Brandschutzerziehung

Jedes Jahr ereignen sich Unfälle mit Feuer und brennbaren Stoffen mit mehreren hundert Brandtoten und rund 10.000 Schwerbrandverletzten. Hinzu kommt ein enormer Sachschaden in Milliardenhöhe. Häufig sind an diesen Unfällen Kinder beteiligt, weil sie nicht gelernt haben, mit gefährlichen Situationen umzugehen.

Jede dritte fahrlässige Brandverursachung im Bundesgebiet wird durch Kinder und Jugendliche ausgelöst.

Die jährliche Anzahl der Brandopfer (Circa-Angaben) in der Bundesrepublik Deutschland:

  • 200 tote Kinder
  • 600 tote Erwachsene
  • tausende schwerer und schwerster Brandverletzungen
  • hunderte von Millionen Euro an Sachschäden

Diese "Zahlen" werden wir leider nicht auf "0" bringen können, aber wir können helfen sie zu verringern.

Brandschutzbewusstsein ist erlernbar und kann besonders für Kinder den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten!

Im Rahmen des Schleswig-Holsteinischen Brandschutzgesetzes bietet die Berufsfeuerwehr Neumünster Brandschutzerziehung und Brandschutzaufklärung an.

Mit der Brandschutzerziehung wollen wir systematisch Kinder, Jugendliche und Erwachsene über die Brandgefahren aufklären. Seit 1996 ist die Brandschutzerziehung als Aufgabe der Feuerwehren gesetzlich verankert. Insbesondere der Lehrplan der Grundschulen sieht vor, Kindern den richtigen Umgang mit Feuer zu erklären und mit ihnen zu üben, was sie im Falle eines Brandes tun sollen. Oft wird dabei von den Lehrern die Feuerwehr hinzugezogen. Unsere qualifizierten Fachwarte geben an den Kindertagesstätten, Schulen und auf der Feuerwache Unterricht in der Brandschutzerziehung und Brandschutzaufklärung.

Bei der Brandschutzerziehung werden den Kindern in den Kitas und Schulen vorbeugende und aufklärende Maßnahmen zur Gefahrenabwehr vorgestellt. Dies wird in enger Absprache mit den Erzieherinnen und Erziehern der Kitas und den Lehrerinnen und Lehrern der Schulen durchgeführt. In kindgerechter Weise und auf das Alter der Kinder abgestimmt wird ihnen die Gefahr des Feuers verdeutlicht und die Kinder erlernen spielerisch das richtige Verhalten wenn es zu einem Feuer oder einem Notfall kommen sollte. Hierzu halten wir diverse Ausbildungs- und Trainingsgeräte für die Ausbildung vor. Zum Abschluss der Brandschutzerziehung wird in der Regel die Feuerwache der Berufsfeuerwehr besucht, welches für die meisten Kinder ein absolutes Highlight darstellt. 

Bei der Brandschutzaufklärung handelt es sich um Erwachsenenbildung, die den gesamten Bereich der Berufswelt unterstützt. Einige Berufsgruppen müssen aufgrund besonderer gesetzlicher Regelungen jährlich eine solche Brandschutzunterweisung durch besonders geschulte Personen durchführen lassen. Als Beispiele seien hier Kinder- u. Pflegeheime, Kureinrichtungen und Hotels genannt.

Ansprechpartner

  Telefon Mail-Kontakt
Oberbrandmeister Frank Flohr 04321 3322 254
04321 3322 255
E-Mail

Wussten Sie, dass über 30 Prozent aller Brandstiftungen durch Kinder entstehen?
Dass Kinder ungleich mehr Brände verursachen als Erwachsene hat einen Grund in der fehlenden bzw. unzureichenden Erfahrung mit Feuer. Kinder stiften Brände nur selten mutwillig. Vielmehr liegt die Ursache in Spielhandlungen und dem ungeschickten Umgang mit Zündmitteln. Schon allzu oft geriet ein Spielchen mit Streichhölzern oder Feuerzeug zu einem kleinen Feuerchen im Gras, im Feld oder im Keller, bei welchem die Kinder in Panik gerieten und flüchteten, ohne irgendwem etwas zu sagen. Aus Angst, sie könnten bestraft werden.Und aus dem kleinen Feuerchen wurde ein Brand mit schlimmen Folgen für Betroffene. Kinder sind besonders in jungen Jahren noch nicht in der Lage, gefährliche Situationen richtig einzuschätzen und im Brandfall umsichtig zu reagieren. Aufkommende Angst und Panik verschlimmern die Situation noch.

Sie können Ihren Kindern helfen, indem Sie mit Ihnen den richtigen Umgang mit Streichholz und Feuerzeug üben. Das beugt dem heimlichen Spielen mit Feuer vor. Sie erlauben Ihren Kindern unter Aufsicht den Umgang mit Feuer, wann immer es sich anbietet. So zum Beispiel beim Anzünden der Geburtstagskerze oder des Teestövchens.

Der richtige Umgang mit Streichhölzern will gelernt sein. Vorsichtige Eltern zeigen ihren Kindern darum die richtige Streichholzhaltung: Das Holz nicht zu lange fassen, sonst bricht es ab. Das Streichholz nicht schräg nach unten, sondern waagerecht halten, sonst schlägt die Flamme gegen die Hand des Kindes und das brennende Streichholz wird in der Schreckreaktion fallen gelassen.

Darüber hinaus sollten Sie folgende Punkte beherzigen:

  • Lassen Sie Ihre Kinder nie alleine bei offenem Feuer!
  • Entfachen Sie Ihr Grill- oder Lagerfeuer nie mit Spiritus oder Benzin, wenn Kinder in der Nähe sind!
  • Löschen Sie ihr Grill- oder Lagerfeuer mit Wasser, wenn Sie es nicht mehr benötigen! Da die Glut unter der Asche meist nicht mehr zu sehen ist, birgt diese für Kinder eine weitere potentielle Gefahrenquelle.
  • Feuerwerkskörper gehören nicht in Kinderhände!
  • Spiritus oder Ähnliches gehören ebenfalls nicht in Kinderhände.

Sollten Sie einen Experimentierkasten für Chemie oder Ähnliches zu Hause haben, seien Sie vorsichtig. Viele der möglichen Experimente benötigen Feuer oder erzeugen zum Teil recht heftige Reaktionen. Lassen Sie Ihre Kinder nie unbeaufsichtigt damit hantieren und gehen Sie streng nach Anleitung vor.

Mit Kindern ab dem Kindergartenalter kann bereits der Notruf 112 der Feuerwehr geübt werden. Zum Wählen brauchen die Kinder keine Zahlenkenntnisse. Markieren Sie die Tasten auf dem Telefon und üben Sie das Wählen mit Ihren Kindern. Erklären Sie ihren Kindern auch, dass der Missbrauch des Notrufes verboten ist und weshalb das so ist.

Jeder falsche Notruf schickt die Rettungskräfte an einen Ort, wo sie nicht benötigt werden. Zur gleichen Zeit kann es allerdings einen Notfall an einem anderen Ort geben, zu dem die Retter dann nur verspätet eintreffen können, wobei die Folgen dabei schrecklich sein können.

Erklären Sie ihren Kindern, wie sie sich im Fall eines Brandes verhalten sollen:

  • Keine Löschversuche unternehmen!
  • Sich in Sicherheit bringen!
  • Nachbarn oder anderen Erwachsenen Bescheid sagen!
  • Die Feuerwehr rufen oder rufen lassen!

Sollte es in der Wohnung zu einem Brand oder Unfall kommen:

  • Aus der Wohnung flüchten und hinter sich die Türen schließen - auch ohne Lieblings-Teddy!
  • Nachbarn Bescheid sagen.

Sollte das Flüchten aus der Wohnung nicht mehr möglich sein:

  • In ein Zimmer flüchten!
  • Die Tür schließen!
  • Den Spalt zwischen Tür und Boden mit einer Decke sowie das Schlüsselloch z.B. mit einer Socke zustopfen, damit der Rauch nicht eindringen kann!
  • Das Fenster öffnen und laut "Feuer" rufen, da manche auf das Wort "Hilfe" nicht mehr reagieren!
  • Sich nicht im Schrank verstecken, da man dort nur sehr schwer gefunden wird!

Bei Wohnungs­­­brän­­den besteht die Haupt­­bran­d­last meist aus Gebrauchs­­ge­­gen­­stän­­den, für die es keine oder nur sehr geringe Anfor­­de­run­­gen hinsicht­­lich der Brand­­si­cher­heit gibt. Vor allem die zuneh­men­de Verbrei­tung von Kunst­­­stof­­fen in Wohnungen ist für die schnelle Brand­aus­­brei­tung von Wohnungs­­­brän­­den verant­wor­t­­lich.

Brände im Kinder­­zim­­mer sind extrem gefährlich, da sich dort besonders viele brand­­ge­­fähr­­li­che Gegen­­stände befinden. 

Kinder können durch unvorsichtigen Umgang mit Feuer schnell einen Zimmerbrand auslösen, da sich viele Gebrauchsgegenstände mit einem Feuerzeug, einem Streichholz oder einer Kerze leicht entzünden lassen. Zu den gefährlichen Gebrauchsgegenständen zählt nach den Untersuchungen der Bundes­an­­stalt für Materi­al­­for­­schung und -prüfung (BAM) auch Kinderspielzeug aus Kunststoff. Es lässt sich sehr leicht entzünden und brennt mit erheblicher Wärme- und Rauchentwicklung ab.

Die BAM untersuchte auch mögliche Zündquellen hinsichtlich ihrer Temperaturentwicklung, da Wohnungs­­­brän­de oft durch Zündquel­len mit kleiner Flamme (wie Kerzen oder ein Feuerzeug) ausge­löst werden. Wunderkerzen stellen beispielsweise eine sehr gefährliche Zündquelle dar, da sie über 1000 °C erreichen können, also extrem heiß werden. Die Energie­spar­­lampe hingegen stellt im Gegensatz zur herköm­m­­li­chen Glühbirne keine mögliche Zündquelle dar, da die Tempe­ra­tu­ren sehr niedrig sind. 

Als Schluss­­fol­­ge­run­­gen aus diesen Unter­­su­chun­­gen ergeben sich die folgenden Punkte:

  • Kerzen, Feuerzeuge, Wunder­ker­­zen gehören nicht ins Kinder­­zim­­mer.
  • Lampen dürfen nicht mit Tüchern abgedeckt werden oder Kontakt zu brennbaren Materia­­lien wie Bettzeug haben, da diese sich entzünden können.
  • Energie­spar­lam­­pen verwenden, da sie im Gegensatz zu Glühbirnen sehr viel niedrigere Tempe­ra­tu­ren haben und deswegen als Zündquelle sehr unwahr­­schein­­lich sind.
  • Da sich Wohnungs­­­brände extrem schnell entwickeln, sollten alle Haushalte und besonders jedes Kinder­­zim­­mer mit Rauch­­mel­­dern ausge­­stat­tet sein, um auf einen Brand aufmerksam zu machen und insbe­­son­­dere nachts die Bewohner zu wecken.
  • Höhere Anfor­­de­run­­gen hinsicht­­lich der Brand­­si­cher­heit von Gebrauchs­­ge­­gen­­stän­­den sind notwendig, besonders für Schaum­­stoffe, elektri­­sche Geräte wie Fernseher und Kinder­­spiel­­zeug aus Kunststoff

Quelle: BAM Bundes­an­­stalt für Materi­al­­for­­schung und -prüfung 

Zusammen mit der Berliner Feuerwehr führte die BAM einen Großversuch durch, ein inszeniertes Feuer in einem Kinderzimmer. Wie schnell sich der Brand ausbreitete, ist kaum zu glauben. Nachdem die Schaumstoffmatratze eines Kinderbetts mit einem Teelicht entzündet worden war, dauerte es nur drei Minuten und 45 Sekunden, bis der Raum vollständig in Flammen stand.