Pressespiegel der Stadtbücherei Neumünster

2018

Karen-Susan Fessel geht in dem Buch „Mutter zieht aus“ ihrer Familiengeschichte nach

„Es ist ein Buch, in dem man sich immer wieder selbst begegnet“, sagte Dr. Klaus Fahrner über das neue Werk der Autorin Karen-Susan Fessel. In „Mutter zieht aus“ geht sie der Geschichte ihrer Familie und insbesondere der ihrer Mutter Anke auf den Grund. Am Mittwoch stellte sie das Buch in der Stadtbücherei vor.

Thematisch fällt ihr neues Buch etwas aus der Reihe: Karen-Susan Fessel ist vor allem für ihre Kinder- und Jugendbücher bekannt. „Ein Stern namens Mama“, erschienen bei Friedrich Oetinger, gehört zu ihren bekanntesten Kinderbüchern. „Mutter zieht aus“ widmet sich nun ihrer eigenen Familie.

Fessel entdeckt das Leben einer Frau, die während des Krieges aufgewachsen ist, die Hunger miterlebt hat und loszulassen lernen musste. Sie erlebt eine starke Frau, die gegen den Willen ihrer Familie einen Polizisten geheiratet und sich immer lautstark durchgesetzt hat – Geschehnisse, die sie zu der gemacht haben, die die heute 83-Jährige ist. Dabei lernt die Tochter nach eigenen Worten auch vieles über sich selbst.

Den Anstoß für dieses Erinnerungsbuch gab ein Unfall, bei dem sich ihre Mutter den Oberschenkel brach. Infolgedessen musste sie aus ihrem alten Zuhause ausziehen. „Schon mein Vater wollte sein Leben aufschreiben. Sein früher Tod verhinderte das allerdings. Das sollte mir bei meiner Mutter nicht passieren.“ Die Recherchen führte die Schriftstellerin heimlich durch. Zum 80. Geburtstag der Mutter war das Buch fertig.

Mit ruhiger Stimme las die Tochter Ausschnitte aus Interviews und eigenen Beobachtungen vor. Das Buch offenbart viel über die Familie und die Mutter. Aber „meiner Mutter ist nichts peinlich”, sagte Karen-Susan Fessel lachend. Mit der Veröffentlichung sei sie sofort einverstanden gewesen. Für ihre Mutter sei das Lesen wie „das Entdecken des Lebens einer Anderen“.

„Timo Brunke. Also wie Funke, Unke, Tunke ...“ Bereits die Vorstellung war ein kleiner Vorgeschmack darauf, was der 31-jährige Performance-Poet und Wortkünstler aus Stuttgart in seiner anderthalbstündigen Veranstaltung den Kindern vermitteln wollte. Nämlich Spaß am Umgang mit Sprache.

Anlässlich der 35. Kinder- und Jugendbuchwoche Schleswig-Holstein kamen gestern zwei vierte Klassen der Gartenstadtschule zu einem interaktiven Wortwitzprogramm in die Stadtbücherei. Zusammen mit dem Dozenten des Stuttgarter Literaturhauses konnten die Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Brunke hatte sein zweites Buch „10 Minuten Dings“ dabei und forderte die Kinder durch Aufgaben, sich mit Sprache und dem eigenen Ideenreichtum auseinander zu setzen. Sowohl die Kinder als auch die drei Lehrerinnen der Grundschule hatten sichtlich Spaß an der Vorstellung, bei der die Kleinen mehr mitnehmen sollten als die Autogrammkarte, die am Ende für jeden noch geduldig unterschrieben wurde.

„Spaß und Lernen ist eins“, meint Brunke, der nun bereits zum vierten Mal bei den Kinder- und Jugendbuchwochen dabei ist. „Natürlich darf es nicht nur Spiel sein, aber Sprachbildung mit spielerischen Elementen und eigenständigem Denken macht ihnen und auch mir mehr Spaß als bloßes Auswendiglernen“, erklärte der Künstler seine Methoden.

Eifrig dichteten die Kinder ihre eigenen kleinen Texte. Lautes Gelächter und kindliche Scham beherrschten den Raum, als die Viertklässler ihren Mut zusammen nahmen und ihre Ergebnisse vor der gesamten Gruppe vortrugen. „Ich bin immer froh, wenn die Kinder so neugierig und engagiert mitmachen. Daran merkt man, dass Sprache etwas ist, was jedem Spaß machen und verbinden kann“, zeigte sich Brunke am Ende der Veranstaltung zufrieden.

Die Kinder- und Jugendbuchwochen finden noch bis zum 17. November an 79 Standorten in Schleswig-Holstein statt. Veranstaltungen in Neumünster gibt es heute mit Manfred Theisen, morgen mit Holly-Jane Rahlens und am Donnerstag, 15. November, mit Alexander Steffensmeier. Ansprechpartnerin für die Schulen bei der Stadtbücherei ist Angelika Rust.

Es ist bereits das vierte Gastspiel, das der gebürtige Flensburger Lars Duppler in Neumünster gab – unter anderem bei „Jazz im Park“ und zum Kunstflecken – aber bisher immer mit anderen Musikern und großen Stars wie Tom Gäbel oder Keith Copland. Am Freitagabend saß er in der Bücherei ganz allein am Flügel und stellte sein Solo-Projekt „Naked“ vor.Mit den Worten „Ich wollte ihn unbedingt haben“ vergab Jazzclub-Vorsitzender Ralf Johannsen zur Begrüßung der 65 Gäste schon mal Vorschuss-Lorbeeren. Nicht zu unrecht: Duppler beeindruckte mit seinen eigenen Pianostücken in Tiefe und unaufdringlicher, enormer Klangfülle. „Naked“ bedeute für ihn „auf mein eigenes pures Spiel zurückgeworfen zu sein“. Sein abwechslungsreicher Klangkosmos mit diversen Strömungen und Spannungsbögen von romantisch bis modern-poppig faszinierte und überraschte immer wieder. Seine eigene Produktion, die in Island – der Heimat seiner Mutter – entstand, spiegelte das Donnern der gigantischen Wasserfälle und zugleich die verzaubernde, mystische Stille dieser Insel wider. Für die stillen Momente bediente er sich einer besonderen Technik, indem er den Fuß auf einem Pedal ließ und so die Töne nachklingen ließ.
Duppler schöpft seine jazzigen Ideen aus verschiedensten musikalischen Richtungen und Geografien. Er hört beispielsweise Komponisten der Spätromantik, um sich bestimmte Akkorde oder Harmonien anzueignen.Mit „Duke Ellington“ oder „My Fabel Singers“ waren Klassiker des Jazz und des Broadways genauso im Programm wie der Jazz eines Paul Blei oder John Taylor sowie poppige und rockige Titel. Erfrischend auch, wie er mit humorigen Ansagen über seine Arbeit sprach.Mit herzlichem Beifall, der in rhythmisches Klatschen überging, erreichten die Zuhörer eine Zugabe.

Zum achten Mal hat die Kinder- und Jugendbücherei sich an der landesweiten Aktion der Büchereizentrale Schleswig-Holstein beteiligt und während der Sommerferien ihre Türen zum Ferien-Leseclub geöffnet. Mit 75 Schülern der dritten bis siebten Klassen war die Beteiligung in diesem Jahr sehr hoch.
Erstmals durften auch Grundschüler in den Leseclub eintreten. „Die Kinder haben insgesamt 660 Bücher gelesen, im vergangenen Jahr waren es 350“, sagte Bibliothekarin Petra Lüthjohann erfreut, die am Wochenende das Abschlussfest in der Bücherei an der Wasbeker Straße mitorganisiert hatte. Das Besondere an dem Leseförderprojekt ist der Exklusiv-Charakter, wie sie schilderte: „Wir haben extra 300 neue Bücher angeschafft, die ausschließlich für die Teilnehmer reserviert waren. Wenn die Kinder ein Buch ausgelesen hatten, konnten sie zu uns kommen und sich leichte Fragen zum Inhalt stellen lassen. Das haben die Kinder mit Spaß und Bravour gemeistert.“ Für jedes gelesene Buch gab es einen Stempel, am Sonnabend bei der Abschlussparty konnten die Kinder ihr Stempelbuch gegen Urkunden eintauschen. Für eine Auszeichnung in Gold mussten mindestens sieben Bücher gelesen werden, für Silber drei und für Bronze ein Buch.
Es gab 35 Vielleser, die sich eine goldene Auszeichnung verdient hatten. Eine von ihnen war Ayshe (10). Die Schülerin der Gemeinschaftsschule Faldera liest für ihr Leben gerne. In den Sommerferien hat sie fast 30 Bücher verschlungen. „Manchmal auch nachts mit der Taschenlampe unter der Bettdecke“, wie sie erzählte.
Besonderes Interesse hat Ayshe an Geschichten, die im Zweiten Weltkrieg angesiedelt sind. „Das Buch ‚Ich habe den Todesengel überlebt‘ hat mich sehr berührt, es war aber auch spannend“, sagte die Fünftklässlerin. „Ich lese gerne, weil ich dabei viel lerne und in meiner Fantasie auf Reisen gehe“, sagte sie.
Besonders gerne ausgeliehen von den Kindern wurden Bücher der Reihen „Die drei ??? Kids“ und „Mein Lotta-Leben“ sowie das Buch „Ein Sommer in Sommerby“ von Kirsten Boie. Bei der Jugend kamen die Reihen „Percy Jackson“ und „Warrior Cats“ gut an.

Thorsten Geil in den Kieler Nachrichten vom 8. August 2018

Der Krimi „Krabbencocktail“ war das erste Buch, das in der neuen Rückgabebox landete.

Stadtrat Carsten Hillgruber probierte damit die Technik aus. Bücherleiter Klaus Fahrner schaute zu.Es erinnert ein bisschen an einen Geldautomaten oder den Nachtschalter an der Tankstelle. Das ist die neue Box an der Stadtbücherei auch, aber hier kann man nur „einzahlen“. Außerhalb der Öffnungszeiten können die Kunden ihre geliehenen Bücher oder DVD einfach in einen Briefkasten einwerfen. Eine solche „Medienrückgabebox“ stand schon lange auf dem Wunschzettel des Büchereileiters Klaus Fahrner, da sie auch von Kunden gewünscht wird. Fahrner: „Viele Kunden kennen das: Der Rückgabetermin eines entliehenen Buches naht, aber man hat es tagsüber nicht geschafft, zu uns an die Wasbeker Straße zu kommen.“
Ab sofort können die Kunden außerhalb der Öffnungszeiten ihr Buch (oder DVD, CD, Noten) zurückgeben. Spiele sind ausgenommen und Medien, die in einer der Stadtteilbüchereien entliehen wurden; sie müssen dort auch wieder abgegeben werden.
In die Boxen passen eine Menge Bücher
Neben dem Eingang gibt es jetzt zwei Briefschlitze, in die man die Medien einfach hineinlegt. Hinter der Glasscheibe stehen zwei maßgefertigte Metallcontainer, in denen sie sicher landen. „Da passen eine Menge Bücher rein. Wenn die Box voll sein sollte, wird der Einwurfmechanismus gesperrt“, erklärte Fahrner. Erster „Kunde“ war gestern der Erste Stadtrat Carsten Hillgruber, der die Technik ausprobierte und lobte: „Das ist ein guter neuer Service.“
Einen Beleg für die Kunden gibt es nicht
Allerdings bekommt der Kunde keinen Beleg; er muss schon darauf vertrauen, dass seine abgegebenen Werke am Folgetag als Eingang gebucht und keine Säumnisgebühren fällig werden.

Der israelische Autor Assaf Gavron stellte in der Stadtbücherei seinen neuen Roman „18 Hiebe“ vor.

Assaf Gavron arbeitete die israelische Geschichte während der britischen Besatzung auf. Christian Kämpfer las die deutschen Textpassagen, und Stefan Mesch moderierte.

Wie wird die Erinnerung eines Menschen zu einer Erzählung? Diese Frage stellte sich Autor Assaf Gavron, als er begann, an einem neuen Roman zu schreiben. In „18 Hiebe“ hat er eine Antwort gefunden. Das Buch stellte er im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals in der Stadtbücherei vor etwa 50 interessierten Lesern vor.
Moderiert wurde der Abend von Stefan Mesch. Den deutschen Text las der Schauspieler Christian Kämpfer. Die Handlung des Romans klingt skurril: Eitan Einoch ist Taxifahrer in Tel Aviv. Eines Tages steigt eine ältere Dame in sein Taxi – Lotta Perl. Sie sind sich sofort sympathisch, und Eitan fährt die 85-Jährige von nun an täglich zum Friedhof. Dort hat sie
ihren ehemaligen Geliebten, einen britischen Soldaten, begraben. Doch was macht ein britischer Soldat auf einem jüdischen Friedhof? Lotta erzählt dem Taxifahrer ihre
Lebensgeschichte, die in der Zeit der britischen Besatzung kurz vor der Gründung des Staates Israel beginnt, und vertraut ihm an, dass der Tod ihres Geliebten vielleicht kein natürlicher war. Als die Dame eines Tages spurlos verschwindet, versucht er herauszufinden, was damals und heute geschehen ist.
Gavron bezeichnet seinen Roman als eine Liebesgeschichte mit historischen Elementen. „Ich wollte keinen historischen Roman schreiben.“ Inspiriert wurde er von seiner eigenen Tante. Sie war das Vorbild für Lotta Perl und eine Frau, „der man nicht trauen konnte“, wie er selbst erzählte. Um seiner eingangs genannten Frage nachzugehen, wählte Gavron hauptsächlich alte Protagonisten. Bis auf Eitan sind sie alle über 85 Jahre alt. Eitans Nachforschungen und ihre Erinnerungen setzen sich zu einer Geschichte zusammen.
Dabei weisen seine Figuren eine gewisse Ambivalenz auf, wie es Moderator Stefan Mesch anmerkte. Sie seien auf der einen Seite liebenswert, während sie auf der anderen wenig
vertrauenswürdig oder gar böse wirkten. „Das sind keine echten Menschen“, antwortete Gavron. Er spiele gerne mit dieser Ambivalenz, weil sie der Geschichte Komplexität verleihen würde. Einige Zuschauer irritierte die Charakterzeichnung aber auch, weil viele bei Erzählungen von historischen Ereignissen eine klare Abgrenzung zwischen Gut und Böse erwarten. Das tat der Roman nicht. Aber vielleicht ist Gavron damit auch näher an der Realität, als er selbst glaubt. Denn die Welt ist nicht immer nur schwarz und weiß.

Es ist ganz einfach, Mitglied im Ferien-Leseclub zu werden und spannende Leseabenteuer zu bestehen. „Das ist dein Logbuch. Ein Buch musst du mindestens gelesen haben. Hier trägst du Autor und den Titel ein, wir stellen zwei bis drei Fragen, um zu sehen, ob du das Buch tatsächlich gelesen hast“, erklärt Bibliothekarin Aenne Graichen bei der Anmeldung.
Für ein bis zwei Bücher gibt es ein Zertifikat in Bronze, bei drei bis sechs in Silber. Und wer es schafft, in den Sommerferien sieben oder noch mehr Bücher zu lesen, der bekommt Gold. Als Geschenk gibt es zudem bei der Anmeldung einen Kugelschreiber, und am Sonnabend, 25. August, ab 15 Uhr eine große Abschlussparty mit einer Tombola, Getränken und Musik. „Da werden dann auch die Zertifikate übergeben“, berichtet Andreas Dreibrodt, der stellvertretende Leiter der Stadtbücherei.
Seit 2009 ist die Bücherei dabei, als der Ferien-Leseclub von der Büchereizentrale Schleswig-Holstein ins Leben gerufen wurde, um Schülern Spaß am Lesen zu vermitteln. In diesem Jahr können sogar erstmals Schüler ab der 3. Klasse mitmachen. Zuvor war das erst ab Klasse 5 möglich.
Das nutzen viele junge „Leseratten“ wie Maria Bataiosu aus Faldera. Die Neunjährige besucht die Johann-Hinrich-Fehrs-Schule und meldete sich zum ersten Mal für die Ferienaktion an. Mit Anja Fröhlichs „Meine rosa Monsterschwester“ hat sie schon einen Titel gefunden, der sie interessiert. „Zwei Bücher nehme ich mit“, sagt sie.
Auch für Sam Matini (10) ist es die Premiere beim Ferien-Leseclub. Sein Bruder Sohrab (11) und die Geschwister Lisliv-Berret (10) und John-Eric Nothdurft (12) waren schon im vergangenen Jahr mit von der Partie. Lisliv-Berret liest am liebsten Pferdebücher und „Die drei Fragezeichen“. Sohrab mag lieber Sachbücher – und „Geschichten, Hauptsache sie sind spannend“. Im vergangenen Jahr gab es dafür Gold. „Das will ich auch wieder schaffen“, sagt er. Das Zertifikat kann sogar das Schulzeugnis schmücken, verrät Andreas Dreibrodt. Außerdem wurden viele Bücher speziell und exklusiv für den Ferien-Leseclub angeschafft. Dreibrodt: „Sie können nicht von jedem Leser ausgeliehen werden.“ Man muss dafür die Club-Karte zücken.

Sabine Nitschke in den Kieler Nachrichten vom 18. April 2018

Ohne sie liefe nichts in Neumünsters Stadtteilbüchereien Einfeld und Tungendorf: Für 25 Jahre Engagement rund ums Buch dankte jetzt Stadtrat Carsten Hillgruber Claudia Toppe und Astrid Möbius mit Blumen.

Ebenfalls ein Gebinde gab es für Wiebke Wallrodt, die genauso lange dabei ist und künftig von Toppe die organisatorische Leitung der Einfelder Bücherei übernehmen wird. Claudia Toppe bleibt Einfeld als Vorsitzende des Fördervereins und Chefin des Literaturcafés, dessen Veranstaltungen längst Kult sind und immer für ein volles Haus bürgen, erhalten. “Ich denke gar nicht ans Ausscheiden”, versicherte sie Hillgruber und dankte ihrem zwölfköpfigen Team für ein Vierteljahrhundert tatkräftige Unterstützung.
Als Angestellte der Stadtbücherei wirkte Toppe in Einfeld, da fiel 1993 angesichts bedrohlicher Kassenlage der Stadt die politische Entscheidung für eine stringente Haushaltskonsolidierung. Der sollten auch die beiden Büchereien zum Opfer fallen. “Ich mach das dann mal zwei Jahre ehrenamtlich, bis es der Stadt wieder besser geht”, dachte sich Toppe. Bisweilen kann sie zur Tigerin werden, wenn es um “ihre Bücherei” geht. Zum Beispiel als die Räumlichkeiten beschnitten werden sollten. Da konnte Toppe mit 12 000 Ausleihen pro Jahr und einem festen Stamm von knapp 400 Lesern punkten. Die Idee zum Literaturcafé, dessen Überschüsse stets in Bücher investiert werden, kam gleich zu Beginn angesichts der winzigen Gartens, der dazugehört.
Ebenfalls Hausrecht und ein jährliches Medien-Budget in Höhe von 4000 Euro genießen Astrid Möbius und ihr achtköpfiges Team im Volkshaus; der große Rest der Aufgaben fällt unter das Stichwort Eigenregie. Möbius hatte die Bücherei am Friedrich-Ebert-Krankenhaus mitgegründet und in Tungendorf schon als Ehrenamtlerin dabei, als die Schließung drohte. Im Volkshaus besuchen vor allem Kinder die Bücherei.

Astrid Möbius, Claudia Toppe und Wiebke Wallrodt wurden für ihre ehrenamtliche Arbeit in den Stadtteilbüchereien in Tungendorf und Einfeld geehrt.

Wenn es um Literatur geht, sind Astrid Möbius, Claudia Toppe und Wiebke Wallrodt in Neumünster nicht wegzudenken. Seit 25 Jahren engagieren sich die drei Frauen ehrenamtlich in den Stadtteilbüchereien in Tungendorf und Einfeld. Sie wurden am Montagabend von Stadtrat Carsten Hillgruber und dem Leiter der Stadtbücherei, Dr. Klaus Fahrner, geehrt.
Astrid Möbius hat seit 25 Jahren als Leiterin der Bücherei in Tungendorf den Hut auf. „Ich war schon immer eine Leseratte“, sagt die 70-Jährige. Schließlich machte die ausgebildete Grundschullehrerin ihr Hobby zur Berufung. Sie ist Mitbegründerin der seit 1987 bestehenden Krankenhausbücherei im Friedrich-Ebert-Krankenhaus, in der sie sich 20 Jahre lang engagierte. „Als es dann 1993 hieß, dass die Stadt kein Geld mehr für hauptamtliche Büchereileitungen ausgeben will, habe ich die ehrenamtliche Leitung übernommen, um die Bücherei im Stadtteil am Leben zu halten“, sagt Astrid Möbius. Zwei ihrer derzeit acht Büchereimitarbeiterinnen begleiten sie von Anfang an. „Als wir im Volkshaus unsere Räume mit der Kita tauschen mussten, war das zunächst schwer für uns, weil wir weniger Raum bekommen haben, aber mittlerweile haben wir uns gut darauf eingestellt“, sagt die Tungendorfer Büchereileiterin. Ihre Leser – vor allem die Kinder – seien sehr treu.
Claudia Toppe gibt die Bücherei-Leitung ab:
Das stellt auch Claudia Toppe fest. Gerade für Kinder und die älteren Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, sei eine Bücherei im eigenen Stadtteil eine Bereicherung. Deswegen entschied sie sich vor 25 Jahren, die Bücherei Einfeld ehrenamtlich weiter zu leiten. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete sie bereits seit fünf Jahren hauptamtlich in der Bücherei. „Ich dachte, ich mache das für zwei Jahre, und jetzt sind es 25 geworden“, so Claudia Toppe. Anders als in Tungendorf, wo die Bücherei in den Förderverein Volkshaus integriert wurde, musste Claudia Toppe einen eigenen Förderverein für ihre Bücherei gründen, um Gelder für den Erhalt zusammen zu bekommen. Echtes Herzblut steckt Claudia Toppe jedes Jahr in das Literaturcafé, das sie ebenfalls seit 25 Jahren organisiert. „Das ist so beliebt, dass wir binnen kürzester Zeit ausverkauft sind. Wir haben für dieses Jahr 300 Anmeldungen und noch 50 weitere auf der Warteliste“, freut sie sich. „Wie ein Tiger“ habe sie immer für die Bücherei und ihren Erhalt gekämpft.
Nun gibt Claudia Toppe die organisatorische Leitung an ihre Mitarbeiterin Wiebke Wallrodt ab, die sich ebenfalls seit 25 Jahren in der Einfelder Bücherei engagiert. Claudia Toppe bleibt aber weiterhin Vorsitzende des Fördervereins und führt auch das Literaturcafé fort. „Ich möchte nur zeitlich nicht mehr so gebunden sein und mehr reisen – zum Beispiel nach Bologna, da wollte ich immer einmal hin.“

Susanne Wittorf in den Kieler Nachrichten vom 15. März 2018

Fünf Sechstklässler kämpften um den Sieg beim Vorlesewettbewerb

„Ihr seid bereits jetzt alle Sieger“, begrüßte Angelika Rust die fünf Wettstreiter um den Bezirksentscheid Schleswig-Holstein Süd im Vorlesewettbewerb der 6. Klassen. Denn als Gwyneth Quigley aus Norderstedt, Tom Jonathon Siegmann aus Quickborn, Felicitas Pohl aus Pinneberg, Timotheus Behrend aus Itzehoe und Shalin Groh aus Neumünster am Dienstagnachmittag in der Kinder- und Jugendbücherei Neumünster eintrafen, waren sie bereits als Sieger aus den jeweiligen Schul-, Stadt- und Kreisentscheiden hervorgegangen. Mit 600000 Teilnehmern jährlich ist der 1959 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels ins Leben gerufene Vorlesewettbewerb einer der größten Schülerwettbewerbe Deutschlands.
„Ich bin schon ein wenig aufgeregt“, gab Shalin Groh zu. Die zwölfjährige Klaus-Groth-Schülerin hatte für ihren dreiminütigen Vortrag eine Stelle aus der Abenteuerserie „5 Geschwister“ gewählt. „Ich mag spannende Geschichten“, erklärte sie ihre Wahl. Außerdem lese ihre Mutter ihr abends manchmal daraus vor. Vorlesen gehört bei Familie Groh zum Alltag. „Unsere Kinder lieben es vor dem Einschlafen noch eine Geschichte zu hören. Selbst Shalin, die ja inzwischen selbst sehr viel liest, genießt das abendliche Ritual“, erzählte Mutter Andrea.
„Das finde ich großartig“, sagte Jörg Jesper. Der Schulleiter der Klaus-Groth-Schule war eigens zum Wettbewerb gekommen, „um Shalin zu unterstützen“, und um eine Lanze für die Literatur und die Wahrnehmung von Sprache zu brechen. „Naturwissenschaften finden in der öffentlichen Wahrnehmung große Beachtung“, meinte Jesper. Das Lesen gerate dabei oftmals ins Hintertreffen. „Dabei ist Lesen elementar. Es fördert die Fantasie und ist Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben“, sagte der Schulleiter.
Der Vorlesewettbewerb geht einen Schritt weiter. Einen Text allein mit der Stimme als Ausdrucksmittel zum Leben zu erwecken gehörte zu den Grundsätzen der Bewertung. Allen Teilnehmern gelang das vorzüglich. Eine flüssige Lesetechnik, die atmosphärische Umsetzung des Inhalts und und die eigene Ausdruckskraft war bei jedem Vorleser deutlich zu erkennen.
Die Jury brauchte entsprechend lange, um sich auf Felicitas Pohl und Tom Jonathon Siegmann als Sieger zu einigen. Am 16. Mai werden die beiden zum Landesentscheid ins Kieler Landeshaus fahren. Der Bundesentscheid findet am 20. Juni in Berlin statt.

Für Felicitas Pohl und Tom Jonathon Siegmann war gestern ein besonderer Tag. Gegen starke Konkurrenz setzten sich die beiden im Bezirksentscheid des Vorlesewettbewerbs durch. Sie werden die Region Schleswig-Holstein Süd beim Landesentscheid, der am 16. Mai in Kiel stattfindet, vertreten.
In der Kinder- und Jugendbücherei Neumünster hatten sich fünf Sechstklässler zusammengefunden, um die besten Leser ihrer Region zu ermitteln. Alle wussten, dass nur zwei zum Landesentscheid fahren würden. „Ich bin wirklich aufgeregt, aber ich habe Freunde und Familie mitgebracht“, sagte Shalin Groh, die für Neumünster ins Rennen ging. Für sie reichte es jedoch am Ende nicht zum Weiterkommen. „Ich bin schon enttäuscht, aber die anderen haben es wirklich verdient“, sagte die Klaus-Groth-Schülerin.
Auch Gwyneth Quigley aus Norderstedt und Timotheus Behrend aus Itzehoe mussten sich geschlagen geben.
Dagegen überzeugte Felicitas Pohl mit ihrem sicheren Vortrag über „Die Glücksbäckerei“. „Ich bin total überrascht, aber ich freue mich sehr“, sagte die Pinnebergerin. „Ich habe auch nicht mit dem Sieg gerechnet, denn hier war keiner wirklich schlecht“, betonte der Quickborner Tom Jonathon Siegmann, der mit einem lebendigen Auftreten die „Krabbentaucherkacke“ vortrug. Beide fahren nun zum Landesentscheid. „Dafür werden wir weiterhin üben“, sagte Felicitas Pohl. Die Zwei bekamen einen Buchgutschein und ein Jahresabo der Zeitschrift „Dein Spiegel“.
Alle fünf Teilnehmer erhielten zudem eine Urkunde.
„Ihr habt alle schon drei Siege eingefahren, bevor ihr herkamt“, sagte Angelika Rust von der Stadtbücherei. Sie meinte damit die Klassen- und Schulwettbewerbe, die vor dem Bezirksentscheid gewonnen werden müssen.
Beim Vorlesewettbewerb bereiten die Kinder ein Buch eigenständig vor. Aus diesem müssen sie dann eine Passage vorlesen. Dabei dürfen sie jedoch die Zeitmarke von drei Minuten nicht überschreiten. In der zweiten Runde präsentieren die Schüler einen unbekannten Text.
Eine fachkundige Jury bewertet den Auftritt der Teilnehmer. In diesem Jahr war neben Burghard Möbius von der Buchhandlung Trio, der Lehrerin Jenka Plambeck, der Bücherei-Angestellten Carina Meyer und Courier-Volontär Michael Kierstein auch der Vorjahressieger des Bundesentscheids Jarik Foth in der Jury. Dabei bewerteten die Juroren Aussprache, Lesetempo und Betonung genauso wie eine lebendige Vortragsweise.

Onleihe wird dagegen immer beliebter.

In der Stadtbücherei ist im vergangenen Jahr die Zahl der aktiven Leser auf 6123 zurückgegangen. Vier Jahre zuvor waren es noch fast 700 mehr. Das geht aus den Kennzahlen hervor, die am 15. März, ab 18 Uhr Thema im Schul-, Kultur- und Sportausschuss sind. Er tagt in der Wilhelm-Tanck-Schule.
Bücherei-Leiter Dr. Klaus Fahrner weist auf einen demografischen Trend hin: „Es gibt weniger junge Leser, die älteren werden mehr.“ Im vergangenen Jahr gab es weniger Führungen für Grundschulklassen. „Das schlägt sofort durch, denn meist meldet sich die ganze Klasse an und leiht dann auch aus“, so Fahrner.
Der für den Kulturbereich zuständige Stadtrat Carsten Hillgruber möchte daher die Zusammenarbeit mit den Schulen weiter ausbauen. Er kündigte entsprechende Gespräche mit den Schulen an. „Ziel ist es, Kinder so früh wie möglich ans Lesen heranzuführen.“
Den rückläufigen Leserzahlen entsprechend fielen auch die Ausleihzahlen bei Büchern und anderen Medien geringer aus. Sie gingen von gut 440 000 auf knapp 435 000 zurück. Die Entleihungen via Internet (Onleihe) wachsen dagegen allmählich, aber stetig und machten 2017 einen Anteil von knapp 17 400 aus. Fahrner: „Wir haben viele ältere Leser, die nicht mehr so mobil sind und nur noch die Onleihe nutzen.“ Im Programm dort gibt es Bücher, auch Hörbücher und auch Zeitschriften. Fast 132 000 Medien gibt es in der Stadtbücherei an der Wasbeker Straße und den beiden ehrenamtlich betreuten Stadtteilbüchereien in Einfeld und Tungendorf. In Einfeld gab es 12 025 Ausleihen, in Tungendorf 7865. Das sind fast 2000 mehr als im Jahr 2016. Die Statistik ist aber verzerrt, weil die Bücherei in Einfeld 2016 drei Monate lang wegen der Umbauarbeiten geschlossen war. Fahrner: „Jetzt hat Einfeld wieder auf Normalzustand aufgeholt.“
9172 Medien wurden neu angeschafft – das sind rund 7 Prozent des Bestands. „Eine ähnliche Zahl wird ausgemustert – schon aus Gründen der Aktualität“, sagt Fahrner. Viele Bücher seien aber auch schlicht zerlesen und müssten deswegen ausgetauscht werden.
Die Kosten steigen und liegen inzwischen bei 1,27 Millionen Euro. Das Gros dabei sind die Personalkosten für die 18 Mitarbeiter und den Azubi. Die Stadtbücherei bildet eine „Fami“ aus, eine Fachangestellte für Medien und Informationsdienste. Rechnerisch steigen die Kosten je Ausleihvorgang, sie liegen jetzt bei 2,91 Euro.
Allerdings kommen immer mehr Nutzer gar nicht um Bücher auszuleihen. „Wir werden immer mehr zu einem Lernort“, sagt Bibliothekarin Frauke Tensfeldt. Viele Besucher kämen in die Stadtbücherei, um hier zu recherchieren, das W-Lan und einen ruhigen Arbeitsplatz zu nutzen.
„Vor allem an den Nachmittagen sind die Arbeitsplätze mit Schülerarbeitsgruppen immer gut besetzt“, sagt Frauke Tensfeldt. Auch VWL-Student Tim Meyer schätzt die Stadtbücherei. „Ich nutze sie gerne zur Prüfungsvorbereitung“, sagt der Student.

Sie ist schwatzhaft, impulsiv, kocht für ihr Leben gerne, steckt ihre Nase in Angelegenheiten, die sie nichts angehen und hat eine große Fangemeinde. Die Rede ist von der resoluten Italienerin „Mamma Carlotta“, die Hauptfigur der Sylt-Krimi-Reihe von Gisa Pauly. Am Mittwochabend las die Autorin in der Stadtbücherei vor 40 glühenden Mamma-Carlotta-Fans aus ihrem neuesten Roman „Vogelkoje“.
Es ist bereits der elfte Fall, in den Carlotta Capella stolpert, als sie ihren Schwiegersohn und ihre Enkel auf Sylt besucht, bekocht und mit italienischem Pathos bemuttert.
Gisa Pauly brachte ihr überwiegend weibliches Publikum zum Kichern und Lachen, und das lag nicht nur an ihrer neuesten Geschichte. „Sie wirkt sehr sympathisch und kann total gut unterhalten. Ich finde es interessant, wie sie ihre eigenen Figuren interpretiert“, meinte die Besucherin Skrollan Urbasch aus Boostedt. Gisa Pauly hat neben den Leseauszügen immer wieder Anekdoten aus ihrem Leben und ihrer schriftstellerischen Arbeit eingeflochten. So erzählte sie zum Beispiel, wie sie sich in den Kofferraum ihres Geländewagens gelegt hat, um zu erfahren, wie realistisch sie ihre Hauptfigur aus so einer Misere herausschreiben kann. „Ich lege großen Wert darauf, dass alles stimmt, aber ein paar Dinge muss man erfinden“, erklärte die Autorin im anschließenden Gespräch mit dem Publikum.
Ein Besucher wollte wissen, ob das Ende der Reihe bereits feststehe. Aber Gisa Pauly konnte ihre Fans beruhigen: „Nein, ein Leben ohne Mamma Carlotta kann ich mir nicht vorstellen.“
Der zwölfte Band der Reihe erscheint im Mai, und Nummer 13 habe sie bereits in Arbeit. Die 71-Jährige, die ihren Lehrerberuf vor 25 Jahren für das Schreiben an den Nagel gehängt hatte, erklärte, dass sie sieben Tage die Woche arbeite. „Man braucht Disziplin zum Schreiben, wenn ich nicht täglich im Stoff bin, verliere ich schnell den Faden“, so die Sylt-und Italien-Liebhaberin.
Besucherin Stefanie Kickbusch aus Braak hat sich nach der Lesung gleich Bücher signieren lassen. Sie ist den mit viel Lokalkolorit ausgestatteten Romanen verfallen, weil „sie so schön einfach geschrieben sind und man sie zügig lesen kann. Ich lese besonders in der Mittagspause gerne.“

Schleswig-Holsteinischer Heimatbund organisierte den „Tag voller Märchen“ – Kinder waren begeistert

Frida Kammerer in den Kieler Nachrichten vom 27. Februar 2018

Märchen sind langweilig und uncool? Die Klasse 2?b der Mühlenhofschule in Neumünster sieht das aber ganz anders! Wenn Claudia Ritter in ihrem Cape mit Zipfelmütze und Glöckchen von Olle erzählt, wie er die Wunschelster gnädig stimmen möchte, hängen alle an ihren Lippen. Die 53-Jährige ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und professionelle Märchenerzählerin. Und wie es sich dafür gehört, hat sie natürlich auch eine Eule dabei. Diese hat die Geschichten, die Ritter am weltweiten „Erzähle ein Märchen“-Tag erzählt, zusammengetragen.
Fünf Geschichten erzählt Claudia Ritter in der Jugendbücherei der Stadtbücherei Neumünster. Das erste Märchen kommt aus Schweden und ist noch recht jung: Die Wunschelster. Der mittellose Olle trifft eines Tages eine Elster, die behauptet, wenn man Salz auf ihre Schwanzfedern streut, ginge ein Wunsch in Erfüllung. Allerdings erlaubt die Elster nicht einfach jedem, Salz auf sich rieseln zu lassen, sondern sie verlangt eine – oder mehrere – Gegenleistungen. Nie ist ihr ein Geschenk gut genug, kaum hat Olle eins besorgt, interessiert sie sich nicht mehr dafür. Erst möchte sie ein goldverziertes Messer, dann einen Schlitten, eine Kutsche und am Ende möchte sie sogar ein Schloss und Kisten voller Gold haben. Die Kinder sind schockiert. „Was will sie denn noch?!“, ruft ein Kind empört oder: „Das ist aber schwer zu besorgen“, zweifelt ein anderes nachdenklich. Als Olle der Elster vorwirft, dass sie ein „verwöhntes Frauenzimmer“ sei, stimmt die 2b eifrig zu.
Am Ende gewährt die Elster Olle tatsächlich einen Wunsch, doch er weiß gar nicht mehr, was er sich noch wünschen soll. Immerhin hat er inzwischen alles: Eine Kutsche, ein Schloss, ein paar Truhen voller Gold … „Hat sie sich das nur gewünscht, damit er reich wird?“, fragt ein Mädchen. „Ihr habt’s durchschaut!“, lobt Ritter.
Jedes Märchen, das am Montag erzählt wurde, kommt aus einem anderen Land: aus Schweden, Norwegen, der Türkei und Frankreich. Auch Neumünster hat ein eigenes Märchen bekommen – Ritter hat „Die kleinen Leute von Swabedoo“ abgewandelt. Es geht um ein kleines Waldvolk, das sich durch Tauschen von kleinen Fellfetzen bei Laune hält. Aber ein fieser Troll versucht, den vergnügten Waldbewohnern den Spaß zu verderben. Das kam bei den Kindern gut an: „Ich fand das mit dem Fell am besten“, sagt Lily Täxen (8) begeistert. Am Ende bekam jedes Kind einen kleinen Fetzen Kunstfell als Erinnerung.

80 Zuhörer erlebten eine Premiere der besonderen Art

Für den Jazz-Club Neumünster waren das gleich zwei Premieren am Freitagabend in der Stadtbücherei. Noch nie hat ein Sextett dort an der Wasbeker Straße gespielt und zum ersten Mal spielte das „Cosmopolitan Sextet“ zwischen Bücherregalen. Knapp 80 Musikliebhaber schenkten der jungen Formation ihr Vertrauen und wurden nicht enttäuscht.
Die jungen Musiker aus dem Saarland spielten nicht nur Stücke von ihrem viel gelobten Debütalbum „Cosmopolitan“ mit ausschließlich Eigenkompositionen der Bandmitglieder, sondern flechteten auch neue oder neuarangierte Stücke in ihr Konzert mit ein. Die Jazzformation „Cosmopolitan Sextet“ rund um Gitarrist und Bandleader Rick-Henry Ginkel ist schon ein besonderes Konstrukt. Der Name Cosmopolitan kommt nicht von ungefähr. Jeder komponiert und jeder bringt seinen eigenen kulturellen Background (Ukraine, Ecuador, Italien, Deutschland) in die Kompositionen und in den typischen Bandsound ein. Rick-Henry Ginkel hat seine fünf Mitspieler einst in der Musikhochschule Saarbrücken kennengelernt. Mittlerweile sind die Musiker an anderen Wirkungsstätten im In- und Ausland aktiv.
Doch zu Cosmopolitan-Projekten finden sie immer wieder zusammen. Dieser Mix unterschiedlicher Stile mit Anleihen aus Barock, Klassik, Folklore oder Swing sowie das gleichberechtigte Miteinander der Musiker waren das herausragende Erlebnis des Abends.
Einige Stücke klangen nach Weltmusik, andere eher funky oder entwickelten einen Latin-Charakter. Ein musikalischer Höhepunkt dürfte das Stück „Brown Sugar“ gewesen sein. Der Komponist hatte beim Komponieren dieses Musikstücks eine Tasse richtig guten italienischen Espresso mit einem Stück braunen Zucker vor Augen. Als tragendes Instrument dieses Stückes spielte Stanislav Zhukovsky das armenische Nationalinstrument Duduk mit seinem dunklen, samtigen Klang so ergreifend, dass ein Raunen im Publikum zu hören war.
Am Ende des Konzertes stand das Publikum und erklatschte sich Zugaben vom „Cosmopolitan Sextet“.

Vorlese-Stadtentscheid der sechsten Klassen:
Siegerin ist Shalin Groh (12) von der Klaus-Groth-Schule

Die Spannung war förmlich zu spüren: Man hätte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören, so gespannt und stumm lauschten die Zuhörer: Beim Stadtentscheid des bundesweiten Vorlesewettbewerbs der sechsten Klassen fieberten Eltern, Geschwister, Großeltern und Freunde mit den Vorlesern mit, die eine bunte Mischung an spannenden, lustigen oder unheimlichen, aber immer mitreißenden Geschichten präsentierten.
„Wer sich einem Buch öffnet, entwickelt Vorstellungskraft und Fantasie, Lesen hat eine enorme Bedeutung fürs Denken, Fühlen, die Sprache und Persönlichkeit“, sagte Gabriele Bartelheimer, Leiterin des Fachdienstes Schule, Jugend, Kultur und Sport . Sie lobte: „Es ist ein ungeheurer Genuss, in fremde Welten einzutauchen.“
Das taten die Zuhörer anschließend. Mit den lustigen Streichen von Tom Sawyer, der verbotenerweise von der Marmelade in der Speisekammer seiner Tante nascht und den sie aber mit ihrem guten Herzen trotzdem nicht bestrafen kann, startete Luke Siebert (Hans-Böckler-Schule). Akzentuiert erweckte Charlotte Zarbock (IKS) die unheimlichen Gestalten aus „Tintenherz“ (Cornelia Funke) zum Leben, Leni Gruschke (GS Faldera) hatte sich die Geschichte von Küchengeräten mit Doppelleben von Neil Shusterman und Eric Elfman ausgesucht, rief „Dad, der Toaster hat mich umgebracht“ und ließ mit „Pling“ die verkohlten Brotscheiben hochploppen.
Mit trockenem Humor versetzte Linus Jankowski (Waldorfschule) die Zuhörer in das Klassenzimmer, in dem Grundschüler Klaus aus der „etwas anderen“ Familie („Hilfe, die
Herdmanns kommen“) mit seiner verhungerten Katze für Chaos im Biologieunterricht sorgt. Denn das Tier zerrupft Papier, frisst die Goldfische und die zwei Mäuse der Klasse. „Am Ende war das Klassenzimmer in einem schrecklichen Zustand und die Erstklässler hysterisch“, schloss er – und die Zuhörer kringelten sich.
Ihren kleinen Plüschkakadu „Lori“ hatte Lucy Sarnow (11) von der Alexander-von-Humboldt-Schule als Glücksbringer dabei. Sie las aus den „Chaosschwestern“ von Dagmar H. Mueller, deren Eltern unbedingt mit Vornamen angeredet werden wollen. Die Zuhörer kicherten, als Lucy die Schnute verzog: „Irgendwann mussten wir ihre Gerichte auch essen. Und Iris (die Mutter) war die schlechteste Köchin der Welt.“
Es schien schwierig für die Jury, die Lesetechnik, Textauswahl, deutliche Aussprache, Betonung und Tempo zu bewerten hatte. Doch dann stand für Sophie Harm (Vorjahressiegerin, Waldorfschule), Gabriele Bartelheimer, Bibliothekarin Petra Lüthjohann und Courier-Redakteurin Susanne Otto das Ergebnis fest: Stadtsiegerin ist Shalin Groh (12) von der Klaus-Groth-Schule. Sie entführte ihre Zuhörer in eine gruselige Gewitternacht aus „Carlotta – Internat auf Probe“ von Dagmar Hoßfeld in der Carlotta mit einer Freundin einen Freund suchen. Sie rief „Das Gewitter ist über uns und wir sind mittendrin“ und ließ die Freundinnen in der dunklen Nacht im Garten umherstraucheln. „Lesen macht einfach Spaß“, sagte die Tungendorferin. Ihr Vater Thomas (37) hatte mitgefiebert: „Sie ist ein Naturtalent und legt die Emotionen rein.“
Shalin Groh nimmt teil am Bezirksentscheid Schleswig-Holstein Süd, der am Dienstag, 13. März, um 15 Uhr in der Stadtbücherei stattfindet.

Wer ist der beste Vorleser der Stadt Neumünster? Das klärt sich beim Regionalentscheid des 59. Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels am Dienstag, 13. Februar, um 15 Uhr in der Kinder- und Jugendbücherei Neumünster. Dort lesen die Sieger der Schulentscheide um die Wette.
An den regionalen Entscheiden der Städte und Landkreise beteiligen sich bundesweit rund 7 000 Schüler der sechsten Klassen. Mit etwa 600 000 Teilnehmern jährlich ist der 1959 ins Leben gerufene Vorlesewettbewerb einer der größten Schülerwettbewerbe Deutschlands. Er wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels veranstaltet und steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten.
Begeisterung für Bücher in die Öffentlichkeit zu tragen, Freude am Lesen zu wecken sowie die Lesekompetenz von Kindern zu stärken, stehen im Mittelpunkt des Vorlesewettbewerbs.
Der Wettbewerb wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Auch in diesem Jahr unterstützen wieder vier Sparda-Regionalbanken den Wettbewerb. Die Etappen führen über Stadt-/Kreis-, Bezirks- und Länderebene bis zum Bundesfinale am 20. Juni in Berlin. Die über 600 Regionalwettbewerbe organisieren Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen und weitere kulturelle Einrichtungen.
Alle teilnehmenden Kinder erhalten eine Urkunde und einen Buchpreis. Der Sieger des Regionalwettbewerbs darf zum nachfolgenden Bezirksentscheid fahren.

Eine Ära geht zu Ende: Uta Winkelmann verlässt den Lesedienst der Stadtbücherei. 25 Jahre lang hat sie den Menschen Bücher nach Hause gebracht.
„Ich hab das immer gerne gemacht. Es ist an der Zeit, dass hier frischer Wind durch die Regale weht“, sagt die 72-Jährige. In Zukunft möchte sie mehr Zeit mit ihren sechs Enkelkindern verbringen. „Der Jüngste ist zwei und der Älteste 20 Jahre alt. Ich möchte mit ihnen neue Erinnerungen schaffen“, sagt sie. Doch die Liebe zur Literatur wird sie auch in Zukunft begleiten. „Selbstverständlich werde ich auch mit meinen Enkeln Bücher lesen“, betont sie.
Auch beim Lesedienst steht die Literaturvermittlung im Vordergrund. Bücher, Hörspiele, Filme und Brettspiele werden von der Stadtbücherei zu Menschen gebracht, die nicht mehr mobil genug sind, um den Weg alleine zu bewältigen. „Aber man liefert die Bücher nicht einfach ab. Man unterhält sich auch mit den Menschen über das Gelesene“, so Uta Winkelmann. „Man hat da auch eine soziale Aufgabe“, sagt sie. Viele der Menschen leben alleine und würden sich über die Gespräche immer sehr freuen. Vor 25 Jahren hatten 76 Menschen den Bring-Service in Anspruch genommen. Heute sind es noch zehn, die sich regelmäßig Bücher liefern lassen. „Das kann man alleine schaffen“, betont Uta Winkelmann. Als sie den Lesedienst übernahm, waren sie noch zu sechst, um die vielen
Anfragen zu bearbeiten.
Den Lesedienst übernimmt ab heute Susanne Schulz. Die 57-Jährige ist schon seit zwei Jahren aktiv beim Lesedienst, hat so Erfahrungen gesammelt und ist mit den Aufgaben vertraut. „Wenn jetzt viele Anfragen kommen, werde ich natürlich wieder mithelfen“, betont Uta
Winkelmann.
Die 72-Jährige wird zudem ihre Positionen im Förderverein der Anscharkirche und in der Aktionsgemeinschaft zur Förderung Behinderter und Benachteiligter weiterhin ausüben. Damit habe sie genug zu tun. Dennoch gehe sie nicht gerne. Es habe ihr immer viel Spaß gemacht, mit den Kunden über die Literatur zu reden.