Stadt ließ zu viele Bäume fällen

Baumstumpf

Aufgrund von Baumfällungen an der Messeachse im rückwärtigen Bereich der Rendsburger Straße hinter den Fachmärkten am Rande des ehemaligen Bahngeländes hat sich die Abteilung Natur und Umwelt der Stadt Neumünster als Untere Naturschutzbehörde jetzt eingeschaltet, um die Vorgänge aufzuklären und die notwendigen Schritte einzuleiten. Der Fachdienst Stadtplanung und -entwicklung hatte das Technische Betriebszentrum beauftragt, im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht und um die Gebäude näher untersuchen zu können Brombeeren, große Weidegebüsche und Bäume zu fällen. Es wurden jedoch auch elf ortsbildprägende gesunde große Bäume gefällt.

„Das war ein eindeutiger Fehler und ein schwerer Eingriff in die Natur, der nicht ungeschehen gemacht werden kann. Die interne Kommunikation war mangelhaft. Eine Aufarbeitung des Geschehens durch die beteiligten Dienststellen ist jetzt unbedingt notwendig. Im Rahmen der eingeleiteten Ermittlungen wird die Untere Naturschutzbehörde wie bei vergleichbaren Fällen von Privatpersonen oder Unternehmen in vollem Umfang Ausgleichs- und Ersatzpflanzungen anordnen“, so Stadtsprecher Stephan Beitz. Ein entsprechendes Vorgehen stimmten die Fachdienstleiterinnen Ute Obel (Fachdienst Umwelt und Bauaufsicht) und Ute Spieler (Fachdienst Stadtplanung und -entwicklung) in einem umgehend anberaumten Gespräch mit dem Vorsitzenden des NABU Neumünster, Dr. Björn-Henning Rickert, und dem Vorsitzenden des Naturschutzbeirates, Klaus Langmaack, ab.

Hierbei wird nach Ermittlung des Sachverhalts im nächsten Schritt der Umfang der erforderlichen Kompensationsmaßnahmen festgestellt. Dabei ist nicht nur der Verlust der Bäume selbst, sondern auch der des Lebensraumes insgesamt zu berücksichtigen. Das geplante Konzept zur Weiterentwicklung einer ökologisch qualitativ hochwertigen Grünachse im Bereich der Messeaschse soll weiterhin verfolgt und umgesetzt werden. Bei der Entwicklung der Messeachse soll durch Herstellung einer Grünachse unter anderem mit mehreren Baumreihen zwischen dem südlichen und dem nördlich der Max-Johannsen-Brücke gelegenen Kleingartengelände der Bahn-Landwirtschaft erfolgen. 

Der Vorsitzende der NABU-Gruppe Neumünster, Dr. Björn-Henning Rickert, zeigt sich entrüstet: „Dass der Auftrag in der Beseitigung eines großen und bisher das Ortsbild prägenden Gehölzbestandes mit mehreren stärkeren Alteichen endet, ist ein nicht nachvollziehbares Desaster. Wir fordern, dass die Stadt bei der Aufklärung des Vorganges und bezüglich des zwingend aus dem Eingriff entstehenden Ausgleichserfordernisses genauso konsequent vorgeht wie bei den vergleichbaren Vorgängen in der jüngsten Vergangenheit. So reiht sich die Fällaktion im Bereich der Rendsburger Straße ein in die ebenfalls ungenehmigten Fällaktionen der Wobau an der Lötzener Straße im letzten Jahr und eine jüngst auf einer Privatfläche erfolgte Waldrodung im Bereich Rügenstraße. Der Ausgleich sollte in diesem Fall nicht nur als Ersatzpflanzung am ursprünglichen Standort, sondern darüber hinaus auf zusätzlichen weiteren Flächen erfolgen, um eine transparente Trennung zwischen dem Ausgleich und den ohnehin im Zuge der Entwicklung der Messeachse in Planung befindlichen Maßnahmen zu ermöglichen.“

„Es stellt sich die Frage, wie aus einem Rückschnitt bei Brombeeren und einer Verkehrssicherungsmaßnahme ein Kahlschlag werden konnte. Dass Aufträge zwischen zwei Fachdiensten so unpräzise vergeben worden sein sollen, wirft neue Fragen auf. Eine lückenlose Aufklärung ist dringend erforderlich! Eine qualifizierte und hochwertige Ersatzpflanzung außerhalb der in den Planungen vorgesehenen Maßnahmen sollte erfolgen“, so der Vorsitzende des Naturschutzbeirates, Klaus Langmaack.

„Die Untere Naturschutzbehörde arbeitet das Verfahren jetzt umgehend und ordnungsgemäß ab“, versichert Stephan Beitz abschließend.