Sanierungsgebiet und Gebiet „Soziale Stadt" Vicelinviertel

Grundlage der Festsetzung des Vicelinviertels zum Sanierungsgebiet ist die städte­bauliche Rahmenplanung. Die baulich-räumlichen Leitbilder sind auf eine bestands­orientierte Erneuerung ausgerichtet. Die sozialen Leitbilder betonen die Stabilisierung der Bevölkerungsstruktur. Damit verbunden sind Maßnahmen zur Imageverbesserung des Stadtteils, zur Stärkung von Identifikation und Verantwortung der Bewohnerinnen und Bewohner für das Gebiet.

Bisher durchgeführte bauliche Maßnahmen werden in dem jährlich aktualisierten Maßnahmenplan dargestellt:

Das zentrale Leitbild des Integrierten Handlungskonzepts (IHK) für das Vicelinviertel ist die Schaffung eines familienfreundlichen Stadtteils.

Seit 2013 ist der Verein soliton  e.V. (Kiel) mit dem Quartiersmanagement im Vicelinviertel beauftragt.

Erfahren Sie mehr über das Sanierungsgebiet:

Das Sanierungsgebiet und Gebiet der Sozialen Stadt Vicelinviertel ist ein innerstädtisches Wohngebiet und schließt unmittelbar nördlich an das Stadtzentrum an. Als typisches Stadterweiterungsgebiet der Gründerzeit ist es im südlichen Teil durch teilweise klein­teilige vorindustrielle Bebauung geprägt, während die Grundstücke im Norden mit mehr­geschossigen gründerzeitlichen Miethäusern bebaut sind.

Das Sanierungsgebiet umfasst 320 Grundstücke auf einer Fläche von ca. 24 ha.

In der Vergangenheit prägten u. a. eine Vielzahl kleiner Handwerksbetriebe, Läden und zwei Textilfabriken das Gebiet. Diese Mischung von Wohnen und Arbeiten ist nicht mehr prägend. Teilweise wurden ehemals gewerblich genutzte Erdgeschosse zu Wohnzwecken umgenutzt; ehemalige Gewerbegebäude stehen leer.

Insbesondere die Christianstraße ist durch ethnischen Einzelhandel geprägt und sichert damit die Grundversorgung der Gebietsbevölkerung.

Die Bausubstanz im Vicelinviertel hat einen hohen Instandsetzungs- und Modernisie­rungsbedarf. Insbesondere Gebäude an den stark befahrenen Hauptverkehrsstraßen, Kieler Straße und Christianstraße, weisen hohe Leerstände auf. Mit ca. 200 leeren Wohnungen ist das Vicelinviertel eines der am stärksten von Leerstand betroffenen Gebiete in der Stadt. Vor allem unsanierte Wohnungen stehen leer; teilweise stehen ganze Häuser leer und tragen damit zu einem unattraktiven Erscheinungsbild des Stadtteils bei.
Ein niedriges Mietniveau, eine hohe Mieterfluktuation, das schlechtes Image des Stadt­teils und eine kleinteilige Eigentümerstruktur erschweren Investitionen in die Aufwertung der Bausubstanz. Nur selten werden Städtebauförderungsmittel zur umfassenden Er­neuerung der Wohngebäude von den privaten Eigentümern in Anspruch genommen.

Die relativ geringe Dichte der Bebauung könnte den Bewohnerinnen und Bewohnern aus­reichend private Freiflächen auf den Grundstücken bieten. Oft sind diese jedoch vernach­lässigt, stark versiegelt und werden als Kfz-Stellplätze genutzt. Beispielhaft wurden zu Beginn des Sanierungsverfahrens einige Höfe mit privaten Eigentümern und mit Zu­schüssen der Städtebauförderung umgestaltet.

Trotz bereits hergestellter öffentlicher Spielflächen besteht weiterhin ein Defizit an öffentlichen Frei- und Grünflächen, insbesondere für bewegungsorientiertes Spiel.

Im Sanierungsgebiet leben etwa 2.700 Bewohnerinnen und Bewohner. Überdurchschnittlich hoch ist der Anteil an Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu anderen Stadtteilen. Das Vicelinviertel bezeichnet sich auch als „jüngster Stadtteil Neumünsters".

Menschen mit Migrationshintergrund aus mehr als 20 Ländern leben im Vicelinviertel; die Mehrheit ist türkischer Abstammung. Viele von ihnen kamen ursprünglich nach Neumünster, um in der Textilindustrie zu arbeiten und waren in besonderer Weise vom Niedergang dieses Industriezweigs betroffen. Mit etwa 19 Prozent ist der Anteil ausländischer Bewohnerinnen und Bewohner im Vicelinviertel dreimal höher als im gesamtstädtischen Durchschnitt. An der Vicelinschule haben über 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund.

Das Leben der Menschen im Vicelinviertel ist durch eine hohe Dichte sozialer Belas­tungen geprägt. Bezieher geringer Einkommen oder von Transferleistungen leben oft in kleinen, schlecht ausgestatteten und instandgehaltenen Wohnungen. Wohnungsnotfälle konzentrieren sich in diesem Stadtteil.

Überdurchschnittlich hoch ist die Anzahl der Hilfen zur Erziehung und der Jugendgerichts­hilfe. Viele Kinder und Jugendliche leben in Familien mit alleinerziehenden Eltern.

Über dem gesamtstädtischen Durchschnitt liegt ebenfalls der Anteil erwerbsloser Men­schen und Menschen, die Arbeitslosengeld II beziehen. Etwa 43 Prozent der Personen in dem Stadtteil leben in Bedarfsgemeinschaften.

Bei den letzten Bundestags- und Kommunalwahlen war die Wahlbeteiligung im Vicelin­viertel unterdurchschnittlich gering.

Die Grundschule Vicelinschule ist eine historische Schule die mit der umgebenden Gründerzeit­bebauung vor über 110 Jahren im Innenbereich eines Baublocks errichtet und Anfang des letzten Jh. um eine Turnhalle ergänzt wurde. Das Schulgelände wurde in den 1980er Jahren durch Grundstückszukauf Richtung Süden erheblicher erweitert. Auf diesem Grundstücksteil befinden sich die Sportfreiflächen, die auch Nutzerinnen und Nutzern aus dem Stadtteil zur Verfügung stehen.

Die Vicelinschule ist die einzige Schule im Stadtteil. Mit der Entwicklung der Vicelinschule zur Stadtteilschule waren umfangreiche bauliche Maßnahmen an dem Schulstandort verbunden. Der Altbau der Schule wurde 2011 saniert und barrierefrei hergerichtet. Die Turnhalle wurde energetisch ertüchtigt.

Zur baulichen Erweiterung des Schulstandorts im Sinne einer Stadtteilschule wurde das angrenzende Grundstück Kieler Straße 90 erworben. Über dieses Grundstück ist der Schulstandort zukünftig an die Kieler Straße angebunden. In dem Neubau, der 2013 fertig gestellt wurde, sind die Mensa, Fachräume der Schule, ein Stadtteilcafé, weitere Räume für die Stadtteil­nutzung, den Allgemeinen Sozialen Dienst u. a. untergebracht. Bildungs- und soziale Angebote mit den Schwerpunkten Familienbildung, Sozialberatung, Sprachförderung etc. stehen im Focus des stadtteilorientierten Programms. Diese richten sich außer an die Eltern der Schülerinnen und Schüler auch an alle weiteren Stadtteilbewohnerinnen und -bewohner. Als Abschluss der baulichen Maßnahmen am Standort der Stadtteilschule Vicelinschule wurden 2014 der Schulhof umgestaltet und die Außenanlagen des Neubaus gestaltet.

Die Vicelinschule ist eine von zwei Grundschulen in Neumünster, an denen Fördermaß­nahmen mit dem Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" angeboten werden. Das Schulprofil betont u. a. die Handlungsfelder Gesundheit, Ernährung und Bewegung.

Trotz sinkender Schülerzahlen in Neumünster ist im Einzugsbereich der Vicelinschule mittelfristig von gleichbleibend hohen Schülerzahlen auszugehen, da in dem Sozialraum Nordost überproportional viele Kinder leben.

Im Rahmen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit wird auch Neumünsters einziger Bauspielplatz, der sich im Vicelinviertel (Vicelinstraße 2) befindet, betreut.

Südlich des Schulstandorts befindet sich die Kindertagesstätte eines freien Trägers (Kita Zwergenland). Die räumliche Nähe von Schule und Kita ist eine gute Grundlage für die bereits praktizierte Kooperation der beiden Einrichtungen. Die Kita hat ihr inhaltliches Konzept in den vergangenen Jahren an dem Bedarf des Stadtteils orientiert, an inter­kultureller Handlungskompetenz ausgerichtet und misst der Wertschätzung der Kulturen und der Muttersprache sowie der Partizipation der Kinder eine besondere Bedeutung bei.

Eine weitere Kita eines freien Trägers befindet sich im Süden des Gebiets. Außerdem entstanden in drei Einrichtungen U3-Tagesbetreuungsplätze im Vicelinviertel.

Auf der Grundlage eines Ratsbeschlusses zur Neukonzeptionierung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in der Stadt Neumünster wurde in Kooperation mit der Stadtteilschule Vicelinschule im Stadtteil ein Angebot der Kinder- und Jugendarbeit etabliert.

Am Rande des Gebiets und mit überwiegend gesamtstädtischer Bedeutung sind die Evangelische Familienbildungsstätte und das Zentrum für Berufliche Bildung (Weiter­bildungs- und Beschäftigungsträger) der Diakonie angesiedelt.