„Vater der Gartenstadt“

Die Gartenstadt feiert in diesem Jahr ihren 110. Geburtstag. In dem Zusammenhang erinnern wir uns an Geheimrat Dr. Rintelen.

Straßenschild Rintelenstraße in der Gartenstadt

Geheimrat Dr. Ludwig Rintelen, dessen Todestag sich am 12. Januar 2020 zum 65. Mal jährt, hat in Neumünster seine Spuren hinterlassen: Rintelen ist der „Vater“ der Gartenstadt, die sich heute noch Neumünsters grünster Stadtteil nennen darf. Der Regierungsrat hatte sich große Verdienste auf dem Gebiet der Kleinsiedlung erworben. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes hat zwei Jahrzehnte in Neumünster gelebt und gehört zu den Gründern der Gartenstadt als Eigentumssiedlung in Neumünster. Es war damals bundesweit das erste Projekt dieser Art und fand überregional viel Beachtung. Arbeitern in der Industriestadt Neumünster sollte die Möglichkeit gegeben werden, anstatt in Mietskasernen auf eigenem Grund und Boden Einfamilienhäuser zu errichten. Nach ihm ist 1931 die Rintelenstraße in der Gartenstadt benannt worden. Zudem feiert die 1910 gegründete Gartenstadt in diesem Jahr den 110. Geburtstag.

Über seine Arbeit zur Verwirklichung der Gartenstadt hat er selbst folgendes geschrieben:

„Aber das schwierige Werk gelang doch nur dank der klugen Förderung durch den unvergessenen Oberbürgermeister Röer und den damaligen Stadtrat Schmidt, seinem Nachfolger, von dessen vorausschauender Baupolitik noch so manche anderen Straßenzüge und Bauwerke in die Zukunft hinein sprechen werden. Es gelang nur, weil andere tatkräftig, verständnisvoll und selbstlos sich mit einspannten. Ich nenne den um Neumünster stärker, als die Allgemeinheit weiß, verdienten Stadtbaurat Wilhelm Junglöw, mit dem zusammen ich im Jahre 1909 in England die „garden cities“ studiert habe. Andreas Sager stiftete damals einen ansehnlichen Betrag für die Verschönerung der aufstrebenden Siedlung. Die ersten Häuser wurden nach den schwierigen Vorarbeiten der Bereitstellung und Aufteilung des Geländes, der Gründung einer tragfähigen Genossenschaft, der Heranziehung von Architekten, der Ansiedlungs-genehmigungen und der Kreditbeschaffung im Sommer 1910 beziehbar. Im Jahre 1911 waren es schon 40, rund 70 im Jahre 1913. Dann kam der Krieg. Alles stockte. Das angebliche Hindenburgprogramm „jedem Kriegsteilnehmer sein eigenes Heim“ fand keine Verwirklichung. Und die Nachkriegszeit brachte durch Inflation und andere einander ablösende Missgriffe schlimmeres Unheil auch über die Gartenstadt als der Krieg selbst. Im Jahre 1925 hat sich dann die GmbH, die ihre wirtschaftliche Grundlage war, aufgelöst. Aber die Gartenstadt lebt! Und sie sieht hoffentlich frohe und kinderreiche Bewohner. Und sie wird wachsen – trotz allem! Möchte es mir vergönnt sein, die beendete Besiedlung ihrer Rintelenstraße noch zu sehen.“