Energie einsparen!

Oberbürgermeister: Energiesparen ist das Gebot der Stunde. Auch die Stadt ergreift Maßnahmen: So wird es 2022 keine Eisbahn geben.

Um Energie einzusparen, wird es 2022 keine Eisbahn geben.
Um Energie einzusparen, wird es 2022 keine Eisbahn auf dem Weihnachtsmarkt geben.

„Der grausame Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und dessen deutliche Auswirkungen auf Energieressourcen zwingen uns zum Handeln. Wir müssen uns alle gemeinsam auf einen kritischen Winter vorbereiten. Oberstes Gebot ist daher das Sparen von Strom und Wärme, da zum einen die Gasmengen begrenzt sind und zum anderen die Energiepreise deutlich steigen“, formuliert Oberbürgermeister Tobias Bergmann.

Der Krieg sorgt für starke Bewegung am Energiemarkt sowie Unsicherheiten für Gas- und Wärmeversorgung in den Wintermonaten, da es bundesweit noch eine hohe Abhängigkeit von russischen Rohstoffen in der Energieproduktion gibt. Die Kommunen, Unternehmen sowie die Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, Energie zu sparen. Oberbürgermeister Bergmann ruft zum Ressourcenschonen auf und kündigt erste Maßnahmen der Stadt an und appelliert an die Bürger/-innen: „In der aktuellen Lage brauchen wir Solidarität und müssen gemeinsam Energie einsparen, um die vorhanden Rohstoffe richtig einzusetzen und zu schonen“, sagt  Tobias Bergmann.

Unterstützung erhält er vom Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Böddeker: „Durch den Einsatz von Ersatzbrennstoff, der aus Abfall gewonnen wird, hat Neumünster eine gute Ausgangslage – 70 Prozent unserer Wärme wird daraus gewonnen. Dennoch sollten wir Einsparungen treffen, wo wir können, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Im Bad am Stadtwald werden wir die Wassertemperatur um zwei Grad absenken.“

Seit dem 21. Juli 2022 sollten die Versorgungsleitungen von Russland nach Deutschland wieder 40 Prozent der mögliche Kapazitäten transportieren, doch keine fünf Tage später kündigte der russische Konzern Gazprom an, die Leistung wieder auf 20 Prozent zu reduzieren. Deutschland- bzw. EU-weit müssen rund 10 bis 15 Prozent des Gasverbrauches reduziert werden, damit die bis zur Herizperiode aufgefüllten Gasspeicher Europa über den Winter problemlos versorgen können.

Michael Böddeker, Geschäftsführer der Stadtwerke Neumünster, erklärt die Lage für die Neumünsteraner Fernwärme: „Mit unserem Wärmekraftwerk versorgen wir rund 1/3 des Stadtgebietes von Neumünster und zirka 25.000 Haushalte. Der Vorteil für die Neumünsteraner ist in dieser Zeit, dass der Hauptanteil der Neumünsteraner Fernwärme durch Ersatzbrennstoff – also aufbereiteten Restabfall – produziert wird. Wir sind damit nicht allein abhängig von fossilen Ressourcen wie andere Städte.“ In den Wintermonaten reiche die Leistung der Thermischen Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage (TEV) nicht aus, daher kommen hier Spitzenlast-Kessel zum Einsatz. Diese wurden bisher mit Kohle betrieben und sollten auf Gas umgestellt werden. In der aktuellen Lage werden die Gaskessel in diesem Winter noch nicht zum Einsatz kommen. „Um die Versorgungssicherheit in jedem Falle gewährleisten zu können, haben wir bereits begonnen, unsere Kohle- und Öl-Lager aufzufüllen. Gleichzeitig sind wir aktuell dabei, ein Vorratslager an fertigem Ersatzbrennstoff für die TEV anzulegen“, führt der SWN-Chef aus. Dieses soll in Zeiten hoher Wärmenachfrage, also im Winterhalbjahr, eingesetzt werden.

Neben der Fernwärmeversorgung haben die Stadtwerke Neumünster auch den Energiemarkt im Blick: „Die Börsen-Preise für Strom und Gas stiegen in den vergangenen Monaten stark wie kontinuierlich. Aktuell sehen wir an den Handelsplätzen für die kommenden Jahre sogar eine Verdopplung der Preise. Wir raten unseren Kunden daher, Energie zu sparen und zu einer vorsorglichen Anhebung ihrer Abschläge. Wir möchten sie nicht mit der Jahresabrechnung überraschen“, erklärt Michael Böddeker. Trotz der langfristig angelegten Beschaffung der Stadtwerke Neumünster wird das Unternehmen, die aktuellen Bewegungen am Energiemarkt nicht auffangen können.

Dabei kann man mit kleineren Maßnahmen schon viel erreichen: Schon jetzt – aber besonders in der Heizperiode – sollten die Neumünsteraner/-innen stoßlüften, die Raumtemperatur um 1 bis 2 Grad absenken, Dichtungen von Fenstern und Außentüren überprüfen, die Heizung regelmäßig warten lassen, auf die richtige Heizungseinstellung achten: nachts absenken und die Heizkurve richtig einstellen lassen, insbesondere bei älteren Gebäuden mit großen Heizkörpern.

Aufgrund steigender Energiepreise kommen auch auf die privaten Haushalte massive Mehrausgaben für Strom und Wärme zu. „Menschen, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten, werden aber nicht allein gelassen und bekommen Unterstützung“, so Oberbürgermeister Bergmann. So gibt es die Möglichkeiten der Energiesparberatung und zwischen dem Jobcenter Neumünster und den Stadtwerken ein gut abgestimmtes Verfahren. Darüber hinaus unterstützt die Stadt Neumünster die Menschen mit Leistungen zur Grundsicherung im Alter.

„Die Stadt Neumünster fordert die Bürgerinnen und Bürger nicht nur zum Energiesparen auf, sondern geht mit gutem Beispiel voran“, gibt sich Oberbürgermeister Bergmann entschlossen. Folgende Maßnahmen ergreift die Stadt Neumünster:

  • Im SWN-Bad wird die Wassertemperatur in den großen Becken um 2 Grad Celsius gesenkt. Im Babybecken bleibt die bisherige Temperatur.
  • Die Stadt Neumünster sagt die Eisbahn zum Weihnachtsmarkt ab.
  • Die Straßenbeleuchtung wird morgens 15 Minuten früher ausgeschaltet und abends 15 Minuten später eingeschaltet.
  • Die Stadtverwaltung reduziert die Raumtemperatur in allen Büros auf die von der Arbeitsstättenverordnung vorgeschriebene Mindesttemperatur.
  • Die Heizperiode in den städtischen Liegenschaften wird verkürzt.
  • Die Reduzierung der Gleitzeit und damit die Kürzung der Heizzeiten in den städtischen Gebäuden wird geprüft.
  • Die Stadt schließt einzelne Liegenschaften zum Jahreswechsel – dort wo es möglich ist.

„Wir müssen den kritischen Winter mit vereinten Kräften meistern“, formuliert Oberbürgermeister Bergmann abschließend.