Sozialer Rettungsring

Wenn es in Familien kriselt: Das Jugendamt der Stadt Neumünster hat im vergangenen Jahr 354 Mal den „sozialen Rettungsring“ ausgeworfen.

Einen „sozialen Rettungsring“, nach dem Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern greifen – gerade in der Corona-Pandemie: Genau diesen bietet das Jugendamt in der Stadt Neumünster. Dort gibt es den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD). „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ASD sind in Familien immer dann zur Stelle, wenn es kriselt – in der Coronavirus-Pandemie. Und natürlich auch danach“, sagt Manuela Kastrup, Fachdienstleiterin des ASD Neumünster.

Von Schulproblemen über Konflikte in der Familie bis zur Sucht – vieles kann Kindern und Jugendlichen das Leben schwer machen oder sie sogar aus der Bahn werfen. „Die Coronavirus-Pandemie hat in vielen Familien diese Probleme noch verschärft: Nicht raus zu können – keine Kita, keine Schule, keine Freunde zu treffen, kein Sport, kein Club. Gerade dann, wenn sich das Leben in einer kleinen Wohnung abspielt, liegen die Nerven schon mal schnell blank“, so Kastrup.

Eltern hätten zudem häufig das Problem, den Alltag in den Griff zu bekommen: von regelmäßigen Mahlzeiten bis zum Umgang mit Konflikten. Genau dann sei das Jugendamt gefragt: Der Allgemeine Soziale Dienst helfe dabei, den Alltag zu organisieren. „Praktische Unterstützung zu geben, das ist unser Job. Das Spektrum an Hilfe, das der ASD dabei anbietet, ist breit: von der Erziehungsberatung über die Unterstützung in der Familie bis zum Vermitteln einer Pflegefamilie“, so die Fachdienstleiterin.

Eltern oder Kinder wendeten sich oft selbst an das Jugendamt. „Aber auch Menschen aus dem Umfeld meldeten sich, wenn sie sich Sorgen um ein Kind machen: Vor der Pandemie kamen Hinweise oft aus Kitas und Schulen. Jetzt sind es häufiger auch Nachbarn, die merken, wenn Hilfe vom Jugendamt gebraucht wird. Wenn das Wohl von Kindern gefährdet ist, dann ist das ein absolut ernstes Thema. Es ist wichtig, hier die Augen im Alltag offenzuhalten und mit den Ohren im eigenen Umfeld auf Empfang zu bleiben“, erklärt Manuela Kastrup.

Im vergangenen Jahr seien 354 Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung bei der Stadtverwaltung Neumünster eingegangen – Fälle, die den Allgemeinen Sozialen Dienst auf den Plan gerufen haben. Ein Viertel davon waren „ernste, akute Fälle“, in weiteren 19 Prozent musste die weitere Entwicklung in den Familien beobachtet werden, weil eine Gefährdung der Kinder nicht ausgeschlossen werden konnte, berichtet Kastrup. Hier sei es beispielsweise um mögliche Gewalt in der Familie oder Vernachlässigung der Kinder gegangen. Ebenso komme es immer wieder vor, dass der ASD Neumünster auf Familien treffe, die große finanzielle Sorgen haben oder mit psychischen Problemen belastet sind.

„Bei 28 Prozent der Hinweise, die uns erreicht haben, gab es zwar keine Kindeswohlgefährdung, allerdings war Hilfe und Unterstützung vom Jugendamt dringend notwendig. Da sind wir drangeblieben. Anders in den übrigen Fällen: Das war ‚falscher Alarm‘. Aber der ist uns allemal lieber, als wenn einmal zu wenig hingeschaut wird“, meint die erfahrene Pädagogin Manuela Kastrup.

Im Fokus stehen beim ASD Neumünster immer die Kinder, die Jugendlichen und ebenso die Eltern: „Wenn es darum geht, dass das Wohl der Kinder gefährdet ist, dann ist der Eins-zu-eins-Kontakt mit den Eltern enorm wichtig – egal, ob es einen Lockdown gibt oder nicht“, sagt die Fachdienstleiterin. Das Jugendamt setze nämlich alles daran, den „menschlichen Lockdown“ in Familien zu verhindern.

Oft reiche es für den Schutz der Kinder bereits aus, den Eltern konkrete Hilfen anzubieten. „Denn das ist häufig schon der Schlüssel zum Erfolg. Wer die Eltern stärkt, schützt damit oft auch gleich die Kinder: starke Eltern, starke Kinder“, stellt der Erste Stadtrat Carsten Hillgruber abschließend fest.

Wer Hilfe benötigt, kann sich direkt an den ASD der Stadt Neumünster wenden – per Telefon an 04321 942 2374 oder per E-Mail.