird – wir werden unbürokratische Lösungen weitersuchen.

Aber lassen Sie mich an dieser Stelle auch eines betonen. Wohngeld ist eine Leistung, auf die jede Bürgerin und jeder Bürger bei Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen einen Rechtsanspruch hat. Es braucht daher niemand ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man auf diese Leistungenangewiesen ist. Und auch hier gilt wieder: Wir müssen als Stadtgesellschaftzusammenhalten. Deshalb bin ich dankbar über alle Initiativen der Ehrenamtlichen der Wohlfahrtsverbände der Freundeskreise – in denen wir niemanden alleine lassen.

Meine Damen und Herren,

auch wir als Stadt Neumünster müssen unseren Beitrag für die Bewältigung der globalen Risiken leisten. Und das vielleicht größte Risiko in der Menschheitsgeschichte ist der Klimawandel. Die Ratsversammlung hat bereits im Oktober 2019 den Beschluss gefasst, dass Neumünster bis zum Jahr 2035 klimaneutral werden soll. Wir haben den Klimanotstand ausgerufen. Und wenn wir in diesem Beschluss von Neumünster sprechen, dann meinen wir damit nicht nur die Stadtverwaltung Neumünster – wir meinen die ganze Stadt mit allen Haushalten und Unternehmen, mit seiner Mobilität und seinem Konsum.

Um die Erfolge der Stadt Neumünster im Klimaschutz sichtbar zu machen und weitere Handlungsbedarfe aufzuzeigen, nimmt die Stadtverwaltung gemeinsam mit ihren städtischen Beteiligungen seit Juli 2020 am European Energy Award teil.

Denn es war sicher ein Manko des ambitionierten Beschlusses, im Zeitraum 2019 bis 2035 klimaneutral zu werden, ohne zu wissen, was das genau bedeutet.

Mit den bisherigen Fortschritten bin ich nicht zufrieden. Wir müssen weg von Symbolpolitik wie Klimawetten kommen und tatsächliche Fortschritte erreichen.

Dazu müssen wir als Stadt mit gutem Beispiel vorangehen. Und eines dieser Beispiele wird diese Stadthalle werden. Die Dr. Uwe Harder-Stadthalle ist wunderschön. Expert:innen sagen, die Akustik kann sich mit der in der Elbphilharmonie messen – aber sie hat einen hohen energetischen Sanierungsstau. Deshalb freuen wir uns, dass das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen 75 Prozent der 4 Mio. Euro zur funktionalen und energetischen Sanierung fördert.

Die Dr. Uwe Harder-Stadthalle soll ein Beispiel für die energetische Sanierung von Kultureinrichtungen werden.

Wir als Stadt sind Eigentümer von über 200 Immobilien in der Stadt. Wir werden in den nächsten drei Jahren unsere Mittel in die Sanierung unserer Immobilien um 50 Prozent erhöhen. Wir werden in den nächsten zwei Jahren die öffentliche Beleuchtung in der Stadt auf LED umstellen und sie werden – sofern es die Lieferanten wollen – bald den ersten mit Wasserstoff betriebenen Müllwagen durch unsere Stadt schweben sehen.

Daher ist geplant, die Gesamtstrategie im kommenden Jahr fertigzustellen und der Ratsversammlung in der September-Sitzung 2023 zur Beschlussfassung vorzulegen.

Ich kenne noch nicht die konkreten Inhalte – aber eines bin ich mir sicher. Eine Strategie „Weiter wie bisher“ wird nicht ausreichen, wir werden gefordert sein, unseren Lebensstil zu ändern.

Klimaneutralität ist jedoch kein Thema, was Verwaltung und Selbstverwaltung alleine durch Beschlüsse und handeln erreichen kann – wir brauchen dazu auch Sie, wir brauchen die gesamte Zivilgesellschaft.

Deshalb freue ich mich, dass die Ratsversammlung im März 2022 die Einrichtung eines Klimabürgerrates als neue Form der Bürgerbeteiligung beschlossen hat.

Der Klimabürgerrat besteht aus 30 Personen, die den repräsentativen Durchschnitt der Stadtgesellschaft widerspiegelt. Sie wurden nach den Sozialparametern Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund und Bildungsabschluss ausgewählt.

In der ersten Sitzung des Klimabürgerrates am 19. November 2022 hat sich das Gremium mit dem Thema „Mobilität“ befasst. In der für Januar 2023 vorgesehenen Sitzung soll dann das Thema „Nachhaltiger Umgang mit Flächen“ diskutiert werden. Die Ergebnisse werden in einem Bürgergutachten festgehalten, das wir für unsere Arbeit sehr ernst nehmen werden.Mit dem Instrument des Klimabürgerrates erproben wir auch neue Instrumente der Bürgerbeteiligung.

Sehr geehrte Damen und Herren, ein Thema, was nicht nur mich, sondern sicher die meisten der Anwesenden hier in 2022 bewegt hat, war das Thema Sicherheit in Neumünster.

Um bei dem Thema Sicherheit in Neumünster mit etwas Positiven zu beginnen: Es gab keine Bilder wie aus Berlin oder anderen Städten zum Silvesterabend.

Aber das Thema Sicherheit war und bleibt ein Thema für uns. Unser Problem in Neumünster war jedoch in 2022 ein anderes.

Für Sicherheit ist in einer Stadt keine einzelne Person zuständig – der Oberbürgermeister ist nicht der Sheriff der Stadt und Michael Knapp nicht der Deputy.

Richtig ist: Die staatlichen Behörden sind gemeinsam für die Sicherheit verantwortlich. Deshalb haben wir schnell die Verantwortlichen hier Neumünster zu einem Runden Tisch eingeladen und eine Strategie besprochen, wie wir die Lage wieder in den Griff bekommen. An diesem Tisch waren unser Ordnungsamt, die Sozialverwaltung, das Grünflächenamt, die Polizei, die Erstaufnahme und die Justiz. Ich bin froh, dass die vereinbarte Strategie erfolgreich war:

Die Polizei hat die Präsenz in der Innenstadt in dieser Zeit massiv erhöht. Der Begriff „Gefährlicher Ort“ mag unglücklich sein, aber das Ziel wurde erreicht. In Abstimmung mit den unterschiedlichen Behörden haben wir den Druck auf die Tätergruppe so erhöht, dass wir sie entweder dingfest machen konnten oder Neumünster für sie zu ungemütlich geworden ist. Aber unsere Aufgabe ist noch nicht erledigt.

Wir werden die Videoüberwachung auf der Klosterinsel im Frühjahr starten – denn die Klosterinsel soll wieder ein Erholungsort für alle Neumünsteranerinnen und Neumünsteraner werden und nicht ein Supermarkt für Dealer.

Auch an der Vicelinschule wird in naher Zukunft die Videoüberwachung starten.

Für die Innenstadt erwarte ich, dass das Polizeirevier Mitte in der Parkstraße im ersten Quartal endlich wiedereröffnet wird. Ich habe diese Erwartung noch vor Weihnachten persönlich deutlich gemacht, und mir wurde zugesagt, dieses Thema zur Chefsache zu machen.

Es gibt einen Tag in 2023, auf den ich mich besonders freue: Das ist der 22. März.

Am 22. März werden wir mit der Fachhochschule Kiel die Studierenden des Pflegestudienganges beim Erstsemesterempfang begrüßen. Die ersten 60 Neumünsteraner Studentinnen und Studenten.

Und da wir Neumünsteranerinnen und Neumünsteraner nicht nur begrüßen, sondern auch feiern können, wird ein Sommerfest folgen.

Meine Damen und Herren:

Auch bei diesem Thema hat sich gezeigt, was Zusammenhalt und Zuversicht erreichen können. Das ist ein Erfolg, für den viele hier in der Stadt jahrelang mühevoll gearbeitet haben und sich trotz mancher Rückschläge nie haben beirren lassen.

Mein Dank geht an die über 1.400 Unterstützerinnen und Unterstützer, die diesen Wunsch – manche nannten es Traum – Wirklichkeit werden ließen. Willkommen Fachhochschule Kiel in Neumünster.

Ein weiterer wichtiger Termin in 2023 ist der 14. Mai: Kommunalwahl. Es wird an diesem Tag eine neue Ratsversammlung gewählt. Es liegt somit in den Händen der Neumünsteranerinnen und Neumünsteraner, wer künftig an der Entscheidungsfindung beteiligt sein wird. Deshalb mein Appell:
Mischen Sie sich ein, diskutieren Sie mit über die besten Ideen für unsere Stadt. Denn Politik ist gerade in Kommunen nichts Abstraktes. Es sind konkret die Schule, der Kindergarten, der Fahrradweg. Und Politikerinnen und Politiker sind Ihre Nachbarn, die ihre Freizeit für die Stadt investieren. Nutzen Sie den Sonntag, den 14. Mai, um zu wählen.

Meine Damen und Herren, Zuversicht und Zusammenhalt waren die Prinzipien, die uns in der Vergangenheit geholfen haben, unsere Herausforderungen zu meistern.

Wir stehen auch weiterhin vor großen Herausforderungen, sei es die Erfüllung des Rechtsanspruchs auf frühkindliche Betreuung oder dem ab 2026 bevorstehenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung oder die Wiederbelebung unserer Innenstadt.

Aber ich blicke mit Zuversicht in das neue Jahr. Zuversicht, weil ich davon überzeugt bin, dass wir, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, diese und weitere wichtige Themen für die Stadt Neumünster angehen und meistern werden.

Dazu braucht Neumünster Sie, die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Ohne Ihr ehrenamtliches Engagement würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Deshalb haben Sie sich zurecht vorhin alle in das Goldene Buch der Stadt eintragen dürfen. Vielen Dank.

Meine Damen und Herren, ich wünsche Ihnen jetzt im Rahmen des Neujahrsempfangs einen schönen Abend mit anregenden Gesprächen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!